Weichberger

Im Interview: Anton Hafellner

von Karlheinz Lind

Anton Hafellner, Obmann des Steirischen Almwirtschaftsvereins, über wenig Regen, kühle Witterung und mehr Besucher auf den Almen.

NEUES LAND: In diesen Tagen starten die steirischen Almbauern in die neue Saison. Unter welchen Vorzeichen steht der Almauftrieb 2021?

Anton Hafellner: Die Grundlage für die Almsaison ist der Witterungsverlauf im Winter und Frühling. Während das Ennstal mit dem Ausseerland und die Mariazeller Region bis zur Gegend Schneealm – Rax reichlich mit Schnee und Regen versorgt wurden, blieben die Niederschläge fürs Mur- und Mürztal bis in die Oststeiermark weit hinter den üblichen Mengen. Dafür schneite und regnete es in den Bezirken Deutschlandsberg und Voitsberg teilweise ergiebig. Generell war nach der kurzen Wärmeperiode anfangs Februar das gesamte Frühjahr zu kühl.

 

NL: Laut Statistik Austria hat sich die Zahl der Rinderhalter in der Steiermark wieder leicht verringert. Hat diese Tatsache Auswirkungen auf die Bestoßung der heimischen Almen?

Hafellner: Leider schon, denn jeder Auftreiber leistet mit seinen Arbeitseinsätzen beim Zäunen, Weg richten, Weide putzen und schwenden, Unkraut mähen und vieles mehr einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unserer Almen. Nachdem sich auf vielen Almen die vorhandenen Steilflächen nur mehr händisch bearbeiten lassen, steigt hier bei fehlenden Arbeitskräften die Gefahr des Verwilderns und Zuwachsens. Die eigentlichen Almerhalter sind die aufgetriebenen Tiere.

 

NL: Auf vielen Almen wurde in den letzten Jahren die Wasserversorgung der Rinder zum Problem. Haben die Niederschläge der letzten Wochen Entspannung gebracht?

Hafellner: In den Trockengebieten auf jeden Fall, wobei dies eine Frage der Wasserversorgung ist. Sehr beständige Quellen werden durch den fehlenden Niederschlag erst später nachlassen, während oberflächig versorgte Quellen rascher reagieren. Wir empfehlen, dass jeder Almbewirtschafter seine Wasserversorgung genau beobachtet, die Quellschüttung öfters misst und bei Bedarf Alternativen zur Absicherung anbieten.

 

NL: Durch die Corona-Pandemie suchen noch mehr Menschen Erholung auf den steirischen Almen. Stichwort Kuh-Urteil. Welche Auswirkungen hat dies auf die Almwirtschaft?

Hafellner: Durch gut sichtbare Warnhinweistafeln, aufklärende Gespräche und viel Medieninformation ist uns in der breiten Bevölkerung eine stärkere Sensibilisierung dieses heiklen Themas gelungen. Die Freizeitaktiven achten sorgsamer auf mögliche Gefahren, die bei der Begegnung mit Weidetieren passieren können und Hunde werden seltener mitgenommen.

 

NL: Viele Gäste schätzen eine Pause auf einer bewirtschafteten Almhütte. Können von den Hüttenbetreibern alle gesetzlichen Vorgaben bezüglich Corona eingehalten werden?

Hafellner: Dies müssen alle Hüttenbetreiber selbst klären, ob sie gesetzeskonform agieren können oder nicht.

 

NL: Die Wolfsproblematik hat auch die steirischen Almbauern fest im Griff. Wie schätzen Sie diese Situation ein?

Hafellner: Wölfe sind Raubtiere, die unsere tierwohlgerechte Weide- und Almwirtschaft gefährden. Ich verstehe nicht, dass aufgrund einseitiger und falscher Informationen die breite Bevölkerung die Wiederbesiedelung durch Großraubwild befürwortet, ohne die massiven Auswirkungen zu bedenken. Tierleid durch Panik und Hetze sowie explodierende Kosten aufgrund enorm erhöhtem Betreuungsaufwand für die Weidetiere sind die Folgen. Diese Belastungen sind gesamt gesehen für die betroffenen Almbewirtschafter nicht mehr leistbar. Die Almwirtschaft ist in Gefahr.

Zur Person:

  • Anton Hafellner ist Obmann des Steirischen Almwirtschaftsvereins und bewirtschaftet den Bergbauernhof vulgo Zeisner mit Almo-Erzeugung und Forstwirtschaft in Proleb.
  • Der HBLA-Raumberg-Absolvent ist mit Gattin Martha verheiratet und Vater von zwei Söhnen.
  • Zu seien Hobbys zählen Alm gehen, Rad fahren, Singen, Tanzen und Fotografieren.

Beitragsfoto: Steirischer Almwirtschaftsverein

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