“Mit Abstand die beste Skisaison!”

von Karl Brodschneider

Abfahrtsweltcup-Gesamtsiegerin Nicole Schmidhofer über ihren Ausflug in das Lager der Speedski-Fahrer und ihr Verhältnis zu den Fans.

NEUES LAND: Die Weltcup-Skisaison ist vorbei. Wie schaut Ihr Resümee aus?

Nicole Schmidhofer: Es war mit Abstand meine bisher beste Saison. Ich bin mit zwei Abfahrtssiegen in Lake Louise, wo ich es nie vermutet hätte, grandios gestartet. In Garmisch-Partenkirchen feierte ich dann endlich meinen ersten Weltcup-Sieg im Super-G. Es hat doch lange gedauert, bis ich in meiner Paradedisziplin den ersten Super G gewinnen konnte. Bei der Weltmeisterschaft in Are hat es nicht sein sollen, es hat nichts zusammengepasst. Zum Glück konnte ich die Abfahrtskristallkugel gewinnen. Das ist für mich eigentlich unfassbar. Immer war der Super-G meine Paradedisziplin. Das mir das in der Abfahrt gelang, ist das Beste, was mir je passieren konnte.

NL: Nach dem Ende der alpinen Weltcup-Saison nahmen Sie auch noch an der Speedski-Weltmeisterschaft in Frankreich teil und schrieben Sportgeschichte.

Schmidhofer: Ja, nach dieser Wahnsinn-Saison im Skiweltcup habe ich noch eine weitere Woche Vollgas gegeben. Mein Ziel war, schneller als 200 km/zu fahren. Dass ich dann nur knapp am Podestplatz vorbeiraste, war fast schon zu viel des Guten. Im Semifinale fuhr ich 212 km/h und da packte mich der sportliche Ehrgeiz. Ich bin sehr stolz, dass ich dann auch noch den vierten Lauf machte und dabei 217 km/h schnell war.

NL: Kann man von so einer Speedski-WM etwas für die alpinen Bewerbe mitnehmen?

Schmidhofer: Man hat dabei durch die hautengen Anzüge keine Luft am Körper. Du kannst dich nicht selbst wahrnehmen. Für diese Form des Skifahrens braucht man ein ganz gutes Gespür, was unter dir passiert, wie sich die Position, in der man sich befindet, auswirkt. Ich war danach frei Ski fahren. Da ist man sehr schmerzbefreit, was die Geschwindigkeit betrifft. Ich hoffe, dass mir das für die nächste Saison bleibt.

NL: Die heurige Saison ist vorbei. Sie machen viele Presse- und Öffentlichkeitstermine. Wie geht es Ihnen dabei? 

Schmidhofer: Das ist jetzt ein positiver Stress. Viele Termine sind zwar anstrengend. Aber mir ist das lieber, als wenn ich zu Hause sitzen würde.

NL: Wie ist Ihr Verhältnis zu den Medien und Fans?

Schmidhofer: Ohne die Fans und Presse sind wir niemand. Ich bin dankbar, dass wir nach der WM, wo ich in den schnellen Disziplinen Mitfavoritin war, von der Presse nicht zerrissen worden sind. Daneben will ich auch meine Social-Media-Kanäle gut bedienen. Ich mache das mit Unterstützung, der Text kommt aber immer von mir. Das Naheverhältnis zu den Fans ist mir sehr wichtig, auch wenn es anstrengend ist. Es ist mir auch wichtig, meine Sponsoren zu präsentieren, aber bei allem will ich so zeigen, wie ich bin. Da gibt es keine Geheimnisse.  

NL: Wann geht`s für Sie wieder los?

Schmidhofer: Anfang Mai beginnt das Konditionstraining und ab Mitte August geht`s wieder auf den Schnee. Bis dahin bleibt aber Zeit, dass ich mich regeneriere und außerdem mache ich jetzt im April auch noch einen Taucher-Urlaub.

NL: Abschließend eine ganz persönliche Frage! Auf was freuen Sie sich während der Saison am meisten, wenn Sie zwischendurch für ein paar Tage heimkommen?

Schmidhofer: Auf die Käsespätzle von der Mama!

 

Zur Person

Nicole Schmidhofer (30) wohnt in Oberwölz und fährt seit zwölf Jahren Weltcup-Skirennen. Im Jahr 2017 wurde sie in St. Moritz im Super-G Weltmeisterin. In der Saison 2018/19 gewann sie den Abfahrtsweltcup. Bei der Speedski-Weltmeisterschaft 2019 fuhr sie 217,590 km/h und ist damit die schnellste Österreicherin auf Skiern.

Beitragsbild: Brodschneider

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