Wenn Meister Adebar eine neue Heimat sucht

Der Weißstorch ist auch der Indikator eines intakten Lebensraumes. Die Storchenpopulation in der Steiermark bleibt annähernd gleich.

Das Storchennest auf dem Kamin des Wundschuher Pfarrhofs bleibt heuer wieder unbesetzt. Storchenbetreuer Anton Plaschzug hat eine Erklärung dafür: „Der Lebensraum scheint nicht mehr zu passen. Der Weißstorch braucht viele Wiesen, in denen er sich sein tägliches Futter – Mäuse, Frösche, Regenwürmer, Heuschrecken oder Maulwürfe – holt.“ In Wundschuh, südlich von Graz, sind die Wiesen rar geworden. Nur mehr eine Hand voll Bauern betreibt Rinderwirtschaft. Dort, wo früher noch dreimal Gras gemäht und getrocknet wurde, sind die meisten Wiesen umgepflügt. Jetzt wachsen hier andere Kulturen wie Mais, Getreide und Kürbis.
Wundschuh ist kein Einzelfall. Mit dem Rückgang der Rinderhaltung geht auch der Abflug des Storches einher. Das Ausbleiben des mächtigen Schreitvogels mit dem weißen Federkleid sowie dem rötlichen Schnabel und den langen, dünnen Beinen wird von der Bevölkerung wehmütig wahrgenommen. Aufgrund seiner äußeren Auffälligkeit und seines weithin wahrnehmbaren Klapperns nimmt sie am Leben des Weißstorches seit jeher großen Anteil. Webcams, die ständig ins Storchennest blicken, sind sehr beliebt. Das bestätigt auch Helmut Rosenthaler, der in Tillmitsch die einzige Storchenstation der Steiermark führt. Gerade jetzt, wo die Störche zu brüten beginnen, wollen viele Internet-User live dabei sein.

Plötzlich kein Exote mehr

Auch wenn immer mehr Storchenneste in der Süd-, Ost- und Weststeiermark verwaist bleiben, heißt das nicht, dass sich „Meister Adebar“ aus der Steiermark verabschiedet. In den letzten Jahren entdeckte der Weißstorch in der Mur-Mürz-Furche sein neues Zufluchtsgebiet. Ob in Zeltweg, Spielberg, Niklasdorf, Hafendorf, Mürzhofen, Wartberg, Kindberg oder Krieglach – plötzlich ist der langbeinige Vogel in Gegenden anzutreffen, wo er noch vor zehn Jahren als völliger Exote gegolten hatte. Der Grund dafür: Hier gibt es noch genügend Wiesen und Futterflächen. Daher kann man auch in Zukunft auf seine Steiermark-Treue zählen, denn die geschlechtsreif gewordenen Jungtiere fliegen aus Zentral- und Südafrika meist wieder dorthin zurück, wo sie aufgewachsen sind.
Gute Storchenbetreuung
Dank der guten Betreuung, welche die Weißstörche in der Steiermark durch die sogenannten „Storchenväter“ und die Storchenstation erfahren, kann die Storchenpopulation annähernd gleich gehalten werden. 2014 waren in der Steiermark insgesamt 157 Storchenneste besetzt. 197 Jungstörche wurden gezählt. Sollte das Wetter in den nächsten zwei Monaten nicht allzu kalt und nass werden, dürfte auch heuer eine ähnliche Zahl erreicht werden.

 

Foto: Greiner

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*