Sprung ins Spital

von NEUES LAND

10.000 Kinder verunfallen jährlich am Trampolin. Ursachen liegen oft in geringen Kenntnissen und unterschätzten Kräften.

Das Trampolin gehört für viele Familien zur Grundausstattung im eigenen Garten. Diese Art der Bewegung ist ein gutes Muskeltraining und schult die Koordinationsfähigkeit: Beides sind wichtige Faktoren, um Unfälle zu vermeiden. Doch auch die Verletzungsgefahr ist groß. „Mehr als 400 Kinder bis 14 Jahre werden jährlich nach einem Trampolinunfall an unserer Klinik behandelt. “2005, zu Beginn des Hüpf-Booms, waren es 76“, berichtet Holger Till, Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie über eine aktuelle hauseigene Studie.

Seit dem Jahr 2005 steigen die Behandlungszahlen stetig an – wobei die zusätzliche Steigerung ab Ende 2016 auf die damals eröffnenden Indoor-Trampolinparks zurückzuführen ist. Hochgerechnet auf die Steiermark passieren also gut 1.000 Trampolinunfälle pro Jahr; für Österreich bedeutet dies 8.500 bis 10.000 verletzte Kinder.

„Im Schnitt ist das verunfallte Kind am Gartentrampolin acht Jahre alt. Mädchen sind genauso häufig betroffen wie Burschen. Bei einem Drittel der Unfälle am Gartentrampolin handelt es sich um mittelschwere bis schwere Verletzungen“, so Studienautor Peter Spitzer. Till: „Es sind meist Knochenbrüche. Aber auch Bänderrisse bzw. -ausrisse und Gehirnerschütterungen kommen immer wieder vor“.

Irrglaube

„Den meisten Kindern und Eltern ist nicht bewusst, wo Gefahren am Gerät lauern, weil es weich’ wirkt. Tatsächlich passieren die meisten Verletzungen bei schlechten Landungen mitten am Trampolin und durch den Federeffekt, wenn mehrere, vor  allem unterschiedlich schwere Kinder gleichzeitig am Trampolin springen. Landungen auf einem Bein oder mit den Armen am Trampolin sind weit gefährlicher als angenommen. Schwerste Verletzungen können bei Landungen am Kopf auftreten, etwa bei missglückten Saltoversuchen. Zu glauben, dass solche Landungen vom Trampolin abgefedert werden können, ist ein fataler Irrglaube“, betont Dieter Hayn von der Sektion Trampolin des Landesturnverbandes Steiermark. 

Der Verein „Große schützen Kleine“ plant gemeinsam mit dem Landesturnverband Steiermark – Sektion Trampolin Kurse zum richtigen Trampolinspringen anzubieten. Auch der Zustand des Trampolins sollte in Bezug auf Abnutzungs- und Alterungserscheinungen vor allem beim Netz und den Polsterungen regelmäßig geprüft werden.

Top 10 der Trampolin-Regeln

aus dem Buch „Sicher Trampolinspringen“ von Dieter Hayn und Pia Zottmann (Meyer & Meyer Verlag)

  1. Immer nur einer am Trampolin
  2. Kein Springen von Kindern unter 3 Jahren
  3. Feder-Polsterung und Sicherheitsnetz anbringen
  4. Gerät regelmäßig auf Schäden prüfen
  5. Gerät auf ebener und harter Fläche aufstellen
  6. Keine Gefahrenquellen rund ums Trampolin
  7. Nicht mit Schuhen springen
  8. Saltos nicht ohne professionelle Hilfe springen
  9. Kinder nur unter Aufsicht springen lassen
  10. Mit Hausverstand und Respekt Trampolinspringen

Beitragsbild: pegbes – stock.adobe.com

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