Weichberger

Spielverderber Schwerkraft

von Karl Brodschneider

Stürze sind die häufigsten Unfälle Unfall bei Kleinkindern. Wie Jungeltern die Gratwanderung zwischen Schützen und Überbehüten meistern können.

Auch wenn das Coronavirus die Welt in Atem hält, darf auch viele andere ernsthafte Erkrankungen und Unfallursachen nicht vergessen werden. Der Verein „Große schützen Kleine“ sensibilisiert besonders für Stürze von Kleinkindern, den sie betreffen rund 69 Prozent aller Unfälle im Alter von bis zu vier Jahren.

In der Studie „Spielverderber Schwerkraft“ hat der Verein 4.709 Sturzunfälle im Wohnumfeld, nach denen die Kinder an der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt wurden, analysiert. Aufgrund der Einschränkung an Freizeitmöglichkeiten durch die aktuellen Corona-Maßnahmen sowie aufgrund der Jahreszeit verbringen die Kinder mehr Zeit zuhause – also dort, wo Eltern gezielt ein sicheres Umfeld schaffen können.

Kopfverletzungen

Da der Kopf bei Babys 25 Prozent des gesamten Körpergewichts ausmacht  – beim Erwachsenen sind es nur 6 Prozent –, stehen Kopfverletzungen bei Sturzunfällen von Kleinkindern mit 73 Prozent ganz oben. Das erklärt auch, warum die Jüngsten wesentlich häufiger, oft auch nur zur Beobachtung, im Spital bleiben müssen als die Älteren. Studienautor Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins betont: „Sind die Kinder selbstständig unterwegs, ist der Weg zur trittsicheren Fortbewegung noch ein langer. Aktive Unterstützung des Kindes beim Gehen wie auch ein Unfall verzeihendes Wohnumfeld sind in dieser Entwicklungsphase wichtige Maßnahmen.“ Die Vermeidung von Stolperfallen, Ecken- und Kantenschutz sowie Teppiche als Fallschutz sind wesentliche Eckpfeiler für mehr Sicherheit im Wohnraum.

Hektik und Multitasking erhöhen das Unfallrisiko stark. „Auch abwarten zu wollen, bis ein Kind von selbst Interesse für eine Sache zeigt, widerspricht beinahe unserem schnelllebigen Zeitgeist. Es ist jedoch nicht so einfach, die seit Jahrtausenden etablierten Schritte der menschlichen Entwicklung grundsätzlich zu beschleunigen. De facto benötigen Babys und Kleinstkinder keine Stimulation. Sie bewegen sich ganz von selbst und aus einem Eigenantrieb heraus“, so Spitzer.

Das richtige Gehen

Im Schnitt können Kleinstkinder mit zehn Monaten frei sitzen und mit 20 Monaten frei und sicher gehen. Aber erst mit dem siebten Lebensjahr ist der Lernprozess des Gehens und die Stabilisierung des Gangmusters abgeschlossen. Der Entwicklungsstand eines Kindes und seine psychomotorischen Fähigkeiten sind ausschlaggebend dafür, ob und wie ein Kind die Gefahren des täglichen Lebens erkennen, mit ihnen umgehen und präventive Maßnahmen ergreifen kann.

 

Beitragsfoto: stock.adobe.com

 

 

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