Anschlüsse am laufenden Band

von Karl Brodschneider

Lokalaugenschein bei drei bäuerlichen Heizwerkbetreibern. Alle erleben derzeit einen bislang noch nie dagewesenen Anschluss-Boom.

 

Am sogenannten Kleinostersonntag wird das neue Heizwerk der Biomasse Mortantsch feierlich eröffnet. „Bis vor einem Jahr waren wir an drei verschiedenen Standorten untergebracht und versorgten öffentliche Gebäude sowie zwei Siedlungen mit Wärme“, berichtet Obmann Gerhard Auer. Der jetzige Standort in Göttelsberg eröffnet neue Perspektiven. „Ursprünglich hatten wir damit gerechnet, dass wir etwa zehn Eigenheime zusätzlich anschließen werden, mittlerweile sind es über sechzig geworden“, berichtet Auer.

Die Ursachen für diesen Anschluss-Boom liegen auf der Hand. Die aufgrund des Krieges in der Ukraine stark gestiegenen Heizöl- und Gaspreise sorgen bei den Leuten für ein Umdenken. Dazu kommen die lukrativen „raus aus Öl und Gas“-Bundesförderungen, die den Ersatz eines fossilen Heizungssystems durch eine klimafreundliche Nahwärme vorantreiben. „Außerdem bieten wir unseren Kunden viel Komfort und machen alles bis zur Übergabestation“, betont der Obmann. Aus der neuen Heizung samt 50.000 Liter-Pufferspeicher wird eine Leistung von 1200 kW erzielt. Nach dem Abschluss des Ausbauprojekts heuer im Sommer wird das Leitungsnetz der Biomasse Mortantsch 4,5 Kilometer lang sein. Ein Vorteil für die 22 Mitglieder zählende Genossenschaft ist, dass sich die Gemeinde Mortantsch an den Leitungsarbeiten finanziell beteiligt. In die Künetten werden nämlich auch die Wasser- und Glasfaserleitung sowie teilweise auch Strom- und Regenabflussleitungen mitverlegt.

Viele Anschlusswünsche

Werner Nager

Werner Nager ist Landwirt und Geschäftsführer der Wärmeliefergenossenschaft Wundschuh.

Auch die Wärmeliefergenossenschaft Wundschuh kann sich seit einem Jahr der Anfragen von interessierten Neukunden nicht erwehren. „Mir kommt es fast so vor, als ob jeder im Ort gern anschließen möchte. Laufend erreichen uns Anschlusswünsche“, berichtet Geschäftsführer Werner Nager. Das führt er – so wie Auer – auf die Preissituation bei fossilen Energieträgern zurück, der Umweltgedanke ist für viele sekundär. „Für unsere Kunden zählen aber auch die hundertprozentige Versorgungssicherheit und das Wissen, dass das Holz in unserem Heizwerk ausschließlich aus den Wäldern im Umkreis von maximal zehn Kilometer stammt“, führt der Wundschuher Landwirt aus.

Über den derzeitigen Leitungsausbau lässt er wissen: „In den vergangenen Wochen haben wir bereits sechs Neuanschlüsse getätigt, zwanzig weitere folgen in den nächsten Monaten. Hatten wir vorher eine Anschlussleistung von 1030 kW, so werden es bis Sommer 1509 kW sein. Durch den Ausbau verlängert sich unser Leitungsnetz um 1,2 Kilometer auf insgesamt 3,2 Kilometer.“

Markus Bretterklieber

Markus Bretterklieber ist geschäftsführender Obmann der Nahwärme Bad Gams.

Als geschäftsführender Obmann der Nahwärme Bad Gams blickt auch Markus Bretterklieber auf ein turbulentes Jahr 2022 zurück. Bereits seit über 25 Jahren versorgt er in Form einer Genossenschaft gemeinsam mit seinen Mitgliedern den Ortskern mit Wärme aus regional produziertem Hackgut. Anfangs war man im aufgelassenen Lagerhaus eingemietet, danach erfolgte ein Neubau am Ortsrand von Bad Gams. Seither gab es einen kontinuierlichen Ausbau, der im letzten Jahr seinen Höhepunkt fand. Obmann Bretterklieber dazu: „Durch den enormen Preisanstieg bei fossilen Energieträgern häuften sich bei uns die Anfragen, ob doch ein Nahwärmeanschluss möglich sei. Vielen Wünschen konnten wir entsprechen, eine Ausbauoffensive erfolgte.“

Unerwartete Probleme

Leider gab es in dieser Phase eine Menge Hindernissen zu überwinden. So war es etwa aufgrund von Lieferengpässen enorm schwierig, Nahwärmerohre und Übergabestationen rechtzeitig zu erhalten. Auch der Fachkräftemangel stellte sich als große Herausforderung dar und die Preise für Material und Arbeit haben sich vervielfacht. „Trotzdem ist es uns gelungen, die meisten Kundenwünsche zu erfüllen. Doch langsam stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen, was die Leistung betrifft“, so der umtriebige Obmann.

„Eines sollte man nie aus den Augen verlieren“, so Bretterklieber, „der Großteil des benötigten Heizmaterials kommt aus den umliegenden Wäldern unserer Genossenschaftsmitglieder oder örtlichen Waldbauern. Das wollen wir auch so beibehalten, um Abhängigkeiten von dritten Lieferanten zu verhindern, die Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten und somit die Wertschöpfung in der eigenen Gemeinde zu halten.“  

 

 

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