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Bauer der Woche: Manfred Kohlfürst

von Karl Brodschneider

Manfred Kohlfürst ist Kammerobmann von Graz und Umgebung und neuer Obmann der österreichischen Erwerbsobstbauern. Dabei hatte er mit dem Obstbau früher nicht viel am Hut.

 

Vor einem Jahr wurde Manfred Kohlfürst zum Obmann der steirischen Erwerbsobstbauern gewählt. Damit war der nächste Schritt fast schon vorgezeichnet, denn im Regelfall vertritt der Landesobmann auch die gesamte österreichische Branche. So war es schon bei Anton Gangl und dem bisherigen Bundesobmann Rupert Gsöls. Schließlich wachsen in der Steiermark zwei Drittel des gesamtösterreichischen Obstes.

Online-Wahl

Am Montag war es dann soweit. In einer Online-Tagung der Delegierten aus allen neun Bundesländern erfolgte die offizielle Wahl des Steirers. „Ich will für die heimische Obstbranche etwas bewirken!“, beginnt Kohlfürst aus tiefster Überzeugung. Und er zieht einen Vergleich mit dem Pfarr- und Vereinsleben in seiner Marktgemeinde St. Marein bei Graz: „Wenn die Leute nicht selbst aufstehen und etwas in die Hand nehmen, wird nichts geschehen. Sich zurücklehnen und darauf warten, dass etwas passiert, ist zu wenig!“

„Ich bin kein Wunderwuzzi, aber mit dem Netzwerk, das ich mir im Laufe der Jahre aufgebaut habe, kann ich mitgestalten“, ist der 49-Jährige von sich überzeugt. Seine große Aufgabe sieht er darin beizutragen, dass die Rahmenbedingungen für die Praktiker passen. Und er nennt drei Bereiche, die seinen Berufskollegen unter den Nägeln brennen: „Das sind die Wasserverfügbarkeit, der Pflanzenschutz und die Saisonarbeitskräfte.“

Vieles von dem, was er als Bundesobmann einfordert und vertritt, beschäftigt ihn auch schon in seiner bisherigen Tätigkeit als Kammerobmann von Graz und Umgebung. Nach dem frühen Tod von Josef Herzog vor vier Jahren übernahm er diese Funktion. „Graz-Umgebung ist ein Bezirk mit allen Sparten. Es wäre überheblich, wenn ich behaupte, dass ich überall mitreden kann, aber ich bin wie ein Schwamm. Ich sauge die Informationen auf und die Landwirte können mich auspressen, um sich auf dem Laufenden zu halten.“

Dass er einmal auf Bundesebene als Bauernvertreter auftreten würde, hätte sich Manfred Kohlfürst in den 1990er Jahren niemals gedacht. Damals war er in der Funk- und Telekombranche tätig und mit dem Auto 90.000 Kilometer im Jahr unterwegs. Vor 22 Jahren übernahm er zusammen mit seiner Gattin Martina deren elterlichen Obstbaubetrieb. „Auf fünf Hektar produzieren wir drei Apfelsorten, nämlich Gala, Golden Delicious und Evelina. Nächstes Jahr kommen Birnen dazu“, erzählt Kohlfürst, der sich fachlich rasch weiterbildete.

Freiwillige Buchführung

Auf seinem Betrieb wird freiwillig die Buchführung gemacht. „Damit weiß ich genau, wieviel wir verdienen“, betont der Obstbaumeister und gibt noch einen Einblick: „Wir sind ein reiner Familienbetrieb und können mit fünf Hektar die anfallende Arbeit gerade noch selbst schaffen.“

In seiner Heimatgemeinde ist er schon seit über 20 Jahren Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Die Funktion des Gemeindekassiers hat er ebenso zurückgelegt wie das Amt des Obmanns der Erzeugergemeinschaft Obst Steiermark. „Schließlich habe ich noch viel vor“, schmunzelt Kohlfürst und beißt in seinen Lieblingsapfel. Das ist die Clubsorte Evelina.

Zur Person

Manfred Kohlfürst (49) bewirtschaftet mit Gattin Martina einen fünf Hektar großen Obstbaubetrieb in St. Marein bei Graz. Er ist seit 2017 Obmann der Bezirksbauernkammer Graz und Umgebung und führender BB-Funktionär auf Bezirks- und Gemeindeebene. Er ist Pfarrgemeinderatsvorsitzender und war zehn Jahre Kommunalpolitiker. Seit 8. März 2021 ist er Bundesobmann der österreichischen Erwerbsobstbauern.

 

Beitragsfoto: Brodschneider

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