Weichberger

Interview der Woche: Franz Telser

von Karlheinz Lind

SVS-Sicherheitsberater Franz Telser über Traktorunfälle, schlimme Folgen und wie das Risiko relativ einfach verringert werden kann.

NEUES LAND: In den letzten Tagen und Wochen kam es vermehrt zu Traktorunfällen, teils auch mit tödlichem Ausgang. Gibt es dazu genaue Zahlen von der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, sprich SVS?

Franz Telser: In der Land- und Forstwirtschaft ereignen sich pro Jahr 3500 bis 4000 Arbeitsunfälle unter den Landwirten in Österreich. Davon stehen etwa 120 bis 150 Unfälle in Zusammenhang mit einem Traktor. Die Anzahl der tödlich verlaufenden Traktorunfälle schwankt relativ stark zwischen 5 und 15 pro Jahr.

 

NL: Warum kommt es gerade jetzt zu diesen Häufungen?

Telser: Es ist sehr schwer, die Ursache dafür herauszufinden. Ein möglicher Grund könnte der lange Winter sein. Viele Arbeiten haben sich verzögert und müssen nun unter Zeitdruck rasch erledigt werden.

Unfallursachen

NL: Welche Unfallursachen kommen am häufigsten vor?

Telser: Die Unfälle können in diesem Bereich sehr unterschiedlich sein. Die größte Anzahl ereignet sich beim Auf- und Absteigen. Verletzungen entstehen durch Abrutschen vom Aufstieg, durch Hängenbleiben mit Kleidung oder beim Herunterspringen. Die Verletzungsschwere ist dabei auch nicht zu vernachlässigen, weil durchaus Bänderzerrungen, Bänderrisse und Knochenbrüche dabei sind. Auch bei Wartungsarbeiten ereignen sich immer wieder Unfälle. Das An- und Abhängen von Anbaugeräten beim Traktor ist ebenfalls gefährlich. Immer wieder werden Personen zwischen Traktor und Anbaugerät eingeklemmt, manchmal sogar mit tödlichem Ausgang.

 

NL: Meist enden Traktorstürze tödlich. Warum passiert das immer wieder?

Telser: Die Unfälle mit den schwersten Verletzungen beziehungsweise tödlichem Ausgang ereignen sich zweifelsfrei durch einen Traktorsturz. Man kann sagen, dass es im Wesentlichen drei große Gruppen von Unfallursachen für oder bei Traktorunfällen gibt. Die Umwelt, die Technik und der Mensch. Meist ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

 

NL: Wie ist das zu verstehen?

Telser: Die Ursachengruppe Umwelt ist von uns Menschen nicht veränderbar. Bei Minusgraden ist der Boden gefroren, Steilflächen müssen auch bewirtschaftet werden und wenn es so wie in diesen Tagen wenig Niederschläge gibt, ist es sehr trocken und das Reifenprofil kann sich mit dem Boden nicht verzahnen. Die Ursachengruppe Technik ist hingegen von uns sehr wohl veränderbar. Doch das braucht Zeit. So sollte etwa beim Kauf eines Traktors beziehungsweise Anhängers genau überlegt werden, welche Art der Bremse benötigt wird oder welche Bereifung gewählt wird. Auch bezüglich Ketten oder Ballastgewicht muss vor Antritt der Fahrt überlegt werden, ob diese benötigt werden. Der Punkt technisches Gebrechen lässt sich durch die Maßnahme „Wartung“ sehr gut bekämpfen. Die Ursachengruppe Mensch hat jeder von uns unmittelbar selbst in der Hand. Geschwindigkeit, Risiko, Ablenkung oder Pausengestaltung liegen im Ermessen des Fahrers.

 

NL: Welche Tipps können Sie zur Vermeidung solcher Unfälle geben?

Telser: Grundsätzlich sollte auch auf die technische Einsatzfähigkeit der Maschinen geachtet werden. Wurde die 57a-Begutachtung durchgeführt, funktionieren die Bremsen einwandfrei oder ist die notwendige Profiltiefe noch gegeben? All diese Punkte tragen zur Sicherheit und Unfallvermeidung bei. Auch die Ablenkung ist ein großes Thema. Es kann nicht sein, dass bei einem 150.000 Euro teuren Traktor bei der Freisprecheinrichtung gespart wird.

 

NL: Stichwort Gurt im Traktor. Ist das ein Thema?

Telser: Der Gurt kann keinen Unfall verhindern, aber tödliche Unfälle vermeiden. Rund zwei Drittel sogar.

 

Zur Person

  • Franz Telser startete im Jahr 1991 seine Kariere bei der SVB, jetzt SVS.
  • Seit 1996 ist der Wieselburg-Absolvent in der Sicherheitsberatung tätig.
  • Dazu zählen Beratungen am Hof, Vorträge in Schulen sowie bei der Facharbeiter und Meisterausbildung.
  • Telser ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und betreibt eine kleine Landwirtschaft in Kirchbach.

Beitragsfoto: Lind

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