Weichberger

Miteinander am Bauernhof

von Karl Brodschneider

Viele Bauernfamilien leiden darunter, wenn es beim Miteinander der Generationen nicht klappt und die Hofübergabe nicht geregelt ist.

 

Die Ennstalerin Viktoria Brandner ist erst seit kurzem als Landesbäuerin im Amt, hat aber bereits ein Thema gefunden, für das sie sich besonders stark macht. Dabei geht es um die Lebensqualität am Bauernhof – ein Anliegen, das die Bäuerinnenorganisation bundesweit forciert. Schließlich sind Generationenkonflikte, die Hofübergabe, Partnerschaftsprobleme und Arbeitsüberlastung nicht regional begrenzt, sondern in vielen österreichischen Bauernfamilien sehr oft vorkommend.

Eduard Ulreich

Eduard Ulreich ist Sozialpädagoge und Lebensberater.

Schon vor 15 Jahren wurde in der Steiermark das Projekt „Zwei Systeme – Eine Welt“ ins Leben gerufen. Sein Ziel war, bäuerliche Familien in schwierigen wirtschaftlichen Situationen und familiären Problemlagen längerfristig und nachhaltig zu begleiten. Das Projekt ist zwar nach zehn Jahren ausgelaufen, wird seither aber vom Verein „Zukunft Bauernhof“ weitergeführt. Zwei Fachleute, die von Beginn an mitarbeiten, sind Eduard Ulreich und Bärbel Pöch Eder. Sie bestätigten, dass die Generationenkonflikte zu den häufigsten Problemfeldern am Bauernhof zählen. Das äußert sich vielfältig. „Der Junge hat eine Idee, aber die Alten sind für Veränderungen nicht zu haben. Sie wollen bewahren und sind nicht bereit, Neues zuzulassen“, nennt Ulreich ein Beispiel. Oft machen es dabei die vielen Zwischentöne aus. Ulreich dazu: „Es geht vor allem um Wertschätzung. Können die Kinder den Eltern ihre Wertschätzung für das, was diese aufgebaut haben, vermitteln?“

Regeln, die nicht jeder kennt

Bärbel Pöch Eder

Die Psychologin und Sozialberaterin Bärbel Pöch Eder ist Obfrau des Vereins Zukunft Bauernhof.

Konflikte ergeben sich auch in den Beziehungen der Altvorderen zu ihren Schwiegerkindern. „Wenn eine anfangs fremde Person in die Familie kommt, muss die ganze Gruppe ein neues Gleichgewicht finden“, sagt Ulreich. „Das gelingt nicht überall. Ich höre dann die Leute oft klagen: Seit die oder der da ist, läuft es bei uns nicht mehr rund.“ Pöch Eder ergänzt: „In jeder Familie gibt es bestimmte Regeln. Die meisten sind nicht aufgeschrieben, aber jeder hält sich daran. Der Hinzukommende kennt sie aber oft nicht. Das führt zu Schwierigkeiten.“

Ein Dauerbrenner sind die Hofübergaben. Das war ursprünglich der Schwerpunkt des Projektes „Zwei Systeme – Eine Welt“. Ulreich sagt: „Wir wollten und wollen die Menschen dabei so unterstützen, dass auch nach der Übergabe ein lebenswertes Leben für alle möglich ist.“ Die Hofübergabe ist ein einschneidender Prozess und muss gut vorbereitet werden. „Eigentlich sollte schon einige Jahre vor der eigentlichen Übergabe damit begonnen werden, darüber zu sprechen“, rät Pöch Eder und berichtet: „Ganz schwierig wird es, wenn die Eltern zu ihren Kindern sagen, dass sie es untereinander ausmachen sollen. Da entstehen die meisten Konflikte.“ Ihre Empfehlung ist eindeutig: „Je klarer die Alten Rahmenbedingungen definieren, desto leichter können die Jungen darauf reagieren.“ Es gibt aber auch eine psychologische Bremse, die Ulreich anspricht: „Wenn mehrere Kinder da sind, wollen die Übergeber möglichst gerecht sein. Das macht es nicht einfach.“

Arbeit und privat

Die Harmonie in der Beziehung widerspiegelt sich auch im wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes. „Wenn es in der Partnerschaft nicht hinhaut, hat das unmittelbare Auswirkungen auf das Arbeitsleben und wird rasch nach außen hin sichtbar“, weiß Pöch Eder. Sie empfiehlt, „den Traktor aus dem Schlafzimmer draußen zu lassen“ und tritt auch dafür ein, dass die junge Familie sich in ihren eigenen Bereich zurückziehen kann. Sie berichtet aus ihrer Erfahrung: „Wir haben oft gesehen, dass es für die junge Frau wichtig ist, dass sie eine eigene Küche hat, wo sie mit ihrer Familie frühstücken und zu Abend essen kann und nur das Mittagessen gemeinsam in der Großfamilie eingenommen wird.“

Die Arbeitsüberlastung spielt in den Beratungen und Betreuungen eine zunehmende Rolle. „Wenn man gut sein will, muss man alles schaffen“, prangert Ulreich eine Fehlmeinung an. Aber es setzt sich auch ein anderer Trend immer mehr durch. Ulreich dazu: „Immer mehr Junge suchen die für sie richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit und sind nicht mehr bereit sind, jeden Tag nur mehr zu arbeiten.“

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Ab Juli werden Eduard Ulreich, Bärbel Pöch Eder sowie weitere Fachleute vom Verein „Zukunft Bauernhof“ regelmäßig Beiträge zu diesem Thema für NEUES LAND verfassen. Dabei geht es um Anregungen und Hinweise, wie ein gutes Miteinander in der bäuerlichen Familie langfristig möglich ist.

 

Beitragsfoto: AdobeStock, kk (2)

 

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