„Billigware kann nicht das Ziel sein“

von Robert Matzer

Bergbauer Hannes Royer über seine Plattform „Land schafft Leben“ und die Positionierung der Landwirtschaft in der Zukunft.

NEUES LAND: Sie haben neben ihrer Tätigkeit als Bergbauer die Plattform „Land schafft Leben“ gegründet. Worum handelt es sich dabei?

Hannes Royer: Es ist ein Verein, der den Wert österreichischer Lebensmittel in der Gesellschaft vermittelt. Wir zeigen den Konsumenten mit Hilfe von Beiträgen und Videos völlig transparent und ohne zu werten, wie die Produktion vor Ort beim Bauern erfolgt, wie die Verarbeitung funktioniert, wie das fertige Produkt schließlich im Lebensmittelhandel landet und warum heimische Produkte auch ihren Preis haben müssen. Damit möchten wir der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ in unserer Gesellschaft entgegenwirken. Unser Anspruch ist Authentizität. Wir sind keine Interessensvertretung für Bauern, Lebensmittelhandel oder Politik.

NL: Sie finanzieren Ihre bereits 14 Mitarbeiter zu einem guten Teil mit Hilfe von Spenden aus der Lebensmittelbranche. Sind Sie dadurch nicht zu einer Art Interessensvertretung gezwungen?

Royer: Nein. Unsere Finanzierung ist völlig transparent und Firmen, die uns unterstützen, sind keine Vereinsmitglieder. Eine unabhängige Berichterstattung ist unsere Bedingung und unser höchstes Gut ist die Glaubwürdigkeit. Wir arbeiten dabei mit allen zusammen, egal ob Landwirt, Landwirtschaftskammer, AMA, NGO, Politik oder Wissenschaft.

NL: Was ist neben der Öffentlichkeitsarbeit aus Ihrer Sicht für die Landwirtschaft in Zukunft wichtig?

Royer: Eine klarere Positionierung, wer unsere Zielgruppe ist. Wir schaffen die Produktion über den Preis in Österreich nicht, daher kann auch die Herstellung von Billigware nicht unser Ziel sein. Außerdem bekommt der Konsument dadurch widersprüchliche Informationen. Beispielsweise reden Vertreter der Milchbranche oft von einer völligen Freiheit von Gentechnik, Vertreter der Schweinebranche dagegen von der Notwendigkeit gentechnisch veränderten Sojas aus Übersee, um konkurrenzfähig zu bleiben. Für den Konsument ist das widersprüchlich, weil er nicht zwischen den Branchen unterscheidet. In seiner Wahrnehmung sind das alles „die Bauern“, maximal der Winzer ist da eine Ausnahme. Gleichzeitig werden Übermengen in der Produktion ins Ausland verramscht. Das macht doch keinen Sinn.

NL: Aber die Qualität der Produktion ist in Österreich doch schon auf sehr hohem Niveau. Oder nicht?

Royer: Wir sind auf einem guten Weg, müssen den aber noch viel konsequenter gehen. Weg vom Versuch über den Preis zu produzieren. Exporte schon, aber keine Billigexporte. Dafür mehr Aufwand in die Positionierung der heimischen Lebensmittel im Ausland als Top-Produkte. In Finnland beispielsweise ist der Schweizer Käse sehr bekannt und hochpreisig, österreichischen Käse gleicher Qualität kauft dagegen niemand.

NL: Welche Aufgabe hat dabei die Politik? Waren Sie mit der Arbeit von Elisabeth Köstinger zufrieden?

Royer: Sie hat wie keine Ministerin zuvor versucht, wichtige Themen wie die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie voranzutreiben. Auch die Zusammenführung von Tourismus und Landwirtschaft in einem Ministerium ist absolut sinnvoll. Ich hoffe, das geht ab Herbst wieder in eine ähnliche Richtung. Vom Bauernbund würde ich mir wünschen, dass er die Marktgeschehnisse im Lebensmittelhandel stärker im Fokus hat und dabei ein kämpferisches Auftreten zeigt.

 

Zur Person

Hannes Royer ist 42 Jahre alt und führt einen Bio-Bergbauernhof mit 35 Hektar Grünland und 28 Hektar Wald in Rohrmoos bei Schladming. Sein Schwerpunkt liegt auf der Kalbinnenaufzucht, er vermietet aber auch Appartements über Urlaub am Bauernhof und baute einen gewerblichen Winterdienst in der Region auf. Er ist Gründer der Plattform landschafftleben.at.

 

Beitragsbild: Land schafft Leben

 

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