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Auf dem Rücken der Pferde

von Karl Brodschneider

Der Pferde-Boom in Österreich hält an. Corona bescherte den Betrieben und Pferdeliebhabern aber viele spürbare Einschränkungen.

 

Der Terminkalender für die Pferdeliebhaber ist – so wie schon 2020 – auch in den nächsten Monaten von Absagen geprägt. Die Landeshengstenschau, die am Pfingstmontag im Rahmen des Zugpferdetreffens in Breitenau am Hochlantsch hätte stattfinden sollen, wird nicht durchgeführt. Auch die Landeselitestutenschau wurde schon abgesagt, ebenso die Haflinger-Weltausstellung in Tirol. „Wir hoffen, im August wenigstens das Haflinger-Europachampionat in Stadl Paura durchführen zu können“, sagt der Obmann des Landespferdezuchtverbandes Steiermark, Landeskammerrat Karl Obenaus, und merkt an: „Wir waren und sind bemüht, dass wenigstens die Zuchtveranstaltungen über die Bühne gehen – allerdings immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“ Corona-bedingt sind auch schon viele für heuer geplante Reitturniere verschoben oder abgesagt worden.

Lange kein Reitunterricht

Karl Obenaus

LKR Karl Obenaus aus Graz ist Obmann des Landespferdezuchtverbandes.

Die Pandemie war für die Pferde-haltenden Betriebe auch auf anderer Ebene eine große Herausforderung. Das traf vor allem auf die Einsteller-Betriebe zu. „Die strengen Vorgaben führten dazu, dass manche Betriebe ihre Höfe für Besucher komplett gesperrt haben“, sagt Obenaus. „Betriebe, die Reitunterricht für Kinder anbieten, stehen überhaupt mit dem Rücken zur Wand“, informiert der Landesobmann. „Erst seit kurzem kann wieder Reitunterricht erteilt werden.“

Dabei hält der Pferde-Boom nach wie vor an. Es ist zwar nur mehr in vereinzelten Fällen ein Arbeitstier, dafür aber ein umso beliebteres Freizeittier. Großteils befindet sich die Pferdehaltung in bäuerlicher Hand. Obenaus spricht von knapp 2400 landwirtschaftlichen Betrieben mit etwa 12.000 Pferden. Die Gesamtanzahl an Pferden in der Steiermark liegt bei zirka 16.000. Österreichweit sind es rund 140.000 Pferde.

Einjähriger Lehrgang

Junge Frauen fühlen sich zu diesen edlen Vierbeinern besonders hingezogen. Das sieht man auch in der Fachschule Grottenhof. Am Standort Hardt bietet diese Landwirtschaftsschule seit über zehn Jahren den einjährigen Pferdewirtschaft-Lehrgang an. Dieser schließt mit dem Facharbeiterbrief im Berufsbild „Pferdewirt“ ab. „Die Pferdewirtschaft ist nicht zwingend mit dem Reiten verbunden“, stellt Lehrgangsleiterin Ute Berger klar. „Das Reiten ist nur ein Teil davon, darum spielen in der Ausbildung auch Gegenstände wie Landtechnik, Pflanzenbau oder Betriebswirtschaft eine große Rolle.“

Seit einigen Jahren bietet auch das BORG Monsberger Graz in Kooperation mit der Fachschule Grottenhof zeitgleich eine AHS-Matura und eine Ausbildung zum Facharbeiter beziehungsweise zur Facharbeiterin für Pferdewirtschaft an. Das heißt, dass diese Schüler vier Jahre lang an einem Tag in der Woche Praxis- und Theorieunterricht in Hardt haben.

„Wir haben hauptsächlich österreichische Pferderassen“, klärt Ute Berger auf und weist auf die Haflinger, Noriker, Lipizzaner und das Österreichische Warmblut hin. Viele Absolventen wenden ihr Wissen auf ihren Heimbetrieben an. „Wir haben aber auch eine Absolventin, die Stallmeisterin in der Wiener Hofreitschule ist, oder ehemalige Schüler, die für Dietrich Mateschitz im Murtal in der Pferdezucht tätig sind“, so Berger abschließend.

Beitragsfotos: Brodschneider, privat

 

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