Das waren noch Zeiten…

Universalmuseum Joanneum

Tausend aufregende Jahre der Gastlichkeit sind geprägt von der Magie des Miteinanders und vom Aufbruch in die Zukunft der Mobilität.

Man hatte vielerlei Bezeichnungen für die Vorläufer der gastlichen Stätten unserer Tage. Es gab unter anderem „Schenkstuben, Sudel- oder Garküchen, Leutgeben, Tavernen und Bräuhäuser“. Sie alle spielten zum Teil sehr unterschiedliche, aber doch immens wichtige Rollen in der vormodernen Gesellschaft. Dies ging weit über das Angebot an Speis, Trank und Herberge hinaus und war stark von der Magie des Miteinanders geprägt. Die Auswirkungen dieser Jahre der Gastlichkeit sind bis heute spürbar geblieben.

Gasthaus damals

Gasthäuser waren immer stark von der Magie des Miteinanders geprägt.

Erster Kaffeeausschank

Man schrieb das frühe 17. Jahrhundert, als die Wirtsleute in Graz begannen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und Stärke zu zeigen, in dem sie sich in einer „Bruderschaft“ verbündeten. Bald danach begannen spannende Zeiten für die Gastronomie mit einem Produkt, das bis heute enorme Dominanz zeigt: 1685 erhielt der gebürtige Armenier Johannes Deodat in Wien die erste Konzession zum öffentlichen Ausschank von Kaffee – womit in dessen Wohnhaus das erste Kaffehaus, und damit ein wahrer Zauberort für das gehobene Bürgertum geboren worden ist. Und natürlich massive Konkurrenz für das klassische Gasthaus.

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Einige Jahrzehnte später begann der destillierte „Branntwein“ seinen Aufstieg von der Medizin zum geschätzten alkoholischen Getränk, was auch zu erheblicher Belebung des Geschäftes führte. Das 18. Jahrhundert war in den gastlichen Stätten aber in erster Linie von einem heißen Match geprägt – Wein gegen Bier. Zu Beginn des Jahrhunderts wurde noch weit mehr Wein getrunken, am Ende hatte, wie gut dokumentiert ist, das Bier in der Gunst der Bürger schon einen klaren Vorsprung.

Wirtshaus und Mobilität

Vor allem aber waren Wirtshäuser in dieser Zeit auch Wegweiser in die Zukunft der Mobilität. Immer öfter entstanden sie an wichtigen Verkehrs- und Postwegen, weil nicht nur die Menschen Pausen und Schlaf brauchten, auch die Kutschpferde mussten wieder Kräfte sammeln oder ganz einfach ausgetauscht werden können. Diese gastlichen Stationen machten den Mut zur Bewältigung von oft gewaltigen Entfernungen in der Neuzeit erst möglich. Schon damals war die Zahl der Reisenden unglaublich groß, die alle zwischendurch ein Dach über dem Kopf und Verpflegung brauchten.

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewann der öffentliche Postkutschenverkehr für die, die es sich leisten konnten, Bedeutung. Mit ihm entstand ein immer dichter werdendes Netz, indem so genannte Relaisstationen vorhanden waren, an denen die Pferde gewechselt wurden und die Reisenden sich stärken, sowie gegebenenfalls übernachten konnten. Dort waren naturgemäß auch jeweils gastliche Stätten vorhanden.

Orte des sozialen Lebens.

Immer stärker entwickelten sich die Gasthäuser zu Orten des sozialen Lebens.

Immer stärker entwickelte sich damals das Gasthaus als Ort des sozialen Lebens, der Festlichkeit, Kultur und Geselligkeit sowie zur Drehscheibe in Sachen Information und Kommunikation. Vor allem das politische Element gewann an Brisanz, weil sich dort Menschen der unteren Bevölkerungsschichten Gehör verschaffen konnten. Weit verbreitet war die Gewohnheit, am Sonntag – nach dem Gottesdienst – ein paar Stunden im Wirtshaus zu sein. Und da wurde nicht selten heiß diskutiert.

In die Moderne

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich jene moderne Variante des Gastwirtes, der alle Arten von alkoholischen Getränken ausschenken, Speisen und Nächtigungen anbieten durfte. Damit konnte ein gewisser Wohlstand wachsen. Die Wirtsleute zählten durchwegs zur Oberschicht und waren in Entscheidungsgremien stark vertreten. Sie hatten einerseits wirtschaftliche Kraft, aber andererseits auch mit dem Ohr am Volk einen Erfahrungsvorsprung. Doch rasante gesellschaftliche Veränderungen ließen diese über Jahrhunderte gewachsene Festung traditioneller Gastlichkeit schließlich gegen Ende des 20. Jahrhundert immer stärker bröckeln.

Alle Bilder: Universalmuseum Joanneum/Feldbacher Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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