Weichberger

Teichwirtschaft im Umbruch

von Gernot Zenz

Jetzt wird abgefischt. In der heimischen Teichwirtschaft ist gerade Erntezeit. Über eine Branche, die sich wachsender Beliebtheit erfreut, aber mit Herausforderungen zu kämpfen hat.

Gerade die letzten Monate haben uns den wahren Wert der hier produzierten Nahrungsmittel drastisch vor Augen geführt. Das gilt auch und besonders für den Fisch aus heimischer Teichwirtschaft. Er ist in aus der gesundheitsbewussten Ernährung nicht mehr wegzudenken. In der Steiermark haben wir insgesamt ungefähr 1.000 Hektar bewirtschaftete Teichfläche. Der Teichwirte- und Fischzüchterverband Steiermark zählt etwa 300 Mitgliedsbetriebe, davon sind ungefähr 100 Direktvermarkter. Gerade im Winter ist Karpfensaison. Verkauft wird der Fang der heimischen Teichwirtschaft vor allem ab Hof und an die Gastronomie. Das sind pro Jahr in der Steiermark etwa 400 Tonnen Karpfen, auch Amur und Silberamur. Ganzjährig Saison haben die sogenannten Salmoniden, also die Lachsfische, zu denen auch die Forelle gehört, der zweite wichtige Speisefisch bei uns. Regenbogen- und Bachsaiblinge sind die häufigsten Arten hierzulande. Auch von diesen Fischen werden jedes Jahr in der Steiermark etwa 400 Tonnen vermarktet.

Große Fisch-Verluste

Beeindruckende Zahlen, sollte man meinen. „Damit decken wir den Fischbedarf in Österreich aber nur zu etwa fünf Prozent“, weiß Helfried Reimoser, Geschäftsführer des Teichwirte- und Fischzüchterverbandes Steiermark. „Grundsätzlich hätten wir das Potenzial, diesen Wert wesentlich zu erhöhen, allerdings machen uns da die Prädatoren einen Strich durch die Rechnung.“ Diese Prädatoren kennen wir landläufig unter den Namen Fischotter und Kormoran. Das Problem: Diese Arten lieben Fisch, sind aber selbst geschützt. Gerade der Fischotter war in unseren Breiten schon sehr selten. Inzwischen haben sich die Bestände aber wieder erholt. Diese grundsätzlich positive Entwicklung hat eine Schattenseite, die vor allem die Teichwirte zu spüren bekommen. Die geschätzten 2.000 Fischotter in der Steiermark verputzen etwa drei Tonnen Fisch – pro Tag!

Fischexperte Reimoser

Fischexperte Helfried Reimoser. Foto: Archiv

Das hat schwerwiegende Folgen. „Viele Gewässer werden nicht mehr aktiv bewirtschaftet, weil sich keine Fische mehr drinnen halten können“, erklärt Reimoser. „Das ist vor allem bei der Karpfenzucht ein Problem, weil die Teiche meist zu groß für eine Einzäunung sind. Bei Forellen ist das aufgrund der kleineren Teiche noch eher möglich.“ Die Teichwirtschaft reagiert mit höheren Besatzungszahlen. Was aber die Betriebe vor wirtschaftliche Schwierigkeiten stellt, wie Reimoser betont. „Wir haben Ausfälle von etwa 50 Prozent der eingesetzten Fische. Bis zu 30 Prozent halten wir aus, alles darüber ist aber wirtschaftlich nicht tragbar.“ Deshalb plädiert Reimoser für ein Überdenken des strengen Abschussverbotes, vor allem für den Fischotter.

Angeln boomt

Wie kommt die Branche mit Corona klar? Da zeigt sich laut Reimoser ein differenziertes Bild: „Der Detailverkauf funktioniert jetzt sehr gut, weil viel Werbung für heimische Lebensmittel gemacht wurde. Allerdings leiden die Fisch verarbeitenden Betriebe, weil das Gastro-Geschäft schlechter läuft. Und die Angelwirtschaft war vom Lockdown schwer betroffen.“ Apropos Angelwirtschaft: Dieser Zweig, der vor wenigen Jahrzehnten noch so gut wie keine Rolle gespielt hat, wird immer wichtiger. Derzeit gibt es etwa 200 Angelteiche in der Steiermark. Sie sind ein relevanter Faktor in der Teichwirtschaft. Einerseits ist das Angeln selbst ein großer Freizeit-Trend, andererseits werden die von den Anglern gefangenen Fische in relevanten Mengen von den Betrieben verkauft. Trotz aller Herausforderungen für die Branche – für Nachwuchs ist gesorgt. „Schuld“ daran ist die Landwirtschaftliche Fachschule in Stainz. Hier wird die Teichwirtschaft unterrichtet. In den ersten beiden Jahrgängen der dreijährigen Fachschule wird Fischkunde, Gewässerkunde, Teichbewirtschaftung, Fischverarbeitung und Fischvermarktung gelehrt. „Dieser Zweig ist bei unseren Schülerinnen und Schülern sehr beliebt“, weiß Ulrike Temmel, Teichwirtschafts-Lehrerin an der Fachschule. „Viele von ihnen haben selbst einen Teich oder sind begeisterte Angler. Viel Wert wird bei uns auf die Praxis gelegt. Deshalb sind wir auch oft mit ganzen Klassen beim Abfischen aktiv dabei.“ Auch über das Ländliche Fortbildungsinstitut LFL und den Teichwirte- und Fischzüchterverband werden viele Teichwirtschafts-Kurse angeboten.

Info: www.teichwirteverband.at oder 0664/4313006

Beitragsfoto: LFS Stainz

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