Weichberger

Ärger über arrogante Erholungsuchende

von Karl Brodschneider

Erholungsuchende stürmen die Natur. Viele Land- und Forstwirte fühlen sich bei ihrer Arbeit gestört und von manchen provoziert.

 

Seit Corona drängen die Menschen noch mehr in die Natur, doch den Bauern wird es mancherorts schon zu viel. „Es gerät total aus dem Ruder“, macht Thomas Stieninger aus Neuberg an der Mürz seinem Unmut Luft. Er bewirtschaftet am Preiner Gscheid – eine Autostunde von Wien entfernt – eine Biolandwirtschaft und zählt auf: „Unvorstellbar, was sich im Herbst bei uns abgespielt hat. Zufahrten zu Wiesen und Wäldern und sogar zu unserem Hof waren zugeparkt. Nicht angeleinte Hunde, überall Hundekot und weggeworfener Müll.“ Was ihn am meisten ärgert: „Die Leute haben von der Arbeit der Bauern und den Zusammenhängen zwischen Wild, Wald und Bewirtschaftung keine Ahnung. Ich fühle mich in meiner Arbeit beeinträchtigt. Wie komme ich dazu, mich für alles, was ich mache, rechtfertigen zu müssen?“ Und wenn er dann von einem Naturnutzer zu hören bekommt: „Olter, reg di net auf, wirst eh g`fördert!“, dann platzt ihm der Kragen.

Stieninger und Reisinger

Thomas Stieninger (links) und Andreas Reisinger berichten über Erfahrungen mit den Tagesausflüglern.

Auch Bauernbundobmann Andreas Reisinger pflichtet ihm bei: „Es ist schlimm, wie manche Menschen mit fremdem Grund und den Grundbesitzern umgehen.“ Lösungen müssen her und dabei soll es schnell gehen. Für Reisinger ist klar: „Wir Bauern müssen das selbst in die Hand nehmen. Andere dürfen uns nicht vorgeben, was zu passieren hat!“

Stau auf der Alm

Erwin Gruber

Erwin Gruber ist Bürgermeister in Gasen und Obmann des Naturparks Almenland.

Einen ungebremsten Ansturm von Tagesgästen erlebt man auch im ganzen Almenland. „An manchen Tagen staute es sich vom Ökopark Hochreiter bis zum Angerwirt derart, dass man für diese kurze Strecke mit dem Auto eineinhalb Stunden brauchte“, erzählt Erwin Gruber, Obmann des Naturparks Almenland. „Oft sind die Einfahrtsstraßen zu den Almflächen derart verparkt, dass nicht einmal der Tierarzt vorbeikommt.“ Seine in den letzten Monaten gewonnene Erkenntnis lautet: „Es ist nicht entscheidend, ob die Gastronomie offen hat. Der Drang, sich in der freien Natur zu bewegen, ist einfach riesengroß. Corona hat das beflügelt.“

Antworten auf Fragen, wie man diese Probleme und Konflikte lösen kann, soll eine derzeit durchgeführte Mobilitätsstudie liefern. „Wir wollen nicht weniger Leute, aber wir wollen weniger Individualverkehr und damit eine Qualitätssteigerung für die Erholungssuchenden“, sagt Gruber und bekennt: „Wichtig ist, dass die Grundeigentümer an der Wertschöpfung teilhaben.“

Umsetzung ab 2022

Das ganze Konzept ist nicht bloß auf die Parkflächen und damit zusammenhängende Gebühren ausgelegt. „Das wäre zu wenig!“, betont Gruber. Buslinien und das Taxi-System sollen optimiert werden. Innerhalb des Almenlandes soll es einen eigenen Ausflugsziele-Bus geben. Die Parkplatzkapazitäten sollen auf die ganze Region abgestimmt werden. Für Camper und Griller sowie Mountain- und E-Biker soll es eigene Angebote geben. Schon heuer wird mit der Umsetzung einiger Pilotversuche gestartet. Das betrifft Parkplätze im Bereich Schüsserlbrunn, Rote Wand und Teichalm. Im Jahr 2022 soll es dann aber so richtig losgehen. „Die Inhalte der Maßnahmen werden wir in der nächsten LEADER-Strategie als Qualitätssicherung der Almwirtschaft einreichen“, verkündet der Obmann des Naturparks Almenland.

 

Beitragsfotos: Brodschneider (2), Grabner

 

 

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