Kahle Wiesen durch Maikäfer-Larven

von Karl Brodschneider

Die Bauern im Ausseerland haben mit einer bisher noch nie dagewesenen Engerlinge-Problematik zu kämpfen und rufen das Land um Hilfe.

Völlig unvermutet ist auf Dutzende Bauern im Ausseerland ein Problem hereingebrochen, das als Katastrophe bezeichnet werden kann. Die Wiesen werden binnen weniger Tage völlig braun und kahl, weil die Grasnarbe von Engerlingen weggefressen worden ist.

Franz Küberl, Josef Oberfrank,, Alois Mayr, Franz Frosch und Reinhard Peringer sind betroffene Bauern in Bad Aussee.

Der Landwirt Josef Oberfrank schildert die Dramatik: „Vor rund vier Wochen ist uns das erstmals so richtig aufgefallen. Zuerst schaute es nach Dürreschäden aus, aber dann entdeckten wir die Engerlinge.“ Von seinen 18 Hektar Wiesen sind 15 Hektar schwerstens geschädigt. Das heißt für ihn: Kein zweiter Schnitt, keiner dritter Schnitt, keine Nachweide! Und um seine Rinder durch den Winter zu kriegen, muss er das Futter zukaufen.

Große Schäden

Bauernbundobmann Franz Frosch – er ist auch Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Aussee – schätzt, dass im Ausseerland 100 bis 150 Hektar Grünland geschädigt sind. „Jetzt merken auch andere Bewohner, dass da etwas nicht stimmt, weil rundherum alles braun wird“, sagt Frosch. Er erinnert sich an den gigantischen Maikäferflug im Jahr 2017. „Jetzt bekommen wir die Folgen davon zu spüren.“ Er weiß: „In den betroffenen Wiesenflächen findet man 100 und mehr Engerlinge auf einem Quadratmeter!“

Teure Rekultivierung

Um dieser Plage Herr zu werden, muss rasch gehandelt werden. Mit Kreisel- oder Rotoreggen muss die Wiese zweimal bearbeitet werden, um die Engerlinge mechanisch zu bekämpfen. Dann werden ein Pilz und Grassamen in den Boden eingebracht. Die Kosten dafür belaufen sich aber auf mindestens 1000 Euro pro Hektar. „Wir müssen sofort reagieren, sonst ist im nächsten Jahr kein Futter mehr da!“, sagt Frosch.

Auch für Landesrat Hans Seitinger ist das keine leichte Situation. Aus dem Katastrophenfonds sind dafür keine Mittel zu bekommen. „Wir werden daher Landesmittel bereitstellen. Die Abwicklung soll über die Landwirtschaftskammer erfolgen – nach Richtlinien des Landes.“ Seitinger selbst wird sich Anfang nächster Woche vor Ort ein Bild über das tatsächliche Schadensausmaß machen.

Das Engerlinge-Problem gibt es auch in anderen Landesteilen. In Murau, im Murtal, in Bruck-Mürzzuschlag sowie im Weizer Bergland klagen Bauern über massive Schäden, die von den Larven der Mai- und Junikäfer im Grünland verursacht werden.

 

Beitragsfotos: Adobe Stock, Brodschneider

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