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Soja auf der Überholspur

von Karl Brodschneider

Soja ist ein unglaublich vielseitiges Lebens- und Futtermittel und wird in der Öffentlichkeit seit Jahren sehr kontrovers diskutiert.

 

Kaum ein Thema im Lebensmittelbereich wird so kontrovers diskutiert wie Soja. Der Verein „Land schafft Leben“ hat dieser Bohne jetzt eine umfangreiche Recherche gewidmet, deren Ergebnisse Vereinsobmann Hannes Royer und Mitbegründerin Maria Fanninger kürzlich präsentierten. Demnach hat Soja in den vergangenen Jahrzehnten eine steile Karriere hingelegt. Während 1961 weltweit rund 27 Millionen Tonnen Soja produziert wurden, waren es 2018 bereits 349 Millionen Tonnen. Die produzierte Menge hat sich also fast verdreizehnfacht. Auch auf Österreichs Feldern hat sich die Sojabohne stark ausgebreitet und belegt mittlerweile nach Mais, Weizen und Gerste den viertgrößten Anteil an der gesamten heimischen Anbaufläche. Seit dem Jahr 2010 wurde die Anbaufläche in Österreich mehr als verdoppelt und betrug im Jahr 2021 mehr als 75.000 Hektar. Die Erntemenge belief sich auf rund 230.000 Tonnen Sojabohnen. In Österreich ist der Anbau zur Gänze gentechnikfrei.

Gute Rentabilität

Derzeit ist für den Sojaanbau in Österreich von einer vergleichsweise guten Rentabilität auszugehen. Der Krieg in der Ukraine treibt unter anderem den Einkaufspreis für Soja-Futtermittel in die Höhe. An der Börse in Wien wurde GVO-freier Sojaschrot Mitte März um einen zwischenzeitlichen Höchstwert von rund 800 Euro die Tonne gehandelt. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 lag dieser bei ungefähr 450 Euro. Bäuerinnen und Bauern können zudem durch den nicht notwendigen Einsatz von Stickstoffdünger bei Soja weitere Ausgaben einsparen.

In Österreich wird Soja auf bereits vorhandenen Äckern angebaut – meist auf Kosten einer anderen Kultur. Im Vergleich zu anderen Ackerkulturen ist sie eine relativ leicht zu handhabende Kulturpflanze: Sie wächst verlässlich, hat nur wenige natürliche Feinde und braucht kaum Dünger. Außerdem verspricht die Sojabohne einen Ertrag von 1.800 bis zu 4.000 Kilogramm pro Hektar. Soja ist eine Kultur, bei der sich zwischen konventionellem und biologischem Anbau deutlich weniger Unterschiede zeigen als bei anderen Kulturen: Im Durchschnitt ist auf einem Bio-Acker mit nur etwa sieben Prozent weniger Ernte als auf einem konventionellen zu rechnen. Das liegt unter anderem an ähnlichen Voraussetzungen in Sachen Sorten oder Düngung.

Zudem gibt es noch wenige Schädlinge und Krankheiten, unter denen die Kultur leidet. Die Unkrautbekämpfung hingegen ist eine Herausforderung. Da die Pflanze zu Beginn ihres Lebens langsam wächst, reagiert sie empfindlich auf Konkurrenz. Deshalb spielt der Anbauzeitpunkt eine wichtige Rolle: Bei einer Aussaat im Mai entwickelt sich die Kultur bereits etwas schneller, weshalb Unkräuter auf dem Feld besser unterdrückt werden.

Ökologische Vorteile

Der heimische Anbau von Soja hat zuletzt auch ökologische Vorteile: Die Einbindung von Leguminosen in Fruchtfolgen führt zu einer verbesserten Bodenbeschaffenheit, beispielsweise lockern die Pfahlwurzeln den Boden auf natürliche Weise auf. Außerdem sind Leguminosen wie Soja dank der Knöllchenbakterien im Wurzelbereich in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden.

Knöllchenbakterien

Da Soja rund 80 Prozent seines Stickstoffbedarfs über die Knöllchenbakterien deckt, ist grundsätzlich weder ein mineralischer noch ein Wirtschaftsdünger notwendig. Gemäß offiziellen Berechnungen ist die allgemeine Stickstoffdüngung für rund 25 Prozent der gesamten direkten Treibhausgasemissionen der EU-Landwirtschaft verantwortlich.  Der Anbau von Leguminosen kann also durch dessen Einsparung den CO2-Fußabdruck verbessern. Auch auf die Düngung von Phosphor und Kalium kann bei gut versorgten Böden verzichtet werden.

Zwar wird auch die Nachfrage nach Sojaprodukten immer größer, der regelrechte Soja-Boom seit Anfang der 1960er-Jahre ist aber vor allem ein Resultat des seither stark angestiegenen Fleischkonsums. Denn: Soja ist nicht nur ein vielfältiges Lebensmittel, sondern auch eine wichtige Futterkomponente für Nutztiere. Dazu Obmann Hannes Royer: „Soja ist ein unglaublich vielseitiges Lebens- und Futtermittel, das aber durchaus auch polarisiert und in der Kritik steht – man denke nur an die Teller-Trog-Diskussion oder Soja im Kontext von Gentechnik oder Landnutzungsänderungen. Deshalb haben wir diesem spannenden Lebensmittel eine umfangreiche Recherche gewidmet, die uns vielleicht mehr als alle vorangegangenen vor Augen geführt hat, wie groß die Spannweite an Produktionsbedingungen eines einzelnen Lebensmittels sein kann.“

Rund 77 Prozent der weltweiten Sojaproduktion werden verfüttert, vorrangig an Geflügel, Schweine und Rinder. Bei in Österreich produziertem Soja ist der Anteil geringer. Während 60 Prozent der heimischen Sojaproduktion in Futtertrögen landen, werden 40 Prozent zu Lebensmitteln verarbeitet. Sowohl Mensch als auch Tier profitieren von der günstigen Nährstoffzusammensetzung der Sojabohne und ihren gut verwertbaren Aminosäuren – allerdings erst, nachdem sie erhitzt worden ist. Roh ist die Sojabohne, ebenso wie andere Hülsenfrüchte, ungenießbar, da sie sogenannte antinutritive Stoffe enthält, die der Gesundheit schaden können. Durch Erhitzen werden diese deaktiviert.

Soja in der Küche

Soja

Die Verwendungsmöglichkeiten von Soja in der Küche sind sehr vielfältig.

Einmal erhitzt, sind die Einsatzmöglichkeiten von Soja in der Küche schier endlos. Von Sojadrink und Joghurt-Alternativen über Miso, Sojasauce und Tofu bis hin zu Sojasprossen, Edamame und Texturaten findet man Soja in vielen unterschiedlichen Formen und Geschmäckern. Dabei wird es in unseren Breiten häufig zu Unrecht als Ersatz für tierische Produkte wie Milch und Fleisch abgetan, denn in seinem Ursprung, der asiatischen Küche, wird Soja ganz selbstverständlich auch mit Fleisch und Fisch kombiniert.  

Dass Sojabohne nicht gleich Sojabohne ist, zeigen eine Reihe kritischer Aspekte, die im Kontext von Soja immer wieder aufkommen, wie zum Beispiel der Einsatz von Gentechnik in der Züchtung, Landnutzungsänderung oder die Teller-Trog-Diskussion. Auch diesen Themen widmete sich der Verein im Zuge der Recherche – und zeigt auf, dass österreichische Sojabohnen mit all dem nur wenig zu tun haben und der Anbau von Soja auch ökologische Vorteile bietet.

 

Beitragsfotos: Land schafft Leben 

 

 

 

 

 

 

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