Jährlich 200 Kinder-Unfälle am Bauernhof

Der Zustand jenes Zwölfjährigen, der kürzlich in St. Ruprecht an der Raab in ein rotierendes Hackgerät geraten ist, ist nach wie vor kritisch. So schwere Unfälle von Kindern in der Landwirtschaft sind zwar die Ausnahme, dennoch passieren sie immer wieder.

Der zwölf Jahre alte Bub geriet vermutlich aus Unachtsamkeit auf dem Anwesen seines Vaters beim Pflanzen von Apfelbäumen mit dem rechten Bein in ein rotierendes Hackgerät. Die Ärzte am LKH Graz sprechen von schwersten Verletzungen, der Bub müsse am Wochenenende noch mehrmals operiert werden.

Im Vorjahr starben fünf Kinder

Jährlich passieren in Österreich rund 200 Kinderunfälle, die unmittelbar mit aktiver Arbeit und Mithilfe in der Landwirtschaft zusammenhängen; im Vorjahr starben fünf Kinder bei solchen, eines davon in der Steiermark – das zeigen die Zahlen des Vereins „Große schützen Kleine“.

Die Unterschiede von Risiko und Gefahr

Die Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) besucht jährlich rund 800 Bauernhöfe in der Steiermark, um Eltern kostenlos auf die Gefahrenquellen für Kinder in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen und Maßnahmen einzufordern, sagt Andreas Strempfl, SVB-Sicherheitschef: „Bei diesen Betriebsbesuchen versuchen wir auch immer auf die Unterschiede zwischen Risiko und Gefahr hinzuweisen. Das heißt, Kinder sollen durchaus lernen, mit Risiko umzugehen, aber die Erwachsenen sollen dann erkennen, wann wirklich eine Gefahr eintritt, und Gefahrenstelle müssen eigentlich immer abgesichert werden.“

Die Sozialversicherungsanstalt der Bauern erkennt bei Kindern einen Arbeitsunfall ab dem Schuleintrittsalter an: „Das heißt, ab sechs Jahren gibt es in der Land- und Forstwirtschaft die Möglichkeit, leichte Tätigkeiten durchzuführen, zum Beispiel Mithilfe im Stallbereich oder Zusammenräumen in Haus und Hof mit Hilfe der Eltern“, erklärt Strempfl.

Mehr Sicherheitsbewusstsein – weniger Unfälle

Grundsätzlich sei das Sicherheitsbewusstsein auf Bauernhöfen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, weiß Andreas Strempfl: „Die Maschinen sind sicherer geworden, die Bauern sind aufgeschlossener. Was sich allerdings schon geändert hat, die Betriebe sind in den letzten Jahren sehr stark gewachsen, es herrscht ein großer Kostendruck, und dadurch ist natürlich auch Stress und Hektik größer, und die Gefahren im Umgang mit Kindern steigen natürlich auch dann.“

Generell verzeichnet die SVB eine deutliche Abnahme an Arbeitsunfällen im landwirtschaftlichen Bereichen: In den 80er-Jahren waren es in Österreich laut Strempfl noch 30.000 Arbeitsunfälle pro Jahr gerechnet auf alle Altersgruppen, derzeit sind es rund 4.000.

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