Neues Boden-Humus-Zentrum eröffnet

von Robert Matzer

Das neue Boden-Humus-Zentrum in der Südoststeiermark soll Theorie und Praxis zusammenbringen und damit den Klimawandel bremsen.

Kohlendioxid (CO2) hat derzeit keine gute Presse. Einerseits ist es zwar essentiell für die Photosynthese und damit für das Pflanzenwachstum. Andererseits wirkt zu viel davon in der Atmosphäre erderwärmend. Es wird weltweit viel über die Senkung des CO2-Ausstoßes diskutiert. Gerne wird auch der schwarze Peter unterschiedlichen Branchen zugeschoben. Fakt ist, dass es nicht ohne eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Branchen möglich sein wird, ernsthafte Verminderungen von Schadstoffemissionen zu ermöglichen.

Mehrfachnutzen

Bauern und Landwirtschaftskammer betonen nun ihre Lösungskompetenz beim Bremsen des Klimawandels, denn unsere Böden sind riesige CO2-Speicher. In einem hochkomplexen Zusammenspiel sorgen Bodenlebewesen dafür, dass sich Kohlendioxid in der organischen Substanz im Boden – vereinfacht als Humus bezeichnet – bindet. Um diesen Prozess verstärkt praxistauglich zu nutzen, wurde in der Bezirkskammer Südoststeiermark nun das neue Boden-Humus-Zentrum eröffnet. Hier sollen Theorie und Praxis zusammenfinden und dadurch ein Mehrwert für Gesellschaft und Landwirte entstehen. LK-Präsident Franz Titschenbacher beschreibt den Mehrfachnutzen: „Ein humusreicher Boden speichert Wasser, schützt die Pflanzen besser vor Trockenheit, die Böden vor Starkregen, Abschwemmung sowie Erosion und er ist ein wichtiger Speicher von klimaschädlichem C02.“

Johannes Maßwohl, Kammersekretär Johann Kaufmann, Franz Titschenbacher, Vizepräsidentin Maria Pein, LAbg. Franz Fartek und Günther Rauch.

Leiter Johannes Maßwohl, Kammersekretär Johann Kaufmann, Präsident Franz Titschenbacher, Vizepräsidentin Maria Pein, LAbg. Franz Fartek und Kammerobmann Günther Rauch. Foto: LK/Danner

Begrünung

Leiter dieser neuen Einrichtung ist Johannes Maßwohl, der ein vierköpfiges Team anführt. Er gibt einen Einblick: „Die Grundlage unserer Arbeit sind fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen von erfolgreichen Bauern. Neben Beratungen organisieren wir auch Veranstaltungen zum klimafitten Ackerbau. Ein wichtiger Schritt dabei ist der Einbezug von Zwischenfrüchten und Winterbegrünungen in der Fruchtfolge. “ Auf dem Versuchsgelände in Raabau wurden verschiedene solcher Begrünungsmischungen gesät, die bei einem schnellen Blick in den Boden sofort die positiven Effekte anzeigen. Maßwohl dazu: „Erhöhte Regenwurmaktivität und eine sichtbar bessere Krümelstruktur sind klare Anzeichen für einen guten Bodenzustand. Trotz der starken Niederschläge der vergangenen Wochen ist es hier nicht zu Erosion oder Überschwemmungen gekommen.“ Solche Begrünungen erzielen außerdem noch zusätzliche Effekte. Einerseits wird generell die Biodiversität – auch von Insekten – erhöht und andererseits bekommen heimische Wildtiere bessere Deckung und Äsung.

Begrünung mit Blüten in Nahaufnahme

In den Begrünungsmischungen in Raabau finden sich Rettich, Wicke, Erbse, Roggen und Co. Foto: Matzer

Kammerobmann Günther Rauch sieht im neuen Boden-Humus-Zentrum einen großen Schritt für die Region und auch für andere Bezirke. „In der Südoststeiermark werden in diesem Winter mehr als 40 Prozent der Ackerflächen begrünt sein. Das Wissen und die Erfahrungen aus dieser Arbeit wird für die ganze Steiermark verfügbar sein.“ Vor allem seine Idee des Praktikerforums stieß auf große Begeisterung und wird natürlich umgesetzt. Dabei handelt es sich um ein regelmäßiges Treffen von erfahrenen Landwirten und Neueinsteigern, bei dem der Einsatz von Maschinen, Kompost oder Zwischenfrüchten ausgiebig diskutiert werden kann.

Beitragsbild: aceng-stock.adobe.com

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