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Buhlen um die Erntehelfer

von Karl Brodschneider

Verbandstag des Verbands Steirischer Erwerbsobstbauern. Auf viele Betriebe, die Erntehelfer benötigen, kommen schwere Zeiten zu.  

 

Noch herrscht im heimischen Obstbau eine stabile Marktsituation. Allerdings drohe bei Apfel eine Übermenge, ließ Obmann Manfred Kohlfürst beim Verbandstag des Verbands Steirischer Erwerbsobstbauern wissen. Bei Aronia ist schon eine völlige Marktsättigung eingetreten, die Erlöse decken nicht einmal mehr die Erntekosten. Besser sieht es bei Holunder aus. „Hier besteht eine sehr große Nachfrage“, teilte Kohlfürst mit.

Dass die Neuaufstellung des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse gelungen ist, kann Kohlfürst auf der Haben-Seite verbuchen – ebenso den Ausbau des Wetterstationennetzes. Jetzt geht es vor allem darum, die Rahmenbedingungen für die Produktion zu verbessern. Dazu zählen auch die Fremdarbeitskräfte.

Auch wenn die im Spätherbst beschlossene Stammsaisonierregelung vorläufig für eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sorgen wird, droht jenen landwirtschaftlichen Betrieben, die Saisonarbeiter benötigen, neues Ungemach. Deutschland will noch heuer einen Mindestlohn von zwölf Euro einführen. „Das war ein Wahlversprechen von Bundeskanzler Olaf Scholz“, informierte Landarbeiterkammer-Präsident Eduard Zentner. „Das hat für ganz Europa weitreichende Konsequenzen, schließlich ist der Verdienst für die Erntehelfer am wichtigsten. Quartier, Arbeitszeit und soziale Absicherung sind zweitrangig.“

Zug nach Deutschland

Eduard Zentner

Eduard Zentner ist Präsident der Landarbeiterkammer Steiermark.

Zentner prophezeite daher, dass es zu Abwanderungen der Arbeitnehmer nach Deutschland kommen wird: „Diese Entwicklung macht uns große Sorgen. Dazu kommt, dass Deutschland schon bisher steuerlich mit einer fragwürdigen Regelung aus der Nachkriegszeit agiert.“ Auf österreichischer Seite kann man dem durch eine Unterstützung bei der Geltendmachung der Negativsteuer für Saisonarbeiter im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung entgegenwirken. Auch das neue Landarbeitsgesetz macht jetzt einen Arbeitgeberzusammenschluss möglich. Dadurch kann ein Saisonarbeiter mehreren Betrieben zur Verfügung stehen, was zu einer längeren und attraktiveren Beschäftigungszeit führt.

Zentner erklärte: „Die Landarbeiterkammer hat auch an alle ausländischen Arbeitnehmer in ihrer Muttersprache Informationsschreiben betreff der Festlegungen in den Kollektivverträgen zugeschickt.“ Sehr wichtig wäre es aber – darin waren sich Kohlfürst und Zentner einig – , wenn es zu einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung der Produkte im Handel und in der Gastronomie kommen würde. Das würde zu einer verstärkten Nachfrage und damit zu einer verbesserten Einkommenssituation bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Österreich führen.

Emotionale Themen

Manfred Kohlfürst

Manfred Kohlfürst ist Obmann des Verbandes Steirischer Erwerbsobstbauern und Kammerobmann von Graz-Umgebung.

Bei seinem vor zwei Jahren erfolgten Amtsantritt als Obmann hatte sich Kohlfürst das Ziel gesetzt, den Außenauftritt des Verbandes zu attraktiveren. Das erfolgt nun mit einem neuen Logo und einer neuen Website, die noch im Februar online gehen wird. Das neue Logo – es zeigt ein dynamisches Herz in Verbindung mit Stiel und Blatt – ist für alle Obstarten geeignet und stellte auch einen Österreich-Bezug her. Die von Geschäftsführer Herbert Muster präsentierte Homepage soll auch die breite Öffentlichkeit und emotionale Themen ansprechen. „Wir wollen solche Themen wie den Pflanzenschutz nicht länger den NGOs überlassen“, sagte Muster. Weiters bietet die Website viel Service für die Mitglieder an, inklusive die Möglichkeit, dass sie sich selbst auf dieser Homepage präsentieren können.

An der als Videokonferenz durchgeführten Veranstaltung nahmen auch Landesrat Hans Seitinger und Kammerpräsident Franz Titschenbacher teil. Der Landesrat ließ seine Absicht durchklingen, dass der Zuschuss der öffentlichen Hand an der Hagelversicherungsprämie noch deutlich erhöht werden müsse. Titschenbacher kündigte dem Verband weiterhin die Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer an.

Mit dabei waren auch die beiden Apfelhoheiten Hanna Schwarz und Judith Maier. Ihre von der Corona-Pandemie geprägte Regentschaft, die nur wenige öffentliche Auftritte möglich machte, wird demnächst enden. Beim geplanten Apfelblütenfest Ende April sollen dann ihre Nachfolgerinnen gekrönt werden.

 

Beitragsfotos: agrarfoto.com/Thomas Luef/Archiv

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