Bio wächst weiter

von Robert Matzer

Bio wächst weiter. Mit der neuen GAP-Periode stehen in der steirischen Bio-Landwirtschaft neue Konzepte vor der Umsetzung.

„Wir schauen auf´s Ganze“ ist ein bekannter Slogan von Bio Austria und beinhaltet eine Vielzahl an Konzepten der biologischen Landwirtschaft. Vor allem durch die immer stärker werdende Klima-Debatte sind sie aktueller denn je. Das Schließen von Kreisläufen, die ganzjährige Bodenbegrünung oder höchste Tierwohl-Standards gehören beispielsweise dazu. Weitere Aspekte wie der Verzicht auf energieintensive Dünger, die Bindung von CO2 durch den Aufbau von Humus im Boden oder der Schutz der Artenvielfalt haben zusätzlich eine extrem starke gesellschaftliche Relevanz. Konsumenten und Produzenten sehen vermehrt diese Zusammenhänge, was sich eindeutig in den aktuellen Wachstumszahlen widerspiegelt. Das Fazit: Bio wächst weiter.

Ein Drittel

LK-Präsident Franz Titschenbacher sagt: „Bio gepaart mit regionaler Herkunft bedeutet für Konsumenten den höchsten Nutzen und ist für sie untrennbar mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit verbunden. 2018 gaben sie 1,9 Milliarden Euro für Bioprodukte aus – das ist eine Steigerung um fünf Prozent gegenüber dem Jahr davor.“. Auch die Produzenten stellen weiterhin auf biologische Produktion um: Rund 2500 Hektar Bio-Flächen sind in den vergangenen Jahren dazugekommen. Thomas Gschier, Obmann der Bio Ernte Steiermark, sieht in diesen Zahlen eine klare Richtung: „Bis zum Jahr 2028 ist es realistisch, dass 35 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet werden.“

Das angestrebte Wachstum soll im Zuge der nächsten GAP-Periode mit Projekten einher gehen, die „das Ganze“ noch weiter in den Vordergrund stellen. So sollen beispielsweise Bio-Modellregionen in ländlichen Gebieten eingerichtet werden. Durch die Zusammenarbeit von Biobetrieben mit Gastronomie, Hotellerie, Schulen, Handwerksbetrieben und Lebensmittelverarbeiter kann die Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette erreicht werden. Außerdem ist die Schaffung von „Bio Ernte Steiermark-Läden“ in Umsetzung, um dem Wunsch der Konsumenten nach regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln nachzukommen. Im Zuge dessen wird auch die Fachschule Grottenhof in Graz zum Konsumenteninformations- und Bio-Vermarktungszentrum erweitert.

Zertifizierung

Großes Potential sieht Bio Ernte Steiermark auch in der Gemeinschaftsverpflegung. Lediglich sechs Prozent der produzierten Bio-Lebensmittel landen beim Außer-Haus-Verzehr auf den Tellern der Steirer. Die Einrichtungen des Landes Steiermark werden hier kräftig zulegen, auch die heimische Gastronomie springt verstärkt auf diesen Zug auf. Damit einhergehend soll eine einheitliche Zertifizierungspflicht bei der Auslobung von Bio etabliert werden.

Zahlen, Daten, Fakten

Im Jahr 2018 gab es in Österreich 23.477 Bio-Betriebe, welche eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 637.805 Hektar bewirtschafteten. Im Vergleich zum Jahr 2017 erhöhte sich somit der Anteil an biologisch bewirtschafteten Flächen um rund 17.000 Hektar, davon rund 13.000 Hektar Ackerland. Starke Zuwächse waren insbesondere in den nordöstlichen Ackerbauregionen Österreichs zu verzeichnen. Bei den heimischen Eiweißpflanzen (im wesentlichen Pferdebohnen und Erbsen) liegt der Bio-Anteil bei rund zwei Drittel. Positiv entwickelt sich auch der biologische Anbau von Soja mit fast 30 Prozent der Fläche. Die Bio-Anbaufläche von Feldgemüse liegt bei mehr als 20 Prozent. Rund 22 Prozent der Rinder, 33 Prozent der Schafe und mehr als die Hälfte der Ziegen in Österreich werden auf Biobetrieben gehalten.

Damit ist Österreich auch weltweit unangefochtener Vorreiter im biologischen Anbau. Die Gründe hierfür sind die hohe Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln, die damit verbundenen höheren Rohstoffpreise und die Effekte des Bio-Aktionsprogramms 2015-2020.

Bio-Fest in Graz

Am 27. und 28. September findet bereits zum 25. Mal das beliebte Bio-Fest am Grazer Hauptplatz statt. Neben zahlreichen kulinarischen Schätzen wird das Fest als Green-Award-Träger heuer auch zahlreiche Neuerungen bieten. Dazu zählen auch erstmals Führungen für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und ein Flashmob anlässlich des „Earth Climate Strikes“.

Beitragsbild: LK/Foto Fischer

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