Weichberger

Im Interview: Gabriele Leitner

von Karl Brodschneider

Gabriele Leitner von der Berg- und Naturwacht über den volkswirtschaftlichen Schaden der immer stärker wuchernden invasiven Neophyten.

 

NEUES LAND: Wie stark nehmen die invasiven Neophyten wie Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut, Ambrosie, Goldrute oder Staudenknöterich in der Steiermark zu?

Gabriele Leitner: Man braucht nur mit offenen Augen durch unser Land zu fahren, dann wird das ganze Ausmaß augenscheinlich. Ob entlang von Bächen und Flüssen, Verkehrswegen, auf dem Acker, am Waldrand und im Hausgarten – sie kommen schon sehr häufig in der ganzen Steiermark vor.

 

NL: Was macht sie so unerwünscht, mitunter auch gefährlich?

Leitner: Die Ausbreitung von Neophyten ist nach der Bodenversiegelung der zweitgrößte Grund für den Verlust der Artenvielfalt. Sie verdrängen heimische Pflanzenarten und nehmen Kulturpflanzen den Lebensraum. Außerdem verursachen sie bei den Menschen gesundheitliche Probleme. Die Pollen der Ambrosie – sie wird auch Ragweed genannt – können bei Allergikern schwere Reaktionen hervorrufen. Rund 35 Prozent aller Pollenallergiker reagieren auf Ragweed. Oder ein anderes Beispiel! Der Saft des Riesen-Bärenklaues verätzt die Haut und kann bei Sonneneinstrahlung verbrennungsähnliche Reaktionen herbeiführen.

 

Allgemeines Wissen

NL: Wie groß ist in der Bevölkerung das Wissen über die invasiven Neophyten?

Leitner: Das Problem ist, dass sehr viele Menschen erst dann hellhörig werden, wenn sie davon unmittelbar betroffen sind. Das Wissen darüber gehört noch viel mehr in die Bevölkerung getragen.

 

NL: Wie groß ist ihr volkswirtschaftlicher Schaden?

Leitner: Der ist jetzt schon riesengroß. Im Forst kommt der Jungwuchs nicht auf, wenn man nicht händisch eingreift. Es kommt zu Ernteausfällen bei Soja, Mais, Sonnenblume und Kürbis. Grundstücke können – wenn darauf viele invasiven Neophyten vorkommen – sogar an Wert verlieren.

 

NL: Wie wird man die invasiven Neophyten wieder los?

Leitner: Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir die Steiermark wieder frei von invasiven Arten bekommen. Das wird nicht funktionieren. Aber wenn man die Eigenverantwortung wahrnimmt, kann man viel erreichen. Allerdings dauert es Jahre, wenn man bei ihrer Bekämpfung erfolgreich sein will.

 

NL: Was kann der Einzelne machen?

Leitner: Zuerst verweise ich auf die Homepage www.neobita.steiermark.at. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass es für die Bekämpfung der Neophyten kein Patentrezept gibt, weil viele Parameter zu berücksichtigen sind. Man muss mit Hausverstand und G`spür für die Natur arbeiten.

 

Ausreißen und andere Methoden

NL: Welche konkreten Bekämpfungsmaßnahmen gibt es bei der Eindämmung invasiver Neophyten?

Leitner: Erfahrungen aus der Praxis haben gezeigt, dass eine bestimmte Methode an einem Standort Wirkung gezeigt hat, an einem anderen Standort aber nicht. Sehr häufig angewandt wird das Ausreißen. Das soll vor Beginn der Samenreife erfolgen und alle Wurzelteile sollen dabei entfernt werden. Für invasive Arten, die über ein weit verzweigtes Wurzelsystem verfügen, ist das Ausgraben zu empfehlen. Aber auch hier ist zu achten, dass weitgehend alle Wurzelteile entfernt werden. Wer sich vor Augen hält, wie lange die Samen der Neophyten keimfähig bleiben, wird verstehen, dass der Kampf gegen Neophyten keine einmalige Sache ist.

 

Beitragsfoto: Karl Brodschneider

 

 

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