Aus und vorbei!

Ein Ort ohne Gasthaus – das ist für Werndorf bittere Realität geworden und hat vielerlei Folgen.

Die Fahrradständer und der Parkplatz vor dem Gasthaus Rösel-Gartler in Werndorf sind leer. Unter dem Schatten-spendenden mächtigen Ahorn-Baum stehen keine Tische und Sessel mehr. Bloß eine Nachricht auf dem Plakatständer, mit der sich die Wirtsleute bei den Kunden für ihre Treue bedanken, weist darauf hin, dass hier noch vor kurze ausgekocht und ausgeschenkt worden ist. Eigentlich wollten Erich und Maria Rösler-Gartler ihr Gasthaus erst im nächsten Jahr zusperren und in Pension gehen. Unerwartete Behördenauflagen veranlassten sie aber schon im Frühjahr zu diesem Schritt. Ihre Gäste traf das wie ein Keulenschlag. Ihr Wirtshaus mitten in Werndorf war nicht nur bei den Einheimischen ein beliebter Treffpunkt, sondern auch bei den Radfahrern. Schließlich liegt es direkt am Murradweg und gerade jetzt in der wärmeren Jahreszeit gab es keinen Tag, an dem nicht Dutzende Radfahrer hier zumindest eine kurze Trinkpause einlegten.

Infrastruktur

Bürgermeister Willibald Rohrer spricht in der aktuellen Werndorfer Gemeindezeitung von einem Verlust an Infrastruktur. Das Zusperren der Bankfiliale und des Postamtes konnte der Werndorfer Gemeinderat mit der Einrichtung einer Postpartnerstelle einigermaßen kompensieren, das Ende des „Dorfwirts“ konnte aber nicht verhindert werden.

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Was die Situation noch schlimmer macht: das Gasthaus Rösel-Gartler war der letzte „Dorfwirt“ in der 2400 Einwohner zählenden Gemeinde. Franz Roschitz, langjähriger Werndorfer Gemeindefunktionär und Wirt-Nachbar, erinnert sich an die goldenen Gasthaus-Zeiten, als es in Werndorf noch fünf Gastronomiebetriebe gab. Übriggeblieben ist jetzt nur noch ein einziges Pizza- und Kebap-Lokal.

Kommunikation

Mit der Schließung des Gasthauses ist eine ganz wichtige Kommunikationsdrehscheibe im Ort verloren gegangen. „Die Wirtsleute waren wie eine lebendige Zeitung. Sie haben alles gewusst, was sich in der Gemeinde abspielt“, sagt Roschitz. Aber nicht nur das! „Jetzt gibt es auch keine Gasthaus-Freunde mehr, mit denen man politisieren und Fußballspiele analysieren kann“, bedauert er.

Eigentlich wollte Roschitz seinen 60. Geburtstag, den er in wenigen Wochen begeht, bei seinem Nachbarn feiern. Das ist hinfällig. Private Familienfeste oder Vereinsfeiern müssen nun bei Gastronomiebetrieben in den Nachbargemeinden begangen werden. „Ich frage mich schon heute“, fährt Roschitz fort, „wo zum Beispiel unser Kameradschaftsbund heuer nach der Totengedenkfeier zu Allerheiligen einkehren wird.“

Stammlokal

Ein neues Stammlokal haben weder er noch viele andere Werndorfer bislang gefunden. „Zum Rösel-Gartler bin ich auch dann hingegangen, wenn vor dem Gasthaus kein bekanntes Auto gestanden ist. Dann habe ich halt mit dem Erich und der Maria gequatscht“, sagt Roschitz und gesteht: „Auch dieses Plaudern mit den Wirtsleuten war schön.“

Jetzt hoffen alle, dass das zugesperrte Gasthaus – es wurde bereits verkauft – vielleicht doch wieder aufmacht. Der neue Besitzer hat nämlich seine Bereitschaft signalisiert, einen Pächter für das Traditionsgasthaus zu suchen. Wenn das nicht gelingen sollte, entstehen Wohnungen. Aber mit diesen Aussichten will sich noch keiner abfinden.

Beitragsbild: Brodschneider Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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