Weichberger

Wenig heimische Milch bei Frischkäse

von NEUES LAND

Die Warentester der steirischen Landwirtschaftskammer stellen wenig heimische Milch bei Frischkäse und Mozzarella fest.

Woher kommt die Milch in Frischkäse, Mozzarella und Butter, die in den Supermarktregalen angeboten werden? Diese Frage stellten sich die „Store-Checker“ der Landwirtschaftskammer Steiermark in ihrem jüngsten Warentest. „Das Ergebnis ist leider äußerst unbefriedigend und für die heimischen Milchbauern und ihre Verarbeitungsbetriebe deprimierend“, zeigt sich Kammerdirektor Werner Brugner enttäuscht.

Aus dem Ausland

Er stellt wenig heimische Milch bei diesen Produkten fest. Er führt aus: „Bis zu 100 Prozent des Mozzarella-Angebotes, bis zu 77 Prozent der Frischkäsesorten und bis zu 40 Prozent der angebotenen Butter sind aus dem Ausland!“ Vorwiegend kommen diese Produkte aus Dänemark, Irland, Deutschland, Italien oder Frankreich.

Mozzarella

Wer im Regal nach heimischem Mozzarella sucht, hat es besonders schwer. „Im Schnitt sind in den Regalen acht von zehn Mozzarella-Sorten aus dem Ausland. Eine Handelskette, die sich in ihren Werbeprospekten verstärkt Regionalität auf ihre Fahnen heftet, führt nur ausländische Mozzarella“, sagt Peter Stückler als Verantwortlicher dieser Herkunftsüberprüfung.  
Bei den verschiedenen Frischkäse-Sorten brachte der Einkaufstest zwar ein etwas besseres Ergebnis, das aber dennoch wenig erbaulich ist. Stückler: „Im Schnitt sind fast zwei Drittel der vorgefundenen Frischkäsesorten aus dem Ausland.“ Traurig für das Milchland Österreich ist auch, dass bis zu 40 Prozent der angebotenen Buttersorten aus der Ferne kommen, wenngleich ein Diskonter nur österreichische Butter anbietet.

Herkunftskennzeichnung

Was die Herkunftskennzeichnung betrifft, ist nur eine Käsesorte durchgefallen. Stückler beanstandet aber: „Obwohl auf der Verpackungsvorderseite auffällig mit ´abgepackt in Österreich‘ geworben wird, ist die tatsächliche Herkunft der Milch auf der Verpackungsrückseite nicht nachvollziehbar.“ Solche irreführenden Kennzeichnungen sind seit 1. April 2020 gesetzlich nicht mehr erlaubt.  
„Auffällig ist, dass Eigenmarken immer die Preisführerschaft im Regal haben und dass mit ausländischen Eigenmarken Preisdumping betrieben wird“, sagt Stückler. Das ist umso augenscheinlicher, weil nach EU-Nachhaltigkeitskriterien die österreichische Milch am besten abschneidet. Hinsichtlich Fütterung und Tierwohl erfüllt sie die höchsten Standards. Das bedeutet aber auch, dass die Herstellungskosten höher sind als in den EU-Ländern Deutschland, Italien, Irland, Frankreich oder Dänemark. 
Es ist unverständlich, dass der Lebensmittelhandel gerade Frischkäse und Mozzarella in einem derart großen Ausmaß importiert. „Die  
Landwirtschaft hat die Kapazitäten, die Regale mit heimischen Qualitätsprodukten zu füllen. Ausländische Herkünfte in den Regalen deuten darauf hin, dass der Handel bewusst auf höhere heimische Standards verzichtet und diese auch nicht bezahlt“, unterstreicht Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der österreichischen Milchverarbeiter.

Herkunftstest

Die Store-Checker der Landwirtschaftskammer Steiermark haben  
126 Frischkäse-, 39 Mozzarella- und 62 Butter-Proben auf die Herkunft des Rohstoffes Milch unter die Lupe genommen. Die Angebote von vier Handelsketten, darunter zwei Diskonter, wurden überprüft.

Beitragsfoto: agrarfoto.com

 

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