Weichberger

Preismisere: Einsatz auf allen Ebenen

von Karlheinz Lind

Heimische Schweine- und Rinderbauern kämpfen mit stark gefallenen Erzeugerpreisen. Verhandlungen für Hilfen laufen auf allen Ebenen, um die Preismisere zu bekämpfen.

Auch der zweite Lockdown trifft die heimischen Landwirte mit voller Wucht. Besonders die geschlossenen Gastronomie- und Hotelleriebetriebe sorgen unter anderem für einen stark eingeschränkten Fleischabsatz. Eine Preismisere im Schweine- und Rinderbereich sind die Folge und bereiten den Betroffenen enorme Sorgen. Kurt Tauschmann, Obmann der Erzeugerorganisation Styriabrid, belegt die dramatische Situation mit Zahlen: „Im Frühjahr haben wir für ein Mastschwein 230 Euro erhalten, derzeit sind es nur mehr rund 155 Euro.“ Das bedeutet einen Preisrückgang von weit über 30 Prozent.

Auch Ferkelerzeuger betroffen

Auch die Ferkelerzeuger sind davon betroffen. Hier sank der Preis von 120 Euro pro Ferkel im Frühjahr auf nun 65 Euro. Weiters gibt Tauschmann zu bedenken: „Mit Jänner, Februar und März kommen die saisonal schwierigsten Vermarktungsmonate erst auf uns zu. Wir hoffen, dass wir die derzeit sehr niedrigen Erzeugerpreise überhaupt halten können.“

Verschärfend für die Schweinebauern wirkt sich auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland aus. Johann Schlederer, Geschäftsführer der Österreichischen Schweinebörse, dazu: „Der erste ASP-Fall in Deutschland am 10. September 2020 sowie der zweite Lockdown in Österreich waren Keulenschläge für unsere Schweinebauern. Aus einem hoffnungsvollen Jahr 2020 ist für die Schweinemäster ein Katastrophenjahr geworden.“ Wenn man die ASP im eigenen Land hat, ist es besonders schlimm, wenn man exportabhängig ist. Das erfahren derzeit gerade die Deutschen (mit 120 Prozent Eigenversorgung).  

Rinder

Eine ähnlich dramatische Situation zeigt sich am Rindfleischmarkt. Das gesamte Jahr 2020 war und ist für die Rindfleischproduzenten mehr als herausfordernd. Bereits 2019 war der gesamte EU-Rindfleischmarkt von schwierigen Marktverhältnissen geprägt. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Situation auf den Absatzmärkten auch für die heimischen Produzenten weiter zugespitzt. Gerade während der Lockdown-Phasen ergeben sich am Rindfleischmarkt durch den Wegfall der Absatzmärkte in der Gastronomie und im Export vielfach niedrige Erzeugerpreise und kaum kostendeckende Erlöse für die Rinderbauern.

Hilfe gefordert

Deshalb schlägt auch die steirische Landwirtschaftskammer Alarm. LK-Präsident Franz Titschenbacher verlangt rasche und direkte Hilfen für die betroffenen Bauern, denn ein Ende der Preismisere sei noch nicht abzusehen. „Bei jedem verkauften Schwein zahlt der Bauer 33 Euro dazu – ein existenzbedrohender Verlust“, rechnet Titschenbacher vor. In Schwierigkeiten sind auch die Rinderhalter. Seit dem zweiten Lockdown ist der Absatz bei Kühen um 30 Prozent eingebrochen. Die Umsatzverluste sind enorm, zusätzlich entstehen durch die längere Haltung, Betreuung und Fütterung der Rinder sogar erhebliche Mehrkosten.

Präsident Titschenbacher verlangt rasche und direkte Hilfen.
Foto: LK/Danner

Titschenbacher fordert eine rasche, unbürokratische und direkte Unterstützung der unter dem Preisverfall leidenden Bauern – ähnlich dem Umsatz-Ersatz, den die Bundesregierung der Gastronomie zugestanden hat. Weiters müsse der Mehrwertsteuersatz auf Betriebsmittel wie zum Beispiel Futter von 13 auf 10 Prozent gesenkt werden. Auch ein finanzielles Bekenntnis durch den Lebensmitteleinzelhandel wird gefordert.

Auch Bauernbund-Landesobmann Landesrat Hans Seitinger führt diesbezüglich intensive Gespräche mit Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger sowie den Vertretern der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, um eine Verbesserung der schwierigen Situation herbeizuführen. Verhandlungen laufen somit auf allen Ebenen.

 

Forderungen der LK zur Preismisere:

  • Eine rasche, unbürokratische und direkte Unterstützung der unter dem Preisverfall leidenden Bauern – ähnlich dem Umsatz-Ersatz in der Gastronomie.
  • Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Betriebsmittel (Beispiel: Futter) von 13 auf 10 Prozent.
  • Dass auch der österreichische Lebensmittelhandel für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch bessere Preise zahlt, die direkt bei den Bauern ankommen. Der Diskonter Lidl hat in Deutschland die Einkaufspreise für Schweinefleisch angehoben.

 

 

Beitragsoto: agrarfoto.com

 

 

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