Gute Qualität – schlechte Preise

Trockenheit und die Situation bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln lassen die Anbaufläche für Chinakohl in der Steiermark schrumpfen.

Später als gewohnt stehen in diesen Tagen die steirischen Chinakohlbauern auf ihren Feldern und haben alle Hände voll zu tun. Sie befinden sich mitten in der Haupternte, die sich in den letzten Jahren kontinuierlich in den November verlagert hat. Josef Kapper, Chinakohlexperte der steirischen Landwirtschafskammer, erklärt das Phänomen: „Hier wird der Klimawandel ganz deutlich spürbar. Sowohl der Anbauzeitpunkt als auch der Erntezeitpunkt haben sich um gut zwei Wochen Richtung Herbst beziehungsweise Winter verschoben.“ Der Grund dafür ist rasch erklärt: steirischer Chinakohl wird in sogenannten Naturlagern für den Verkauf im Winter und Frühjahr aufbewahrt. Da diese Räume nicht künstlich gekühlt werden können, wartet man auf kühlere Nächte beziehungsweise auf den ersten Frost. „Doch dieser ist im Moment noch nicht in Sicht“, so Kapper.

Schwierigkeiten

Insgesamt haben die heimischen Produzenten mit enormen Herausforderungen zu kämpfen. Nicht nur Wetterkapriolen wie etwa ein zu trockener Herbst, sondern auch massive Einschränkungen beim Pflanzenschutz machen die Produktion immer schwieriger. Kapper: „Heuer wurden zwei wichtige Wirkstoffe nicht zugelassen und Alternativprodukte haben nicht die notwendige Wirkung“. Deshalb werden die Chinakohl-Anbauflächen in der Steiermark auch immer weniger.

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Chinakohlernte in der Steiermark

Die Chinakohlernte ist voll im Gange. Ein trockener Herbst setzte den Pflanzen ordentlich zu. Foto: kk

Schlechte Preise

Trotz geringerer Chinakohlmengen am Markt seien die Erzeugerpreise nicht zufriedenstellend. Franz Kober, Sprecher der steirischen Chinakohlbauern, dazu: „Derzeit liegt der Preis bei rund 30 Cent pro Kilogramm. Damit ist eine kostendeckende Produktion nicht möglich.“ Obwohl es in anderen Bundesländern wie Ober- und Niederösterreich sowie in Deutschland, Polen und Tschechien enorme Ertragsausfälle durch die Trockenheit gab, erholen sich die Preise nicht. Deshalb ruft Kober auch zur Geschlossenheit auf: „Wir führen in den nächsten Tagen neue Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Nur wenn wir das Angebot bündeln, können zufriedenstellende Erträge erzielt werden.“

Franz Kober ist Sprecher der steirischen Chinakohlbauern.

Franz Kober ist Sprecher der steirischen Chinakohlbauern. Foto: kk

Produktion

Der überwiegende Anteil des steirischen Chinakohls wird für das Lager produziert, um den ganzen Winter über diese Köstlichkeit anbieten zu können. Lagerchinakohl wird im August gesät, wobei hier besondere Sorgfalt gefragt ist, denn das Saatgut hat nur wenige Millimeter im Durchmesser. Nach der Aussaat ist eine rasche Jugendentwicklung der Pflanzen wichtig, denn an den kleinen, frisch aufgelaufenen Pflanzen, finden Schädlinge Geschmack. Etwa drei Monate wächst der Chinakohl nun am Acker wobei viele Kulturarbeiten erforderlich sind.

Anfang November beginnt dann die Ernte des Chinakohls, wobei viele helfende Hände notwendig sind. Direkt vom Acker kommt der Chinakohl in Holzkisten auf dem schnellsten Weg ins Lager. Hier ist es wichtig, dass bei der Ernte keine zu hohen Temperaturen vorherrschen, denn der Chinakohl wird im Lager nicht künstlich gekühlt. Man verlässt sich auf die kühlen Wintertemperaturen. Laufend bis April wird dann der Chinakohl aus dem Lager vermarktet. Er wird dabei in Handarbeit gesputzt und kommt wie frisch vom Acker in den Handel, denn Chinakohl ist lange ohne Qualitätsverlust lagerbar.

Beitragsbild: LK Kapper Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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