Interview der Woche: Andreas Kühberger

von Karl Brodschneider

Der obersteirische Bauer und Politiker Andreas Kühberger über den Vatertag, seine sechs Kinder und seine wichtigsten Erziehungsziele.

 

NEUES LAND: Am kommenden Sonntag, 14. Juni, ist Vatertag. Ist das für Sie ein besonderer Tag?

Andreas Kühberger: Wir feiern den Vatertag schon! Die Kinder richten das gemeinsame Frühstück her, von den Kleinen bekomme ich Zeichnungen und Bastelarbeiten. Ich schaue, dass ich mir an diesem Tag frei nehme und wir einen gemeinsamen Ausflug unternehmen. Und natürlich fahre ich auch immer zu meinem Vater, um ihm zu gratulieren.

 

NL: Sie sind Vater von sechs Kindern. Welche Rolle spielen Väter in der Erziehung von Kindern?

Kühberger: Väter sind für die Kinder eine sehr wichtige Bezugsperson. Bei uns schaut das so, dass meine Gattin eher streng und emotional ist und ich risikobereit und unternehmerisch. Als Vater nehme ich auch eine große Vorbildfunktion ein, wie ich die Partnerschaft mit meiner Frau lebe. Das prägt sicherlich später auch das Frauenbild der Kinder.

 

Schiefe Blicke

 NL: Früher waren kinderreiche Familien vor allem im bäuerlichen Bereich nicht ungewöhnlich. Wie erleben Sie das heute, werden Sie oft darauf angesprochen?

Kühberger: Es ist schön, eine große Familie zu haben. Wir erleben über eine relativ lange Zeitspanne die Kinder in ihren verschiedensten Entwicklungsperioden. Wenn wir gemeinsam wo hingehen, sprechen uns Leute an und freuen sich mit uns, andere – vor allem jüngere – schauen uns mit schiefen Blicken an.

 

NL: Wird man als kinderreiche Familie in der Gesellschaft benachteiligt?

Kühberger: Nein, das finde ich nicht! Ich würde jedem ein Ja zu mehreren Kindern empfehlen. Natürlich ist es dann nicht immer möglich, dass man zu allen Sprechtagen und Aufführungen im Kindergarten und in der Schule gehen kann. Und wir benötigen auch einen Kleinbus, mit dem wir gemeinsam unterwegs sein können. Das ist schon eine Herausforderung. Weh tut es aber, wenn man – so wie es mir in einer Parlamentsdebatte passiert ist – von einer Politikerin der Liste JETZT kritisiert wird, dass ich im Jahr 9000 Euro Familienbonus erhalte. Auch solche Vorwürfe kriegt man zu hören.

 

Einteilungssache

NL: Als Bürgermeister und Nationalratsabgeordneter sind Sie viel unterwegs. Kann man trotzdem der Vater-Rolle gut nachkommen?

Kühberger: Ehrlich gesagt, es ist eine Einteilungssache! Ich nehme mir bewusst Zeit für die Kinder. Für uns als Familie war jetzt die Zeit der Corona-Krise eine ganz besondere. Die Kinder sind einem richtig „zuwigwochsn“. Und anmerken möchte ich schon auch, dass es wichtig ist, dass man als Politiker die Lebenswelten sowie schönen und schwierigen Seiten von Familien mit Kindern persönlich kennt.

 

NL: Inwieweit profitieren ihre Kinder davon, dass sie in einer großen Familie aufwachsen?

Kühberger: Die Kleineren lernen von ihren älteren Geschwistern. Die Kinder erfahren Gemeinschaft, haben Spielkameraden vor Ort und wissen ihre Mutter immer daheim.

 

NL: Was ist Ihnen in der Erziehung wichtig, was möchten Sie ihren Kindern mit auf ihren Weg geben?

Kühberger: Dass sie ihren eigenen Weg finden, dass sie eigenständig, lebenslustig und froh sind. Wichtig ist mir auch, dass sie Achtung vor Mensch und Natur haben, freundlich sind und dass der Zusammenhalt in der Großfamilie bestehen bleibt. 

 

Zur Person

Andreas Kühberger (46) ist Bauer in Mautern, seit 2010 Bürgermeister und seit 2017 Nationalratsabgeordneter. Er ist mit der gebürtigen Ennstalerin Brigitte verheiratet. Gemeinsam haben sie sechs Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren. Sie heißen Alexander, Simon, Elisabeth, Thomas, Marlies und Katharina. Kühberger hat selbst vier Geschwister.

 

Beitragsfoto: Arthur

 

 

 

 

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