Mit der Kraft des Horns

von Robert Matzer

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft erfreut sich einer steigenden Nachfrage. Steirische Obstbauern gehen damit neue Wege.

Der Bio-Anbauverband „Demeter“ ist mittlerweile vielen Konsumenten und Produzenten ein Begriff. Seine Mitglieder arbeiten weltweit nach den gleichen Richtlinien der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, die in ihrem Kern auf den Weltanschauungen Rudolf Steiners beruht. Seine Methode der „Anthroposophie“ kann wörtlich aus dem Griechischen als „Weisheit vom Menschen“ übersetzt werden. Sie soll dazu dienen, dass der Mensch auf existenzielle Fragen, die ihn tief bewegen können, selbst Antworten findet. Die Landwirtschaftlich ist darin ein Teilbereich, bei dem es um die Beziehungen des Menschen zu Boden, Tieren, Pflanzen, anderen Menschen, und zuletzt natürlich auch zu sich selbst geht. So entwickeln sich Bäuerinnen und Bauern von reinen Lebensmittelproduzenten zu Kulturschaffenden und erleben ihre Höfe mehr als lebende Organismen.

Gegenpol

Von einigen Menschen wohl eher negativ als Esoterik und Mystik abgetan, erfreut sich diese Art der Landwirtschaft – trotz ihres Nischendaseins – aber steigender Beliebtheit. Und das ist verständlich, denn in Zeiten anonymer und globalisierter Massenware und einer spirituell verarmenden Gesellschaft kann sie für Konsumenten als eine Art Gegenpol dazu wahrgenommen werden. Auf Seiten der Bauern können Wachstumszwang, Preisdruck und Dauerstress dazu führen, dass die Freude an der Landwirtschaft verloren geht und der eigene Betrieb nur noch als Hamsterrad wahrgenommen wird. Dann mag die „Demeter-Philosophie“ mit ihrem gesamtheitlichen Ansatz zweifellos ein zukunftsfähiges Modell sein.

Claudia Freiding im Porträt

Claudia Freiding ist Obstbauberaterin bei der Landwirtschaftskammer. Foto: Kernteam

In der Steiermark formte sich eine Gruppe an Obstbauern, die mit dieser Wirtschaftsweise neue Wege gehen möchte. Professionelle Unterstützung erhalten die Produzenten von Obstbauberaterin Claudia Freiding von der Landwirtschaftskammer. Sie erzählt von den Anfängen im Herbst 2017: „Wir hatten eine Anfrage von mehreren Bäuerinnen und Bauern, die an einer Umstellung auf Demeter interessiert waren. Auch meine Erfahrungen damit hielten sich in Grenzen und so besuchten wir gemeinsam im Winter 2017/2018 einen mehrtägigen Demeter Grundkurs in Salzburg. Dabei überraschte mich das insgesamt große Interesse in Österreich an dieser Wirtschaftsweise quer über alle Produktionsspaten.“ Seitdem organisiert sie für die Landwirte immer wieder Treffen, Veranstaltungen und Lehrfahrten und steht ihnen mit bestem Wissen und Gewissen zur Seite.

Präparate

Speziell bei der Arbeit mit den verschiedensten Präparaten, die in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft Anwendung finden, gibt es einiges zu lernen und auszuprobieren. Die Beraterin, die auch Kräuterpädagogin ist, dazu: „Ein wichtiger Teil ist die Arbeit mit dem Boden und unterstützend dafür die Herstellung von Komposten. Es gibt sechs Präparate aus Löwenzahn, Brennnessel, Eichenrinde, Schafgarbe, Kamille und Baldrian, die alle unterschiedliche Zwecke in der Kompostmiete erfüllen. Es ist schon einiges an Übung erforderlich, die Arbeit lohnt sich aber wirklich.“ Außerdem erregen Demeter-Landwirte immer wieder Aufsehen mit dem Vergraben von Rinderhörnern, die zuvor mit Rindermist oder vermahlenem Gestein befüllt wurden. Diese daraus gewonnenen Präparate werden direkt auf die Pflanzen verteilt. „Sie dienen als mikrobiologische Stärkungsmittel für die Pflanze und sollen im Obstbau die Haltbarkeit der Früchte verbessern. Verschiedene Händler bestätigen das schon seit Jahren“, so Freiding.

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In der Steiermark hat sich eine sehr engagierte Gruppe an Obstbauern gebildet. Sie möchten die Demeter-Landwirtschaft in Zukunft vorantreiben. Foto: Privat

 

Beitragsbild: Dozey – stock.adobe.com

 

 

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Helene Stammen- Lindner 19. Juni 2019 - 19:15

Endlich im Neuen Land mal was über die Demeter Landwirtschaft. könnte ruhig öfter sein, interressiert mich sehr.

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