Schweine-Alarm

Russland

Der  Fund zweier toter Wildschweine in Litauen, bei denen Erreger der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen wurden, führte zum sofortigen Importstopp von sämtlichem unverarbeitetem Schweinefleisch aus der EU nach Russland. Die Afrikanische Schweinepest ist für Tiere hoch ansteckend, für Menschen aber ungefährlich. Da immerhin etwa ein Viertel der EU-Ausfuhren in diesem Bereich nach Russland gehen, waren die Marktauswirkungen sofort spürbar. Obwohl die heimische Qualitätsproduktion unter AMA-Richtlinien und ständiger veterinärmedizinischer Kontrollen eine gleichbleibend hohe Qualität österreichischen Schweinefleisches garantiert, führte die russische Entscheidung auch in Österreich zu massiver Verunsicherung in der Fleischbranche. Die Notierungen geben in fast allen Mitgliedsländern deutlich nach. Die Exportsperre Moskaus lässt vor allem die Preise für Speck und Abschnitte in den Keller rasseln. Beispielsweise verlor Speck im internationalen Handel binnen einer Woche von einem Euro auf 40 Cent per Kilogramm. Nur weil das Angebot an schlachtreifen Schweinen derzeit EU-weit unterdurchschnittlich ausfällt, blieben die Notierungen von einem Absturz bisher verschont. Laut Aussagen der Branche wandert zurzeit überdurchschnittlich viel Verarbeitungsfleisch in die Lager. Fleisch, das keinen Markt- oder Lagerplatz findet, wird billig verschleudert. Wie sich der Markt in den kommenden Wochen entwickeln wird, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Unsicherheit und Unklarheit prägen aktuell die Diskussion und Stimmungslage in der Fleischbranche. Positiv ist, dass Russland wieder Appetit auf thermisch behandeltes oder fermentiertes Fleisch (Wurst- und Selchwaren, Convenience-Produkte) hat und das Angebot an schlachtreifen Schweinen vorerst nicht drückend ausfallen dürfte. Negativ ist, dass es für frisches und gefrorenes Fleisch an der russischen Grenze weiterhin „Njet“ heißt.

Foto: fotolia.com/Yü Lan

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