Biofisch beliebter denn je

von Karlheinz Lind

Biofisch Züchter Heinrich Holler aus Preding über Direktvermarktung, den Online-Fischversand, Wetterextreme und zu viele Fischräuber.

NEUES LAND: Herr Holler, Sie haben sich auf die Biofisch-produktion spezialisiert. Wie kamen Sie dazu?

Heinrich Holler: Die Fischzucht von Biofisch ist am Gut Hornegg historisch bedingt. Das Schloss gehörte ursprünglich zum Augustiner Chorherrenstift, es war der Sommersitz der Geistlichkeit. Schon damals gab es Teiche. Mein Vater führte noch einen Milchviehbetrieb und Erwerbsobstbau bevor er in den 1960er Jahren zur Gänze auf die Fischproduktion umstellte. Damals gab es zwei Teiche in einem Ausmaß von einem halben Hektar, nun sind es 27 Teiche mit rund 30 Hektar Teichfläche. Bereits seit 2001 sind wir anerkannter Biobetrieb.

 

NL: Der Konsument wird immer ernährungsbewusster und greift vermehrt zu heimischen Fischprodukten. Können Sie diesen Trend bestätigen?

Holler: Auf jeden Fall. Und genau diese Konsumenten, die bewusst auf ihren Einkauf schauen, versuchen wir anzusprechen. Dabei spielt eben die biologische Wirtschaftsweise auch eine wichtige Rolle. Wir haben uns deshalb auch der Karpfenproduktion verschrieben, da wir nur Biogetreide zufüttern. Bei Raubfischen wäre das schwieriger, da diese mehr Spezialfutter benötigen.

 

NL: Wie vermarkten Sie Ihre Produkte?

Holler: Im Jahr 1998 erfolgte der Schritt in die Direktvermarktung, wir waren erstmals auf einem Bauernmarkt vertreten. Danach wuchsen wir kontinuierlich. Im vergangenen Jahr starteten wir die Online-Vermarktung. Dabei arbeiten wir mit einer kleinen Firma in Graz zusammen, die den Versand professionell und verlässlich übernimmt. Unter dem Markennamen ‚Das Fischkisterl‘ werden unsere Frischfische und Filets beziehungsweise verarbeiteten Produkte wie Sulzerl oder Räucheraufstriche über Nacht dem Kunden zugestellt. Dies erfolgt in der kalten Jahreszeit von November bis Ostern. Natürlich sind dies noch nicht die Mengen in der Vermarktung, aber der Anteil steigt.

 

NL: Ist es schwierig, Kunden von der guten Qualität zu überzeugen?

Holler: Eigentlich nicht. Hier gehen wir neue Wege. Seit kurzem bieten wir Führungen am Gut Hornegg an. Dabei können sich Besuchergruppen ein Bild von unserer Arbeitsweise machen. Wir starten mit einem Film und nach der Führung gibt es eine Spezialitätenverkostung. Es gibt in unserer Gesellschaft enorm viele Freizeitsuchende, die etwas erleben wollen. Da können wir punkten. Auch ein eigener Lehrpfad ist in Zukunft geplant.

 

NL: Wie beeinflussen Wetterextreme Ihre Arbeit?

Holler. Das sich Wetterextreme häufen, kann ich klar bestätigen. Gerade die Niederschlagsverteilung ist regional sehr unterschiedlich. Wir hatten heuer bis jetzt 580 Millimeter Niederschlag, auf einen Jahresschnitt von 870 Millimetern werden wir in diesem Jahr sicher nicht mehr kommen. Uns fehlt der gleichmäßige Regen, der die Böden sättigt und Quellhorizonte auffüllt. Heuer sind wir mit dem verfügbaren Wasser gerade mit Mühe und Not noch über die Runden gekommen, aber das kann sich ganz schnell ändern. Auch wir werden unsere Anzahl an Teichen reduzieren müssen, weil wir das Wasser nicht mehr haben.

 

NL: Das sind aber keine rosigen Aussichten?

Holler: Gerade deshalb wollen wir uns breiter aufstellen. Ich glaube nicht, dass wir über die Produktion alleine unser Einkommen erzielen können. Der Tourismus wird bei uns am Gut immer wichtiger.

 

NL: Problematik Fischräuber?

Holler: Es gibt ausreichend davon, da haben wir ein sehr großes Problem. Aus meiner Sicht ist der Naturschutz in dieser Thematik absolut unglaubwürdig. Vor Jahren wurde von 250 Fischottern in der Steiermark gesprochen, um einen guten Erhaltungszustand zu gewährleisten. Nun sind es 1200 Exemplare und man darf nichts dagegen tun.

 

Zur Person

  • Heinrich Holler, geboren 1971, betreibt eine Biofischzucht auf dem Gut Hornegg in Preding.
  • Er absolvierte die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Francisco Josephinum in Wieselburg und übernahm 1996 den Hof.
  • Zwei Jahre danach erfolgte der Einstieg in die Direktvermarktung, weiters gibt es fünf Ferienwohnungen.

Beitragsfoto: privat

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