Der eigene Garten als grüne Arche

von Gernot Zenz

Die Vielfalt an Nutzpflanzen nimmt aus vielen Gründen dramatisch ab. Wer einen Garten hat, kann etwas dagegen tun.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind etwa 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Pflanzenarten verschwunden. Das stellte die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO, schon 1993 fest. Diese Einschätzung hat sich seither nicht verbessert, eher im Gegenteil. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der industrieller werdenden Landwirtschaft. Auch wir Konsumenten tragen viel dazu bei. Ein extremes Beispiel: fast 5.000 Apfelsorten waren in unseren Breiten um 1900 bekannt. Davon existieren vielleicht noch 400 – und in den Supermärkten liegen maximal 20 davon. Angeboten wird, was gefragt ist. Und da hat der Maschanzker eben schlechte Karten gegen den Golden Delicious.

Übrigens geht es nicht nur ums Essen. Wer braucht noch Faser- oder Färbepflanzen im Zeitalter von synthetischen Stoffen und Farben, die viel billiger und leichter herzustellen und anzwenden sind? Trotzdem brauchen wir die alten Kulturpflanzen, die wir noch haben. Der einfache Grund: die Umweltbedingungen ändern sich. Derzeit rasend schnell – Stichwort Klimawandel. Aber auch Krankheiten und Schädlinge setzen unseren Nutz- und Kulturpflanzen immer mehr zu. Je größer der Pool an Nutzpflanzen, desto eher gibt es Pflanzenarten, die den unterschiedlichsten Bedrohungen widerstehen können. Und die Gefahr gibt es weltweit. Mehr als 4.800 Kulturpflanzenarten sind bekannt. Die wichtigsten 100 davon machen 90 Prozent der weltweiten Nahrungsernte aus.

Alte Gemüsesorten

Diese Abhängigkeit kann gefährlich werden. Umso wichtiger ist es, die noch vorhandenen Pflanzen nicht auch noch verschwinden zu lassen. Dafür eignet sich auch der eigene Garten ganz hervorragend. Immer mehr alte Gemüsesorten werden wiederentdeckt und in den Gärten angebaut. Beste Beispiel dafür ist der Grazer Kraupthäuptel. Fast in Vergessenheit geraten, erlebt er in den letzten Jahren wieder eine echte Renaissance. Auch die Ochsenherz-Paradeiser und der Forellenschluss-Salat sind wieder im Kommen.

Die Sortenvielfalt im eigenen Garten

Alte Sorten sind wieder gefragt, wie hier am Jungpflanzenmarkt von Arche Noah Sortenvielfalt in seiner schönsten Form. Foto: Arche Noah

Aber was ist zum Beispiel mit Gartenmelde und Baumspinat?  Beides sehr schmackhafte Blattgemüse. Die Znaimer Gurke oder das Premstättner Kraut hätten sich auch wieder mehr Beachtung verdient. Im Samenarchiv des Vereins Arche Noah liegen Samen, Zwiebel und Knollen von etwa 5.500 gefährdeten Kulturpflanzen. Auf dessen Internetseite www.arche-noah.at gibt es auch ein Sortenhandbuch mit Anbietern verschiedenster Samenarten und einen Online-Shop. Außerdem widmen sich immer mehr große und kleine Samen-Anbieter diesem Thema. Damit die Vielfalt wieder in unsere Gärten zurückkehrt.

Beitragsbild: nenetus – stock.adobe.com

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