Gäste-Minus bei Urlaub am Bauernhof

von Karl Brodschneider

Auch die Urlaub am Bauernhof-Betriebe bekommen die Folgen der Corona-Krise voll zu spüren und hoffen jetzt auf mehr einheimische Gäste.

Die Corona-Krise hat den Tourismus in Österreich völlig zum Erliegen gebracht. Alle Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe mussten schließen. Auch viele Urlaub am Bauernhof-Betriebe – in der Steiermark gibt es etwa 1400 bäuerliche Vermieter – blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. „Die Wintersaison musste um einen Monat früher als geplant abrupt beendet werden“, berichtet Hans Schwaiger, Obmann des Vereins Urlaub am Bauernhof. „Gerade jetzt zu Ostern wären viele Betriebe sehr gut ausgelastet gewesen.“

Hans Schwaiger

Hans Schwaiger ist Obmann des Vereines Urlaub am Bauernhof.

Im Mai wäre es dann landesweit so richtig losgegangen, aber jetzt heißt es abzuwarten. „Es trifft jeden von uns. Die Frage ist nur, wie lange dieser Stillstand dauert“, sagt der Ennstaler und ist realistisch: „Den ausländischen Gast werden wir heuer wohl nicht bei uns haben, aber gerade er macht 60 bis 70 Prozent unserer Gäste in der Sommersaison aus.“

Stimmung „sehr gefasst“

Die Stimmung bei den Mitgliedsbetrieben beschreibt er als „sehr gefasst“. Viele investieren ihr freigewordenes Zeitbudget in den landwirtschaftlichen Betrieb und in die Familie. Aber die finanziellen Auswirkungen sind groß. Im Durchschnitt erwirtschaftet ein Urlaub am Bauernhof-Betrieb 30 bis 35 Prozent seines Jahreseinkommens aus der Vermietung. Darum ist Schwaiger der Bundesregierung dafür dankbar, dass auch die Nebenerwerbsbetriebe in den Härtefallfonds aufgenommen worden sind.

Betroffen von den Folgen der Corona-Krise sind auch Elisabeth und Christian Unterberger aus Waisenegg bei Birkfeld. Am Milchviehbetrieb vulgo Ebner wird schon in dritter Generation Urlaub am Bauernhof angeboten. Derzeit stehen die drei Ferienwohnungen leer. Elisabeth Unterberger dazu: „Wir hatten zu Silvester und in den Semesterferien die letzten Gäste. Mit Ostern wären wir in die neue Saison gestartet.“ Sie trägt die augenblickliche Situation mit Fassung und sagt: „Wir haben das große Glück, dass wir wirtschaftlich auf mehreren Beinen stehen. Mit dem monatlichen Milchgeld gibt es somit auch ein geregeltes Einkommen.“

Wann es bei der Familie Unterberger wieder Urlaubsgäste am Hof geben wird, ist ungewiss. Auch wenn es gesetzlich wieder erlaubt sein wird, wird man mit den ersten Buchungen warten. „Mein Vater und mein Gatte zählen aufgrund von gesundheitlichen Problemen zur Hochrisikogruppe“, sagt die Bäuerin. „Wenn viele fremde Personen auf den Hof kommen, dann kann das für sie gefährlich werden.“ Große Freude herrscht am Betrieb jedoch über die Solidarität der Gäste. Viele Stammkunden fordern Gutscheine an, bezahlen sie sofort und begründen das: „Wir wollen euch in dieser schweren Zeit auch finanziell unterstützen.“

„Waren ausgebucht“

Die Situation bei den Urlaub am Bauernhof-Betrieben ist auch im Norden der Steiermark ähnlich. Bei Familie Heidi und Franz Gewessler in Bad Mitterndorf blickt man zwar noch auf eine zufrieden stellende Wintersaison zurück, doch nun kommt es auch hier zu einem Totalausfall. Franz Gewessler sagt: „Zu Ostern wären wir ausgebucht gewesen.“ Nicht nur die Wintersaison spielt aufgrund der Nähe zu den großen Schigebieten eine wichtige Rolle, auch im Sommer zählt das Ausseerland zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen in Österreich. Der Landwirt gibt zu bedenken: „Allein durch die Absage des Narzissenfestes fällt wieder ein gut gebuchter Zeitraum weg.“

Doch auch bei Familie Gewessler vulgo Hoisbauer zeigt man sich zuversichtlich. Wenn es wieder zur Öffnung der Gastronomie und Hotellerie kommt, rechnet man mit einer großen Nachfrage. „Über 70 Prozent unserer Gäste sind aus Österreich. Sie werden auch in Zukunft wieder bei uns Urlaub machen“, glaubt der Bauer und fügt an: „Vielleicht kommen ja auch neue Kunden dazu.“

Marketingmaßnahmen

Auf die einheimischen Gäste setzt auch Landesobmann Hans Schwaiger“ „Vielleicht ist die derzeitige Krise für uns auch eine große Chance, denn viele Gäste suchen das Kleine und Familiäre.“ Und er lässt wissen, dass der Bundes- und Landesverband von Urlaub am Bauernhof im Marketing jetzt ganz intensiv auf den österreichischen Gast setzen. „Vielleicht können wir damit noch einiges abfedern“, hofft Schwaiger. 

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