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Graz wählte völlig anders

von Karl Brodschneider

Bei der Grazer Gemeinderatswahl stürzt die ÖVP ab und wird von der KPÖ überholt. Die Ära von Bürgermeister Siegfried Nagl ist zu Ende.

 

Mit diesem Ausgang bei der Grazer Gemeinderatswahl hatte wohl niemand gerechnet. Die KPÖ gewann 8,5 Prozent dazu und ist mit 28,84 Prozent die stimmenstärkste Partei. Die ÖVP verlor 11,88 Prozent und bekam nur 25,91 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen. Damit verlor die Grazer Volkspartei nicht nur Platz eins, sondern auch ihren Spitzenkandidaten Siegfried Nagl. Der Grazer Bürgermeister gab noch am Wahlabend seinen Rücktritt von all seinen politischen Ämtern bekannt.

Siegfried Nagl

Siegfried Nagl gab am Wahlabend seinen Rücktritt als Bürgermeister von Graz bekannt.

Über 18 Jahre lang hatte er die Geschicke der steirischen Landeshauptstadt geleitet. 2003 hatte er den damaligen SPÖ-Bürgermeister Alfred Stingl abgelöst und galt seither in der Steirischen Volkspartei als Vorzeige-Bürgermeister mit großer Umsetzungskraft und viel Einfluss. Dass gerade er jetzt eine solch schwere Niederlage einstecken musste, kam für ihn und die gesamte Grazer Stadtpartei völlig unerwartet, zuweilen man viele Erfolge vorweisen konnte. Die Stadt wuchs in den letzten 20 Jahren von 230.000 auf jetzt 300.000 Einwohner. Als Wirtschafts-, Universitäts-, Forschungs- und Kulturstadt konnte Graz in den letzten Jahren stark punkten.

Kurt Hohensinner

Unter seinem designierten Nachfolger als ÖVP-Obmann, Stadtrat Kurt Hohensinner, beginnt jetzt die Suche nach den Ursachen dieser bitteren Wahlniederlage. Zu den Wahlverlierern zählten am Sonntag aber auch die Freiheitlichen – sie rutschen um 5,25 Prozent auf 10,61 Prozent ab – und die Sozialdemokraten, die mit 9,53 Prozent klar unter der 10 Prozent-Marke zu liegen kamen. Wahlgewinner waren neben den Kommunisten unter ihrer Spitzenkandidatin Elke Kahr auch die Grünen (jetzt 17,32 Prozent) und die Neos (jetzt 5,42 Prozent). Wahlberechtigt waren 223.512 Personen. Die Wahlbeteiligung sank auf 54 Prozent.

 

 

Fotos: Archiv, Stadt Graz/Marija Kanizaj

 

 

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