„Die eigene Kraft und die Schneid“

Viktoria Fritz Sensen-Champion

Viktoria Fritz aus St. Johann am Tauern – sie brillierte jüngst wieder als Sensen-Champion – über Schneid, Kraft und Training.

NEUES LAND: An die Sense, fertig, los hieß es jüngst in Tirol, wo Österreichs beste Mäherinnen und Mäher mit der Sense gekürt worden sind. Sie hatten als Siegerin in der Klasse der jungen Frauen über 29 Jahre ihre Konkurrenz einmal mehr höchst souverän im Griff. Die Zweitplatzierte lag fast 20 Sekunden hinter Ihnen. Was muss man tun, um so erfolgreich zu sein?

Viktoria Fritz: In erster Linie kommt es auf die eigene Kraft und die Schneid der Sense an. Für Ersteres muss ich selbst sorgen, die Schneid macht mir Gerti Bärnthaler aus Fohnsorf, von der ich auch immer ihre Sense ausleihen darf.

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NL: Die Biobäuerin Gerti Bärnthaler ist aber nicht irgendwer. Weltrekordhalterin, Weltmeisterin und vieles mehr mit der Sense. Welche Rolle spielt sie bei Ihren Erfolgen? Wollen Sie in ihre Fußstapfen treten?

Fritz: Gerti ist eine gute Freundin und auch so etwas wie eine Trainerin. Ihr Weltrekord ist für mich aber absolut unerreichbar und damit auch kein Thema.

NL: Aber Sie haben doch in den letzten Jahren schon gründlich abgeräumt in der Szene der Sensen-Champions. Was steht alles zu Buche?

Fritz: Elf Landessiege, zwei Bundessiege und zwei Europameister-Titel im Team. Nächstes Jahr sind die Europameisterschaften in Oberösterreich, es gibt also Heimvorteil. Mein großer Traum ist es, nach insgesamt vier Teilnahmen an Europameisterschaften den Einzel-Titel zu erobern!

NL: Wie sind Sie denn beim sportlichen Sensenmähen gelandet?

Fritz: Angefangen hat alles ganz einfach daheim am Hof mit dem Mähen von Hasenfutter. Im Jahr 2006 habe ich eher gaudihalber am Landesentscheid teilgenommen und bin auf Anhieb Dritte geworden. Das hat mich dann so richtig auf den Geschmack gebracht.

NL: Wie sieht das Training eines Sensen-Champions aus?

Fritz: Im Winter hole ich mir Kondition mit dem Schneeschuhwandern. Und sonst wird einfach viel mit der Sense gemäht – meistens daheim am Hof der Eltern.

NL: Sind damit Motormäher gar nicht notwendig?

Fritz: Ohne Maschinen geht’s nicht, zu große Flächen sind schwer mit der Sense zu bewältigen. Da kommen letztlich dann doch Kreuzschmerzen.

NL: Gibt es bei Ihnen auch eine berufliche Brücke zum Sensenmähen?

Fritz: Ich bin selbstständig und führe einen kleinen Nahversorgerbetrieb mit angeschlossenem Cafe. In diesem Geschäft war ich zunächst einige Jahre angestellt und im Jahr 2014 habe ich es dann übernommen. Das Sensenmähen spielt dabei kaum eine Rolle, hin und wieder fragt mich jemand nach einem Tipp dazu. Das war’s aber auch schon.

NL: In der Wettkampf-Saison sind sie ganz schön unterwegs…

Fritz: Ja – und darauf freue ich mich immer riesig, das ist wie eine Sucht. Ich kenne mittlerweile alle schon sehr gut und freue mich riesig, sie wieder zu sehen.

NL: Können Sie erklären, warum das Mähen mit der Sense denn in Zeiten von Traktoren und Balkenmähern immer noch eine so große Rolle spielt?

Fritz: Ich denke, es liegt an der Vielfalt der Zugänge zu diesem Thema: Es geht um Tradition und Kultur, hat aber auch mit Sport zu tun. Außerdem braucht man nicht viel an Ausstattung dazu.

NL: Stichwort „nicht viel an Ausstattung“ – wie sieht denn Ihre aus?

Fritz: Ich habe drei Trainingssensen – das ist alles.

Zur Person

  • Viktoria Fritz aus St. Johann am Tauern ist elffache Landes-, zweifache Bundessiegerin und wurde zweimal im Team Europameisterin mit der Sense.
  • Sie lebt in einer Partnerschaft und hat ein zweieinhalb Jahr altes Kind, das schon gerne mit dem Rechen spielt.
  • Sie führt in St. Johann am Tauern einen kleinen Nahversorgungsbetrieb.

Beitragsbild: kk Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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