„Reden, zuhören und vernetzen“

von Karl Brodschneider

Edwin Benko, der Leiter des Kriseninterventionsteams Land Steiermark, über die Betreuung von Angehörigen nach schrecklichen Unfällen.

NEUES LAND: Auch nach dem vorwöchigen furchtbaren Verkehrsunfall, bei dem drei junge Oststeirer im Auto verbrannten, war das Kriseninterventionsteam im Einsatz. Wann rücken Ihre Mitarbeiter eigentlich aus?

Edwin Benko: Prinzipiell alarmiert uns die Polizei. Dann helfen wir vor Ort und bieten Angehörigen, Augenzeugen, Freunden, Verwandten oder Feuerwehren unsere Unterstützung an.

NL: Wie schaut Ihre Hilfe aus?

Benko: Nach Unglücksfällen sind die Menschen verzweifelt, nicht handlungsfähig, können nicht klar denken. Wir sind für sie Ansprechpartner, reden mit ihnen, hören ihnen zu und schauen, was sie jetzt brauchen. Und wir vernetzen und klären ab, welche Freunde und Ansprechpartner für sie da sind.

NL: Kann man beim Helfen Fehler machen?

Benko: Ja, das kann man, vor allem dann, wenn man es zu gut mit dem zu Helfenden meint. Man soll ihn nicht bedrängen. Das Wichtigste für sein Umfeld und die Nachbarn ist aber, dass man dem Betroffenen nicht aus dem Weg geht.

NL: Schwingt bei den Einsätzen des Kriseninterventionsteams im Hintergrund immer der Tod mit?

Benko: In den meisten Fällen hat unsere Arbeit mit dem Tod zu tun. Wir sind aber auch im Einsatz, wenn Menschen vermisst werden oder wenn man nach schweren Unfällen nicht weiß, wie es ausgeht.

NL: Wie viele Menschen arbeiten in der Steiermark im KIT-Team mit und wie werden sie auf ihre Einsätze vorbereitet?

Benko: Insgesamt gibt es in der Steiermark rund 400 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein und eine psychosoziale Grundausbildung haben. Einerseits sind das Ärzte, Sozialarbeiter und Notfallhelfer, andererseits aber auch erfahrene Einsatzkräfte. Es gibt ein ganz bestimmtes Auswahlverfahren und eine zehntätige intensive Ausbildung.  

NL: Was bekommen die Mitarbeiter für ihren Dienst?

Benko: Sie bekommen keine finanzielle Abgeltung. Sie machen das ehrenamtlich. Oft sind ein Händedruck und das aus tiefem Herzen kommende Dankeschön der größte Lohn für ihre Arbeit.

NL: Heuer feiert das Kriseninterventionsteam Steiermark sein 20-jähriges Bestehen? Was war der Anlass für die Gründung?

Benko: Das war das Lassinger Grubenunglück. LH Waltraud Klasnic hat als ihre erste Reaktion darauf Hilfe vor Ort auf die Beine gestellt. Ein Jahr später ist die Krisenintervention schon im Katastrophenschutzgesetz des Landes verankert worden und wurde kontinuierlich ausgebaut.

NL: Was zählte – rückblickend – zu den größten Bewährungsproben für das Kriseninterventionsteam?

Benko: Die Amokfahrt 2015 in Graz, wo wir zehn Tage lang mit 60 Personen im Einsatz waren, war für uns eine sehr große Herausforderung. Aber die Hauptarbeit liegt schon im Kleinen und bei Ereignissen, wovon in der Öffentlichkeit keiner etwas erfährt – wenn zum Beispiel plötzlich ein Kind stirbt und die Verzweiflung der Eltern riesengroß ist.

NL: Was wünschen Sie sich und Ihren Mitarbeitern für die Zukunft?

Benko: Ich wünsche mir, dass es möglichst wenig von solchen Schicksalsschlägen gibt und dass wir genügend Menschen haben, die ihre Zeit, ihr Können und ihr Wissen für die Mitarbeit im Kriseninterventionsteam zur Verfügung stellen.

 

Zur Person

Edwin Benko ist schon seit der Gründung des Kriseninterventionsteams Land Steiermark im Jahr 1999 dabei. Er ist Psychotherapeut und wohnt in Graz. Als Leiter des KIT-Teams steht er rund 400 Männern und Frauen vor, die ehrenamtlich ihren Dienst versehen und seit nunmehr zwei Jahrzehnten Menschen nach einem außergewöhnlich belastenden Ereignis beistehen.

Beitragsbild: Foto Fischer

 

 

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