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Gespräche mit dem Lebensmittelhandel

von Karl Brodschneider

In Schladming fand ein Gespräch zwischen den Agrarlandesräten und den Spitzen des österreichischen Lebensmittelhandels statt. Die Initiative dazu ging von Landesrat Hans Seitinger aus.

 

Es drohen Engpässe im Futtermittelbereich. Die Energiekosten steigen stark. Es herrscht ein Mangel an Düngemitteln. Die Baukosten explodieren und auch bei der Lebensmittelversorgung herrscht eine immer spürbarer werdende Verunsicherung. Weiters führen Exportkontrollen von einigen agrarischen Rohstoffen in EU-Ländern wie Ungarn und Rumänien zu weiteren Unsicherheiten auf den Agrarmärkten.

Schnell hat der Krieg in der Ukraine gezeigt, wie fragil und abhängig das System der österreichischen Lebensmittelproduktion ist. Der passende Zeitpunkt, um die wichtigsten Vertreter aus Agrarpolitik und Lebensmittelhandel an einen Tisch zu holen und über die aktuell herausforderndsten Themen der Branche zu sprechen. Landesrat Hans Seitinger gab die Initialzündung dazu und ersuchte den unabhängigen Verein Land schafft Leben, zu einem solchen Gespräch einzuladen.

Hochrangige Runde

Dieser runde Tisch fand kürzlich in Schladming statt und die Liste der Teilnehmer war hochrangig. Generaldirektor Andreas Haider nahm für die Unimarkt GmbH & Co KG teil, Generaldirektor Marcel Haraszti für REWE International AG. Vorstand Markus Kaser vertrat die Spar Österreichische Warenhandels-AG, Generaldirektor Horst Leitner die Hofer KG und Generaldirektor Alessandro Wolf die Lidl Österreich GmbH. Von politischer Seite waren die Agrarlandesräte Hans Seitinger, Christian Gantner aus Vorarlberg, Martin Gruber aus Kärnten, Michaela Langer-Weninger aus Oberösterreich, Josef Schwaiger aus Salzburg sowie Bauernbunddirektor Peter Raggl aus Tirol ins Ennstal gekommen.

Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben, machte auf die Dringlichkeit des konstruktiven Diskurses zwischen Landwirtschaft und Handel aufmerksam. Er führte aus: „Damit die heimische Landwirtschaft überleben und uns mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen kann, braucht sie den Handel als starken Partner. Doch nicht nur das! Auch der Handel wird sich ohne Landwirtschaft schwertun, den Ansprüchen der Konsumentinnen und Konsumenten gerecht zu werden. Ob Klimawandel, Inflation, Versorgungssicherheit – der Druck auf alle Beteiligten wächst stetig. Die heimische Lebensmittelbranche wird diesem aber nur dann gerecht werden können, wenn sie eine solide Gesprächsbasis hat. Davon profitieren am Ende auch die Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich, denn sie wollen sich schließlich auf die heimische Versorgung verlassen können.“

Klima und Tierwohl

Gesprächsthemen waren unter anderem die aktuellen Rohstoffengpässe, die Betriebsmittelsteigerungen und die damit auftretenden Probleme bei Produktion, Handel und Versorgungsqualität. Doch auch Herausforderungen, mit denen sich die österreichische Lebensmittelbranche bereits seit längerem konfrontiert sieht, standen auf der Agenda. Darunter war vor allem die Frage, wie man mit den Themen Klima und Tierwohl künftig umgehen wolle.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass alles dafür getan werden muss, die Versorgungssicherheit in Österreich aufrechtzuerhalten. Sie glauben auch, dass dies nur möglich ist, wenn die Landwirtschaft, die Verarbeitung und der Handel auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Die Vertreter des Handels machten deutlich, dass dies in ihrem Sinne sei. Man wolle sich in enger Partnerschaft mit der österreichischen Landwirtschaft weiterentwickeln und die Wertschätzung für die heimische Wertschöpfung fördern.

Stellvertretend für den Handel ergänzte Marcel Haraszti, Generaldirektor der REWE International AG: „Der Lebensmittelhandel ist das Bindeglied zwischen der heimischen Landwirtschaft sowie den Konsumentinnen und Konsumenten. Dadurch befindet er sich jedoch auch in einem Spannungsfeld, das es zu balancieren gilt. Wir setzen uns stets dafür ein, dass Lösungen gefunden werden, mit denen alle gut leben können. Dies kann nur gelingen, wenn wir gemeinsam mit der Landwirtschaft an einem Strang ziehen und uns alle als Dienstleister für unsere gemeinsamen Kunden verstehen.“

Für die Agrarlandesräte sprach Johann Seitinger. Er sagte: „Ein zentraler Punkt war für uns, dass wir den Vertretern des Lebensmittelhandels die angespannte Situation für die heimischen Bauernfamilien darlegen konnten, die durch die Kostenexplosionen und Rohstoffknappheiten an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Um die produzierenden Betriebe am Leben zu erhalten, braucht es Verständnis für die großen Herausforderungen und ein faires Miteinander.“

Herkunftskennzeichnung

Darüber hinaus betonten die Ländervertreter auch den Stellenwert einer klaren Herkunftskennzeichnung in Kombination mit einem starken AMA Gütesiegel und erklären unisono: „Seitens der Bauernschaft wird alles unternommen, um in diesen unkalkulierbaren Zeiten die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten.“

Zur Lebensmittelversorgung meldete sich in einer Presseaussendung auch Bauernbund-Präsident Georg Strasser zu Wort: „Die Betriebsmittelkosten sind seit 2020 in den Bereichen Energie um 23 Prozent, bei Futtermitteln um 43 Prozent und bei Düngemittel sogar um 250 Prozent gestiegen. Da sind die wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Ukraine-Krieg noch nicht inkludiert. Nur wenn unsere Familienbetriebe kostendeckend wirtschaften können, ist die Versorgung mit Lebensmitteln langfristig gesichert.“

 

 

Foto: Land schafft Leben

 

 

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