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Bei Rassenvielfalt auf Platz eins

von Karl Brodschneider

In der Steiermark wurden vier Schaf- und zwei Ziegenrassen neu anerkannt. Die Nachfrage nach Qualitätslämmern ist ungebrochen groß.

 

Die Steiermark ist das Bundesland mit der größten Rassenvielfalt bei den Schafen und Ziegen. Erst kürzlich wurden vier Schafrassen (Herdwick, Zwartbles, Kamerunschaf, Lacaune) sowie zwei Ziegenrassen (Bündner Strahlenziege, Anglo Nubier Ziege) neu anerkannt. „Damit betreuen wir jetzt insgesamt 21 Schaf- und acht Ziegenrassen“, erklärt Siegfried Illmayer, Geschäftsführer des steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes.

Für die Zulassung der Tiere musste der Verband bei der Tierzuchtbehörde ein ausführliches Zuchtprogramm einreichen. Dieses beinhaltete unter anderem die Eigenschaften der Rassen, genetische Besonderheiten, Nutzungsrichtung, Exterieurbeschreibung, Leistungsprüfung, Populationsgröße sowie die Angabe von Zuchtausschließungsgründen. Nach einer intensiven Prüfung durch die Tierzuchtbehörde gab es nun grünes Licht für die Anerkennung.

Illmayer begrüßt die Rassenvielfalt: „Weil wir viele kleine Betriebe haben, wo nicht unbedingt die Wirtschaftlichkeit, sondern die Pflege der Flächen im Mittelpunkt steht.“ Außerdem geht es dabei auch um den Erhalt der genetischen Vielfalt.

Vermarktung

Beim Einsatz der jeweiligen Rasse spielt die Form der Vermarktung eine entscheidende Rolle. „Marktgerecht produzieren ist für den wirtschaftlichen Erfolg sehr wichtig“, betont der Geschäftsführer, „nur so können optimale Preise erzielt werden.“ Vor allem bei den gefährdeten Rassen funktioniert die organisierte Lämmervermarktung nicht, da wird meistens der Weg der Direktvermarktung gewählt.

Karl Konrad-Wolf

Auf seiner Landwirtschaft in Graz-Ries züchtet der Landwirtschaftsmeister Karl Konrad-Wolf Kamerunschafe.

So auch bei Landwirtschaftsmeister Karl Konrad-Wolf vom Arztenbauerhof am östlichen Stadtrand von Graz. Vor zehn Jahren holte er die ersten Kamerunschafe auf seinen Betrieb. Lange Zeit hatte er nach dem für ihn idealen Schaf gesucht. Es musste pflegeleicht, fruchtbar, robust und genügsam sein. Man sollte es nicht scheren müssen und es sollte ein zartes Fleisch haben. So stieß er auf dieses Schaf, dessen Fell sehr viele verschiedene Farbtöne haben kann. Die Rassenanerkennung des Kamerunschafes war für ihn ein Freudentag. „Meine Vision ist in Erfüllung gegangen“, jubelt der Schafzüchter und prophezeit: „Jetzt geht es erst so richtig los!“

Große Nachfrage

Siegfried Illmayer

Siegfried Illmayer ist Geschäftsführer des steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes.

Die derzeitige Marktsituation lädt durchaus ein, mit der Schafhaltung zu beginnen. „Die Nachfrage nach Qualitätslämmern ist nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa riesengroß“, macht Illmayer aufmerksam. „Wir brauchen dringend Qualitätslämmer. Die Preise sind stabil auf einem guten Niveau.“ Bei den Ziegen herrscht eine sehr große Nachfrage nach Milchprodukten. Probleme gibt es allerdings beim Kitzfleisch-Absatz. „Diesbezüglich wollen wir vom Zuchtverband ein Projekt starten und Werbung für das Kitzfleisch machen“, kündigt Illmayer an.

Laut aktuellen Daten gibt es in der Steiermark derzeit 3411 Betriebe, die Schafe halten, sowie 1782 Betriebe mit Ziegenhaltung. Allerdings halten davon 87 Prozent weniger als zehn Ziegen. Bei den Schafbauern liegt dieser Wert bei 45 Prozent.    

 

 

Fotos: SVZ OÖ, Brodschneider

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