Humus als Schlüssel zum Erfolg

von Robert Matzer

Das neue Kompetenzzentrum für Acker, Humus und Erosionsschutz soll dabei helfen, den Ackerbau fit für die Zukunft zu machen.

Er ist Wasser- und Nährstoffspeicher, Lebensraum für das Bodenleben und wird in der aktuellen Klimadebatte immer wieder als möglicher Problemlöser diskutiert – der Boden-Humus. Seine Rolle in der Landwirtschaft wird zu Recht hoch eingeschätzt, denn ein Prozent Humus kann pro Hektar 400 Kubikmeter Wasser speichern, beinhaltet mehr als 2000 Kilogramm Stickstoff und über 20.000 Kilogramm Kohlenstoff. Auch im neuen Kompetenzzentrum in der Bezirkskammer Südoststeiermark nimmt er eine tragende Rolle ein, denn er ist durch seine Funktion im Ökosystem Boden unersetzlich für den klimafitten Ackerbau. Johannes Maßwohl ist Leiter dieser Einrichtung mit insgesamt vier Mitarbeitern. Er erklärt die Schwerpunkte seiner Arbeit: „Wir konzentrieren uns auf fünf Teilbereiche und versuchen das Thema gesamtheitlich zu betrachten. Das sind Erosionsschutz, Bodenverdichtung, Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffeffizienz. Sie alle hängen natürlich zusammen und die praktische Umsetzung einer Humus-schonenden Bewirtschaftung kann als zentrales Element formuliert werden.“

Praktikerforum

Unter der Führung des Kompetenzzentrums arbeiten interessierte Ackerbauern, die sich jetzt schon auf Teilbereiche der fünf Schwerpunktthemen mit ihrer Arbeit konzentrieren, intensiv mit der Bezirkskammer zusammen. Mit der Nutzung sozialer Medien soll dabei schnell und zielgerichtet in der Gruppe kommuniziert werden, um möglichst praxisnahe Versuche umzusetzen und Erfahrungen auszutauschen. Diese Kerngruppe soll dann ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrungen in die Breite tragen und in ihren Regionen als Ansprechpartner für Landwirte fungieren. Maßwohl dazu: „Wir haben kürzlich das erste Praktikerforum durchgeführt. Mehr als 30 Bauern waren dabei und diskutierten die Herausforderungen von sinnvollen Maßnahmen im Alltag. In den ersten Regionen haben sich auch bereits Gruppen zusammengefunden, die ihre Wirtschafsweise schrittweise anpassen möchten.“

Johannes Maßwohl in einer Profilgrube

Für Johannes Maßwohl ist der Umgang mit dem Boden-Humus ein entscheidender Faktor. Foto: kk

Wo die Herausforderungen für die Praxis liegen, kann ebenfalls gut definiert und in drei Teilbereiche gegliedert werden. Der Humus-Experte: „Ein Schlüsselelement ist sicher das Einbeziehen von Zwischenfrüchten und Winterbegrünungen in eine angepasste Fruchtfolge. Je länger der Boden durchwurzelt ist, desto günstiger wirkt sich das auf den Humus-Haushalt aus. Mit 100 Prozent Mais und Kürbis wird das sicher schwierig.“ Bei der Arbeit mit Zwischenfrüchten am Acker machen sich viele Praktiker Sorgen, die Masse an Grünpflanzen auch im Griff zu haben und äußern immer wieder Bedenken in der technischen Umsetzung. Daher ist die Bodenbearbeitung und die Technisierung ein zweiter wichtiger Praxisaspekt. „Im dritten Teilbereich dreht sich alles um die Verwendung von Düngern und die Nährstoffeffizienz. Einerseits geht es uns um die sinnvolle Interpretation von Bodenanalysen. Andererseits um eine gesamtheitliche Betrachtung des Düngereinsatzes, damit wir auch Erosionsschutz und Grundwasserschutz nicht aus den Augen verlieren“, ergänzt Maßwohl.

Tragende Rolle

Eine gute wissenschaftliche Begleitung des klimafitten Ackerbaus ist mehr als gerechtfertigt, denn es sind große Herausforderungen, die auf die steirischen Betriebe zukommen. Durch eine gute und praxisnahe Humus-Wirtschaft nimmt die Landwirtschaft eine tragende Rolle in der Klimawandeldiskussion ein. Gleichzeitig auch viel Verantwortung in der Gesellschaft auf sich. Damit kann Österreich seine Vorreiterrolle bei Umweltthemen in Europa weiter ausbauen.

Zur Person

Johannes Maßwohl ist Absolvent der höheren Bundeslehranstalt für Landwirtschaft in Raumberg-Gumpenstein und studierte Landschaftsökologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Schon während des Studiums spezialisierte er sich auf das Thema Bodenkunde, das ihn seitdem fasziniert. Er ist seit 24 Jahren als Umweltberater in der Steiermark tätig und hat dabei viel Erfahrung sammeln können. Er stammt aus Fehring und lebt dort mit seiner Lebensgefährtin und seinen beiden Kindern.

Beitragsbild: Gerald Dunst

 

 

 

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