Weichberger

Weidegänse: Sie währen der Krise

von Karlheinz Lind

In diesen Tagen werden rund 6300 steirische Weidegänse vermarktet. Trotz geschlossener Gastronomie ist man positiv gestimmt.

Traditionell wird rund um Martini das Martinigansl gegessen. Immer öfter greifen dabei heimische Konsumenten und Verantwortliche in der Gastronomie zu steirischer Qualität. Die steirischen Weidegänse haben somit Hochsaison. „45 Betriebe haben sich in der Steiermark der Weidegansproduktion verschrieben, 6300 Tiere werden gehalten“, weiß Margit Fritz, Obfrau der Gemeinschaft Steirische Weidegans, zu berichten.

Herausforderung

Doch in diesen Tagen stehen die Produzenten vor großen Herausforderungen, denn seit Dienstag dieser Woche befindet sich Österreich in einem zweiten Lockdown, der unter anderem die Schließung der Hotellerie und Gastronomie zur Folge hat. Viele der steirischen Weidegänse werden hauptsächlich über die örtlichen Gasthäuser und Restaurants vermarktet. Obfrau Fritz dazu: „Jetzt hoffen wir, dass die Gastronomie auf die Speisenabholung setzt. So könnten doch viele Gänse über diese Schiene vermarktet werden.“ Auch auf einen verstärkten Absatz über Endkunden würde man sich freuen, so Fritz: „Immer mehr Konsumenten kochen in diesen Tagen zu Hause, warum nicht ein herrliches Gansl.“ Deshalb versucht man auch gruppenintern Angebot und Nachfrage zu koordinieren.

Herkunft

Dass Konsumenten immer öfter und genauer auf die Herkunft schauen, bestätigt auch Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher: „Die Steirerinnen und Steirer schätzen die besonders zarte Qualität durch die Weidehaltung, die Frische und Regionalität.“ So hofft Titschenbacher, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der Absatz über die Direktvermarktung oder durch das Abholservice bei einem Teil der steirischen Gaststätten gewährleistet ist. „So kann diese Regionalität auch heuer auf den Tischen der Steirer landen.“

Tierfreundlich

Die steirischen Weidegänse ernähren sich vorwiegend von grünem Gras ihrer Gänseweiden und etwas Getreide. Daher wachsen sie auch wesentlich langsamer als importierte Schnellmastgänse. Während die heimischen Weidegänse fünf bis sieben Monate auf den Weiden verbringen können, sehen die ausländischen Schnellmastgänse nie eine Weide und werden zwölf Wochen im Stall gemästet. Die Gänsebetriebe halten im Durchschnitt 138 Tiere am Hof. Die Weidefläche ist großzügig – pro Hektar werden etwa 100 bis 120 Tiere gehalten. Von den 45 steirischen Ganslhaltern sind sieben biozertifiziert, sie halten 705 Bio-Weidegänse.

Weidegänse liefern neben Fleisch auch die begehrten Daunen. Durch die lange Haltedauer der heimischen Gänse auf der Weide können die Daunen und Federn ausreifen. Sie haben sich international zu einem gefragten Spitzenprodukt entwickelt. „Immer öfter bemühen sich Betriebe, die Federn zu verarbeiten“, so Fritz.

Beitragsfoto: agrarfoto.com

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