Parktherme

Preis für Paulownia-Pioniere

von Robert Matzer

Der Agrar-Innovationspreis Vifzack 2020 geht an “Plantownia”, die südoststeirischen Pioniere in der Verwendung von Paulownia-Holz. Mit Platz zwei und drei werden Projekte zur stressfreien Schlachtung und dem Pilzanbau ausgezeichnet.

Richtige Luftsprünge haben die vier jungen österreichweiten Pioniere der weltmeisterlich wachsenden, bei uns weitgehend unbekannten Baumart Paulownia gemacht. Denn sie haben das Voting für den Agrar-Innovationspreis 2020 der Landwirtschaftskammer für sich entschieden. Dieser geht an das südoststeirische agrarische Quereinsteiger-Quartett Matthias und Roland Gutmann und ihren Kollegen, den IT-Spezialisten Lukas Kniely und den technischen Chemiker Herfried Eisler. In siebenjähriger mutiger und kostenintensiver Entwicklungs- und Versuchsarbeit haben sie mit dem revolutionären, federleichten Rohstoff Paulownia-Holz eine ökonomisch vielversprechende Zukunftsnische erschlossen.

Verwendet wird dieses einzigartige, superschnell wachsende Wert-Holz für Design-Möbel – so sorgte schon beim Design-Monat ein aus Paulownia gefertigtes Sofa für Aufsehen. Mit einer renommierten Ski-Firma haben die Pioniere ein Forschungsprojekt laufen und hoffen, dass sie künftig den superleichten Kern der Touren-Skier an dieses Unternehmen liefern dürfen. Auch bei Holzverbund-Werkstoffen wird Paulownia für Sandwich-Paneele künftig eine wichtige Rolle spielen. Die Pioniere sind überzeugt: „Wir brauchen für die Belieferung der Industrie hunderte Hektar Paulownien-Holz, 2020 wird unser Unternehmen Plantownia GesbR. österreichweit gerade einmal an elf Hektar beteiligt sein“.

Weltmeisterliches Wachstum

Der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Josef kann eines besonders gut: flott wachsen. Bei der Pflege ist er dagegen eine Diva, die sich auf guten, wasserversorgten Böden bei viel Licht am wohlsten fühlt und Spätfröste überhaupt nicht mag. „Unser bisheriger Rekordbaum ist in einer Vegetationsperiode von Mai bis Oktober unglaubliche 6,7 Meter in die Höhe gewachsen. Das sind mehr als drei Zentimeter pro Tag, die Jahresringe sind mehrere Zentimeter breit“, freuen sich die Gutmann-Brüder. Um einwandfreies Wert-Holz nach zwölf Jahren mit einem Durchmesser von etwas mehr als 30 Zentimetern und einer Länge von rund sieben Metern zu ernten, entfernen sie sechsmal im Jahr arbeitsaufwändig die heranwachsenden Äste. 1.500 bis 2.000 Stunden an Gesamtarbeitszeit steckt das Quartett in ihre drei Hektar, hat ihre extra installierte Arbeits-App errechnet.

Seit 2012 haben sie weit mehr als 100.000 Euro an Privatgeldern in Know-How, Züchtung, Arbeitsgeräte wie Traktor und Hebebühne investiert. Matthias und Roland Gutmann über ihr künftiges Betätigungsfeld: „Wir wissen jetzt, dass wir österreichweit die besten veredelten Paulownia-Jungpflanzen anbieten und mit unseren wissenschaftlich abgesicherten Erfahrungen künftige Paulownia-Produzenten bestens schulen können. Dazu haben wir auch die Plantownia GesbR. gegründet.“

Platz 2 und 3 in Bio-Hand

Platz zwei geht an die elfköpfige weststeirische Biobauerngruppe, die sich Tierwohl auf ihre Fahnen heften kann. Seit Mai dieses Jahres dürfen elf weststeirische Biobauern mit ihrem selbstentwickelten Schlachtanhänger stressfrei am Hof schlachten. Mit Beharrlichkeit und Überzeugung gelang es der Gruppe rund um Alois Kiegerl aus Trahütten dieses österreichweite, vorerst befristete Pilotprojekt auf die Beine zu stellen. „Tierwohl ist uns ein besonders wichtiges Anliegen. Vor allem unseren Abnehmern können wir mit gutem Gewissen vermitteln, dass die Tiere gut leben und möglichst stress- und vor allem schmerzfrei geschlachtet werden“, sagt Mitinitiator Hannes Kienzer und betont. Das schätzen die Kunden.

Platz drei geht an die Pilzfactory von Matea Jelavic und Klaus Grübler in St. Andrä im Sausal. Die beiden Quereinsteiger haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. In ihrer Pilzfactory schießen die Schwammerln nur so aus der Erde. Die Jus-Studentin und der Mechaniker züchten mit Leidenschaft und großem Erfolg Bio-Schwammerln und stellen auch Substrate für andere Züchter her. Der kometenhafte Aufstieg der Pilzfactory lässt sich so beschreiben: Pro Monat schießen rund 200 bis 250 Kilogramm Schwammerln aus dem Strohsubstrat. Zu 95 Prozent sind es Austernpilze, in den Sommermonaten kommen Raritäten wie Rosen- und Limonen-Seitlinge dazu. Die Bio-Pilze gibt es nicht nur in der Gastronomie und in Bauernläden, sondern auch in ausgewählten Merkur- und Billamärkten.

 

Die Gewinner

  • Platz 1: Roland Gutmann, Bairisch Kölldorf 192/2, 8344 Bairisch Kölldorf, Tel. 0660 7806743
  • Platz 2: Alois Kiegerl, Kruckenberg 6, 8530 Trahütten, Tel. 0676 9623445
  • Matea Jelavic, St. Andrä im Sausal 40, 8444 St. Andrä im Sausal, Tel. 0664 4041754

Beitragsbild: LK/Danner

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