Weichberger

Interview der Woche: Gregor Hammerl

von Karl Brodschneider

Seniorenbund-Landesobmann Gregor Hammerl über die Corona-Schutzimpfung und die im September geplante Seniorenwallfahrt nach Mariazell.

 

NEUES LAND: Der Seniorenbund vertritt jene Altersgruppe, die bei dieser Krise besonders im Mittelpunkt steht, nämlich die älteren Menschen. Haben Sie Rückmeldungen aus den Ortsgruppen, wie es den Mitgliedern gesundheitlich geht?

Gregor Hammerl: Das größte Problem bei den Mitgliedern reicht in den psychischen Bereich hin und betrifft das Alleinsein sowie die geringen Kontakte mit den Familienangehörigen, aber auch mit den Freunden. Die Senioren sind gewohnt, etwas zu unternehmen. Das ist mit einem Schlag weg. Wir im Seniorenbund haben von März 2020 bis heute unser Büro am Grazer Karmeliterplatz immer geöffnet und haben eine Telefonhotline eingerichtet. Wenn uns der Obmann oder die Obfrau auf ein Problem zum Beispiel bei der Versorgung einer bestimmten Person aufmerksam gemacht hat, haben wir uns mit den Bürgermeistern in Verbindung gesetzt. Sie haben uns dann unterstützt. Zudem sind wir Partner vom Hilfswerk Steiermark und konnten sofort Hilfe leisten, wenn es zum Beispiel um die Pflege ging.

 

Bitte um Verständnis

NL: Die Ansteckungszahlen steigen kontinuierlich. Ist der Seniorenbund für einen strengen dritten Lockdown?

Hammerl: Ich möchte festhalten, dass die Sicherheit für die Senioren das Wichtigste ist. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, dass sie mit den Jungen zuhause sprechen, dass auch sie die Schutzmaßnahmen einhalten, Verständnis für die Politik haben und gewisse Vorsichtsmaßnahmen mittragen. 

 

NL: Wie bewerten Sie bisher das Handeln der Bundesregierung in dieser Krise?

Hammerl: Ich glaube, dass sich die Bundesregierung bisher sehr bemüht hat. Ich bin dagegen, dass man einem Gesundheitsminister oder Bundeskanzler die Schuld gibt, wenn etwas nicht so rund läuft. Jeder hat Fachleute, die ihn beraten. Das, was die FPÖ in dieser Situation macht, ist nicht gut für die Demokratie.

 

NL: Die große Hoffnung, dass es wieder so etwas wie Normalität gibt, ist die Impfung. Geht Ihnen das alles zu langsam?

Hammerl: Ganz ehrlich gesagt, mir geht es zu langsam! Es wird Zeit, dass sich hier etwas ändert. Die Hauptfrage von vielen unserer Mitglieder ist, wann sie geimpft werden. Dabei wird nicht darüber diskutiert, welchen Impfstoff sie erhalten, sondern es geht ihnen darum, dass sie möglichst bald eine Impfung bekommen.

 

Corona-Leugner

NL: Haben Sie Verständnis für die Corona-Demonstrationen und das Verhalten der Corona-Leugner?

Hammerl: Nein, dafür habe ich kein Verständnis. Davon distanziere ich mich. Das trägt ja weiter zur Ansteckung bei. Auch die Würde eines Menschen, der Corona hat, wird dadurch negiert. Das finde ich nicht richtig.

 

NL: Was die Arbeit im Seniorenbund betrifft, so gibt es keine Ausflüge, keine Versammlungen, keine Ehrungen. Verlagern sich die Aktivitäten ins Internet?

Hammerl: Wir machen schon Videokonferenzen, aber unser Hauptpunkt ist unsere Mitgliederzeitung. 

 

NL: Bis wann rechnen Sie damit, dass sich das Alltagsleben wieder normalisiert?

Hammerl: Wenn wir das mit der Impfung schaffen, ist es möglich, dass wir unter Umständen im Herbst wieder mit zahlreichen Aktivitäten in unseren 17 Regionalbezirken beginnen können. Der Termin für die Seniorenwallfahrt in Mariazell ist bereits für Montag, den 13. September, abgesprochen. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner wird die Messe mit seiner Festrede begleiten.

 

NL: Abschließend noch eine aktuelle Frage. Laut Urteil des Verfassungsgerichtshofes verstoßt das gesetzliche Verbot der Hilfestellung zum Suizid gegen das Recht auf Selbstbestimmung. Es sei verfassungswidrig, jede Art der Hilfe zur Selbsttötung ausnahmslos zu verbieten. Wie stehen Sie dazu?

Hammerl: Ich glaube, dass es inhuman ist, Menschen zum Sterben zu verhelfen. Kardinal Franz König hat einmal gesagt: Der Mensch darf nicht von der Hand der anderen sterben, sondern an der Hand der Mitmenschen. Waltraud Klasnic, die Vorsitzende des Dachverbands Hospiz Österreich, hat bereits viele Gespräche mit unterschiedlichen Gruppen und Institutionen zu diesem Thema geführt. Zusätzlich hat der Dachverband Hospiz Österreich im Vorstand eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt.

 

Zur Person

Gregor Hammerl (78) war 24 Jahre beim Österreichischen Bundesheer tätig, ehe er im Jahr 1987 beruflich und ehrenamtlich in die Politik wechselte. Er war Grazer Gemeinderat, Landtagsabgeordneter, Bundesrat und 2012 sogar Präsident des Bundesrates. Er ist seit 1993 Präsident des Hilfswerks Steiermark und seit 2009 Landesobmann des Seniorenbundes.

 

 

Beitragsfoto: Brodschneider

 

 

 

 

 

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