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Trend zum Gemüse hält an

von Karl Brodschneider

Ein Blick auf die neue Gemüse-Saison. Käferbohnen- und Krenbauern werden gesucht, neue Gemüsesorten wie zum Beispiel Ingwer probiert.

 

Die Feldgemüsebauern haben die heurige Saison schon eröffnet. Vor allem im Nahbereich der Landeshauptstadt ist der Grazer Krauthäuptel bereits gepflanzt worden. „Früher setzten wir ihn erst in der neunten oder zehnten Kalenderwoche, jetzt schon in der achten Woche, manche sogar schon in der siebenten Woche“, berichtet Landeskammerrat Markus Hillebrand. Mit mehr als 15 Millionen Stück pro Jahr ist der Grazer Krauthäuptel unangefochten der beliebteste Salat der Steirer. Rund 100 Gemüsebauern kultivieren auf einer Fläche von knapp 170 Hektar diesen Salat. Beim Saison-Opening am 21. April kommt es heuer zu einer Premiere. Erstmals haben die Salatbauern den Verein „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ mit im Boot.

Marktchancen

Fritz Rauer

LKR Fritz Rauer ist Obmann der steirischen Feldgemüsebauern.

Auf Produzentensuche ist Landeskammerrat Fritz Rauer, Obmann der steirischen Feldgemüsebauern und der Plattform zum Schutz der Steirischen Käferbohne g.U. „Für die heurige Saison brauchen wir 200 bis 300 Hektar mehr Käferbohnen“, sagt Rauer. Im Vorjahr lag die Anbaufläche bei knapp 500 Hektar. „Der Käferbohnenabsatz profitierte im letzten Jahr vom geänderten Konsumverhalten als Folge der Pandemie“, erklärt Rauer. Er weist darauf hin, dass auch für den Steirischen Kren noch dringend Produzenten gesucht werden. Der Chinakohl-Anbau in der Steiermark hat sich eingependelt und erfolgte im vorigen Jahr auf einer Fläche von rund 170 Hektar. 

Einige Landwirte haben sich in der Steiermark auf den großflächigen Anbau von Zwiebel und Knoblauch spezialisiert. Dazu zählt auch der NEUES LAND-Bauer des Jahres Stefan Strohrigl. Andere probieren neue Gemüsesorten. Irene Gombotz aus Hof bei Straden setzt zum Beispiel auf Ingwer.

Heuer blickt Gombotz bereits der dritten Ernte entgegen und ist zufrieden. Gombotz – sie ist auch Sprecherin der Gemeinschaft der 15 jungen WILDEN Gemüsebauern – erklärt: „Unser frischer Ingwer entscheidet sich von getrockneter Importware enorm. Er punktet mit einer besonderen Zitrusnote und ist auch viel feiner.“ Derzeit haben sie und ihr Kollege Armin Lenz auf rund einem halben Hektar dieses Trendgemüse angebaut. Gezogen wird der Ingwer im kalten Folientunnel. Bisher kam der Ingwer in getrockneter Form hauptsächlich aus China. Gombotz abschließend: „Bei uns in der Region setzen bereits einige Gemüsebauern auf den Anbau von Ingwer, hauptsächlich für die Direktvermarktung.“

Zugute kommt den heimischen Gemüsebauern das sich ändernde Ernährungsverhalten der Österreich. „Gemüse ist ein absolutes Trendprodukt geworden! Je bunter und vielfältiger, desto mehr lieben das die Kunden“, betont Fritz Rauer. Sein Kollege Markus Hillebrand ergänzt: „Wir spüren bei unseren Kunden immer stärker den Wunsch nach gesunder und ausgewogener Ernährung.“ Das bestätigt auch eine aktuelle AMA-Umfrage. Demnach entscheiden sich 53 Prozent der Konsumenten beim Einkauf bewusst für heimisches Gemüse. 34 Prozent kaufen nur Gemüse, das gerade Saison hat.

Wenig Niederschlag

Markus Hillebrand

LKR Markus Hillebrand bereitet der heuer im Winter ausgebliebene Niederschlag Sorgen.

Sorgen bereitet den heimischen Gemüsebauern die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften und Erntehelfern. Noch größere Sorgen bereitet ihnen der Klimawandel. Es tauchen neue Schädlinge wie zum Beispiel der Baumwollkapselwurm bei Paprika und Paradeisern auf. Schnecken und Pilzkrankheiten sind plötzlich da. Und es fehlt der Niederschlag. „Wir hatten in unserer Region im vorigen Jahr insgesamt gerade einmal 500 Liter pro Quadratmeter“, macht der Südoststeirer Fritz Rauer aufmerksam. Nicht anders war es im Grazer Feld, wo Markus Hillebrand daheim ist und wo es im ganzen heurigen Winter keinen nennenswerten Niederschlag gab. „Ohne Bewässerung Ende Februar und im März könnten wir den Gemüseanbau nicht bewerkstelligen“, betont Hillebrand. Aber gerade diesbezüglich drohen auf die Gemüsebauern neue Probleme zuzukommen.

 

Beitragsfotos: Brodschneider (2), LK/Danner

 

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