Wolf schlägt vor dem Hof zu

Mutterschaf vor den Augen des Besitzers gerissen. LR Hans Seitinger schlägt Alarm: „Wölfe machen vor Haus und Hof nicht Halt!“

Immer häufiger werden in der Steiermark Wölfe gesichtet und zunehmend kommt es auch zu besorgniserregenden Vorfällen und Rissen. Während sich die bisher bekannten Fälle auf Grenzregionen konzentrierten, wurde vergangenen Sonntag ein Landwirt in Wald am Schoberpass gleich mit zwei dramatischen Vorfällen konfrontiert. Am Sonntag wurde er um 10 Uhr vormittags durch verzweifelte Laute seiner Schafe aufgeschreckt und kurz danach fassungslos Augenzeuge, wie keine 100 Meter von seinem Hof entfernt ein Wolf ein Mutterschaf riss. Als das Raubtier den Bauern wahrnahm, flüchtete es in den Wald. In der darauffolgenden Nacht wurden ein Mutterschaf und zwei Lämmer gerissen. Und das, obwohl er am Balkon seines nahen Bauernhauses Wache gehalten hat.

Wertvolle Zuchttiere

Vor allem die steirischen Almbauern sind, wie es in einer Aussendung von Agrarlandesrat Hans Seitinger heißt, durch die angespannte Situation stark verunsichert. Diese weigern sich, sagt der Landesrat, zunehmend, ihre wertvollen Zuchttiere auf Almen zu treiben. Für ihn steht daher „außer Zweifel, dass die Situation für eine künftige Almbewirtschaftung dramatische Folgen nach sich zieht.“ Gerade auf Almen sei die Bewirtschaftung von existenzieller Bedeutung und von hoher volkswirtschaftlicher Notwendigkeit, da sie die Gefahr von Erosion und die Bedrohung durch Lawinen verringere. Die Alternative dazu wären teure Lawinenverbauungen zum Schutz der Lebens- und Siedlungsräume. Die Dramatik sei deshalb so groß, weil sich eine nicht bewirtschaftete Graslandschaft zu einem hochgefährlichen Rutschhang entwickeln kann.

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Einzäunung, Bewachung

Landesrat Seitinger betrachtet die von verschiedensten Tierschutzorganisationen immer wieder eingebrachten Vorschläge der Einzäunung von Almen in Berg- und Gebirgsgebieten als „ebenso unmöglich wie eine dauerhafte Bewachung durch Hirten“. In der Steiermark werden rund 2.000 Almen bewirtschaftet, die für den Landesrat „nicht nur einen wichtigen Teil des Ökosystems darstellen, sondern auch in Hinblick auf Tourismus und Landwirtschaft bedeutend sind“.  Seitinger spricht von „agressiven Prädatoren wie Wolf, Luchs und Bär die potenzielle Gefahrentiere für eine funktionierende Almwirtschaft sind“ und er sieht den Zwischenfall im Bezirk Leoben als „klaren Beweis dafür, dass Wölfe auch vor Haus und Hof nicht Halt machen.“

Lokalaugenschein

Der dramatische Vorfall führte zu raschen Reaktionen. Andreas Steinegger, Kammerobmann von Leoben, und Andreas Kühberger, Abgeordneter zum Nationalrat und Bürgermeister von Mautern, trafen sich gemeinsam mit Hegemeister Herbert Kroiss und Amtstierarzt Gerd Kaltenegger zu einem Lokalaugenschein. Kühberger: „Als Vater von Kleinkindern ist meine Sorge durch diesen Wolfsriss in unmittelbarer Nähe zum bewohnten Gebiet extrem gestiegen. Es kann nicht sein, dass der Naturschutz Forderungen an die Agrarvertretung stellt, aber im Hintergrund bei längst notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Tier weder politisch mitziehen, noch bezahlen will.“ Aus der Sicht des Abgeordneten zum Nationalrat wird in diesem Zusammenhang „vehement verhindert, obwohl wir längst Lösungen für morgen brauchen.“ Kühberger weiter: „Wölfe haben ihre Scheu vor dem Menschen verloren, vermehren sich stark und richten zunehmend massive Schäden an. Wir sind uns einig, dass in Zukunft Problemwölfe auf Basis eines bundesweiten Managementplans entnommen werden müssen. Ich ersuche Naturschutz-Landesrat Anton Lang hier einzulenken und mit uns gemeinsam an einem Strang zu ziehen!“

Risse melden

  • Wenn Landwirte oder Jäger Risse von großen Beutegreifern (Wolf, Bär oder Luchs) an Nutztieren melden, geht diese Nachricht entweder direkt an die Bezirksverwaltungsbehörden, oder über die Gemeinde, die Polizei, das Bezirksjagdamt oder Andere ebenfalls an die Bezirksverwaltungsbehörden.
  • Die Behörde leitet die Meldung an den jeweiligen Rissbegutachter weiter. Dieser setzt sich mit den betroffenen/meldenden Personen zwecks eines Ortsaugenscheins in Verbindung.
  • Im Zuge der Erhebung an Ort und Stelle werden wichtige Spuren gesichert und dokumentiert (Probenentnahmen an Wundrändern, Trittsiegel, Haare, Losungen etc.).
  • Sämtliche Risse und Nachweise sind von den Rissbegutachtern an Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien, zu melden. In Zweifelsfällen ist Rauer auch zur Beurteilung des Sachverhaltes beizuziehen.
  • Liegt zweifelsfrei ein Riss durch große Beutegreifer vor, stellt der jeweilige Begutachter oder Georg Rauer die Bestätigung für die Versicherung aus.
  • Wesentlich für das Funktionieren der Meldekette ist, dass alle wichtigen Informationen an die zuständigen Stellen weitergeleitet werden. Bei hoher Wahrscheinlichkeit von Übergriffen durch große Beutegreifer sind die Gemeinde(n) und Bezirksbauernkammer(n) zusätzlich zu informieren.

 

Beitragsbild: Norbert Ortner

 

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