Urlaub vom Bauernhof

Urlaub

58 Prozent der heimischen Bauern nehmen sich diesen zumindest einmal im Jahr – das ergibt eine aktuelle Studie der „KeyQUEST“ Marktforschung unter 500 Betriebsführern landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich. Wir haben nachgefragt, wie, wann und warum sich Landwirtinnen und Landwirte Auszeit von ihrer schweren Arbeit am Hof nehmen.

Laut einer aktuellen Studie der „KeyQUEST“ Marktforschung unter 500 Betriebsführern landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich, sieht es mit Urlaub vom Bauernhof nicht so rosig aus. 42 Prozent der befragten Bauern geben an nie in Urlaub zu gehen, 58 Prozent machen das zumindest eine Woche im Jahr. Am wenigsten Urlaub gönnen sich Vieh-haltende Betriebe – dort machen sogar nur 16 Prozent der Befragten zumindest einmal im Jahr Urlaub.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, oft wird jedoch der Mangel an Zeit und tauglichen Ersatzarbeitskräften angeführt. Detaillierte Ergebnisse finden sie unter diesem Link. Wir haben genauer nachgefragt – neun steirische Landwirtinnen und Landwirte erzählen wie, wann und warum sie sich Auszeit von ihrer schweren Arbeit am Hof nehmen.

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Zum Kraft tanken

Elisabeth Pöltl, Obstbäuerin, Fehring: „Urlaub ist Pflichtprogramm und mit meiner Familie hole ich mir ein bis zweimal im Jahr Kraft für die Arbeit auf dem Hof und in der Mostbuschenschank. Im Urlaub kommen auch wieder neue Ideen, weil einem der Abstand dann doch eine andere Sicht auf das Ganze gibt. Es kann auch nur funktionieren, wenn die Generationen zusammenspielen und sich Jung und Alt mit der Auszeit abwechseln.“ Foto:kk

 

Urlaub in den Bergen

David Kargl, Obstbauer,Gaal: „Grundsätzlich bräuchte ich gar keinen Urlaub, aber man sollte schon mindestens einmal im Jahr für eine Woche weg, um Abstand zur Arbeit zu bekommen. Nur so kommt man zur Ruhe. Am Liebsten verbringe ich da die Zeit mit meiner Freundin in den Bergen oder in einer Therme. Ich muss mich auch regelmäßig sportlich betätigen können, das ist dann wahrscheinlich der Ausgleich zur Routine am Hof.“ Foto: kk

 

Gut fürs Miteinander

Margit Wurzinger, Bio-Imkerin, Pertlstein: „Nach diesem erfolgreichen Honigjahr wollen wir uns natürlich einen Urlaub gönnen. Aber grundsätzlich finde ich es sehr wichtig, mindestens einmal im Jahr für ein bis zwei Wochen wegzufahren. Das ist auch gut für das Miteinander am Betrieb, von der Erholung ganz abgesehen. Wir fliegen jetzt nach der Haupterntezeit für zwei Wochen nach Sizilien und freuen uns sehr.“ Foto: privat

 

Auszeit für alle

Waltraud Krain-Weinhapl, Hofbäckerin, Kainbach bei Graz: „Wir Bäuerinnen und Bauern sollten nicht nur Urlaub anbieten, sondern darauf pochen, selbst auch welchen zu genießen. Das tut der Seele gut. Mein Mann und ich lieben es, nicht nur im Sommer  abseits der Arbeit Sport zu betreiben. Das hält uns fit und wenn wir zurückkommen gehen wir frohen Mutes an die Arbeit und zehren von den schönen erlebten Momenten.“ Foto: kk

 

Freizeit als Privileg

Sabine Nebel, Alpakazüchter, Frauental: „Wer hat nicht gerne Urlaub? Aber ehrlich gesagt geht sich bei mir derzeit keiner aus. Meine 11 Alpakas brauchen meine zwei Hände und mein siebenmonatiges Baby all meine Aufmerksamkeit, die noch bleibt. Mein Freund und ich freuen uns aber auf ein paar freie Tage im kommenden Sommer. Freizeit muss sein, ist aber ein absolutes Privileg, vor allem unter den heimischen Viehbauern.“ Foto: Fürbass

 

Kurzfristig erholen

Helga Strohmeier, Christbaumbäuerin, Stainz: „Das Gute in der Landwirtschaft ist, dass man im Gegensatz zu Angestellten spontan ins Auto oder in den Flieger steigen kann. Oft sind es bei uns nur drei Tage am Stück, aber die genießen wir in vollen Zügen. Urlaub ist bei uns nur im Sommer möglich, da ab September die Pflege und Vorbereitung auf die Hauptsaison wieder starten, da ist nicht ein einziger Urlaubstag möglich.“ Foto: kk

 

Urlaub zu zweit

Corbinian Schiefer, Landwirt, Haus im Ennstal: „Gerade im Sommer machen die Menschen Abenteuerurlaub bei uns am Hof, da ist Urlaub schwer möglich. Aber natürlich achten alle Generationen bei uns am Hof. Diesen Sommer haben wir auch verstärkt für ‚Bauer sucht Frau‘ gedreht, also ein Sommer mit Frühlingsgefühlen. Den nächsten Urlaub verbringe ich nicht mehr alleine. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten.“ Foto: ATV

 

Nicht erreichbar sein

Thomas Gschier, Milchbauer, Graz: „Urlaub brauche ich mindestens zweimal im Jahr. Im Sommer geht’s ans Meer, im Winter auf die Piste. Das stärkt unseren Familienbund, wie auch die Wertschätzung am Hof. Mir ist auch wichtig, dass mein Handy zuhause bleibt. Man muss auch als Rinderbauer nicht immer erreichbar sein. Das pendelt die bäuerliche Seele wieder ein und man kommt auf ganz andere Gedanken.“ Foto: privat

 

Gutes für die Seele

Peter Masser, Winzer, Leutschach: „Als Weinbauer muss man seinen Sommerurlaub spontan einschieben, oder langfristig vorher planen und sich betrieblich danach einrichten. Ich genieße gerade einige Tage in Sölden, ehe ich zurück in die Weingärten zur Lese muss. Herbst und Winter sind die wichtigsten Jahreszeiten. Es wäre sehr clever, sich schon Wochen davor erholen zu können. Das schafft Platz im Kopf und in der Seele. Foto: privat

Beitragsbild: mirpic – stock.adobe.com Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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