Am Boden der Realität

von Robert Matzer

Der Hype um Agrardrohnen nimmt wieder ab, obwohl sie großes technisches Potential haben. Der Grund dafür ist einfach: Sie dürfen weniger als sie können.

Viele neue Technologien erhalten bei ihrer Einführung große mediale Aufmerksamkeit. Sie werden als Heilbringer und ultimative Lösung präsentiert, verschwinden dann aber oft wieder in einer Versenkung. Dieser Prozess wird von Spezialisten als „Hype-Zyklus“ bezeichnet. Demnach durchläuft jede neue Technologie den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“, bevor sie im „Tal der Enttäuschung“ landet. Erst nach einer gewissen Zeit der Entwicklung, bei der sich auch rechtliche, soziale und ethische Fragen klären, setzen sich Technologien durch und finden den Weg in die breite Anwendung. Der Grund dafür ist einfach erklärt: Wir neigen dazu, die kurzfristige Wirkung einer neuen Technologie zu überschätzen und die langfristige Wirkung zu unterschätzen. Agrardrohnen sind da keine Ausnahme.

Sie werden gerne als Lösung für alles präsentiert, bei der sich der Landwirt nur noch zurücklehnen muss und einen Schwarm der fliegenden Helfer bei der Arbeit beobachten kann. In der Realität sieht es freilich nicht so rosig aus. Sie sind technisch zwar noch nicht vollständig ausgereift, das größere Problem liegt aber bei noch lückenhaften rechtlichen Rahmenbedingungen und den damit verbundenen Sicherheitsaspekten.

Pflanzenschutz aus der Luft

Robert Kögl-Rettenbacher ist Winzer in Ratsch an der Weinstraße und entwickelte mit seinem Geschäftspartner Christian Semmelrath eine Sprühdrohne für den Weinbau. Die beiden gründeten die Firma „Greenhive“ und führten beim diesjährigen Tag der Technik am Bildungszentrum für Obst- und Weinbau in Silberberg das Ergebnis ihrer Entwicklungsarbeit einem begeisterten Publikum in der Praxis vor.

Er gibt einen Einblick in die rechtliche Situation im Bereich der Agrardrohnen: „In Österreich werden derzeit Drohnen in verschiedene Kategorien eingeteilt. Dabei geht es prinzipiell um Gewicht, Flughöhe und ob sie über besiedeltem Gebiet Einsatz finden. Alle Drohnen, die die Grenze von 79 Joule Bewegungsenergie bei einem Absturz nicht überschreiten, gelten als Spielzeug. Im Einsteigerbereich der Kategorie A bis fünf Kilogramm gelten relativ überschaubare Regeln. Die agrarisch für uns interessanten Anwendungen fallen aber zu einem großen Teil unter Kategorie C oder höher, was einen erheblichen bürokratischen Aufwand und hohe Sicherheitsanforderungen mit sich bringt. Ein eigenes Zulassungsverfahren mit Pilotenbescheinigung, Versicherungen, Lärmmessungen, Gesundheitsbescheinigungen und Sicherheitsanalysen ist notwendig.“

Robert Kögl-Rettenbacher und Christian Semmelrath

Robert Kögl-Rettenbacher und Christian Semmelrath gründeten die Firma Greenhive und beschäftigen sich mit Drohnen und autonomen Fahrzeugen. Foto: Matzer

Spezialisten

Das ist auch der Grund, warum Einsätze von Agrardrohnen derzeit hauptsächlich von professionellen Dienstleistern angeboten werden und nur ein Servicemodell sich in diesem Fall rechnet. Am Markt gibt es bereits mehrere Anbieter. Zu deren Leistungen zählen etwa die Aufnahme von professionellen Fotos und Videos, das Ausbringen von Nützlingen im Ackerbau oder das Erkennen von Unwetterschäden. In Verbindung mit speziellen Kameras im Infrarotbereich können von der Luft auch Wildtiere in Wiesen erkannt, Stresssymptome in Pflanzen und sogar Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung im Boden detektiert werden.

Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist rechtliches absolutes Neuland und damit noch komplexer. Der Winzer: „Derzeit gibt es noch kein fertiges Regelwerk für den Transport von Chemikalien, Abdriften und sonstige Rahmenbedingungen. Damit sind wir bei den Ersten, die diese Fragen überhaupt aufwerfen. Daher bekommen wir erstmal einen negativen Bescheid von der Behörde und führen unsere Versuche daher mit reinem Wasser oder mikrobiellen Präparaten durch.“ Das Ganze wird nach der Einschätzung des Landwirtes wohl noch zwei Jahre oder länger dauern, weshalb die Firma Greenhive nun mittelfristig auf den Einsatz von bodengebundenen autonomen Fahrzeugen setzt. Das Prinzip dahinter soll aber das Gleiche bleiben: Viele Helfer machen große Taten.

Die Sprühdrohne der Firma Greenhive im praktischen Einsatz

Die Sprühdrohne der Firma Greenhive im praktischen Einsatz beim Tag der Technik an den steilen Terrassenhängen der Fachschule Silberberg. Foto: Matzer

Zukunft

In der Zukunft wird es über unseren Agrarflächen aber trotzdem surren, ist Robert Kögl-Rettenbacher überzeugt: „Die Technologie von Drohnen ist bodenschonend, gibt dem Landwirt Sicherheit und wird auch laufend besser. In anderen Teilen der Erde, beispielsweise in China, wo vieles nicht so stark reguliert wird, ist das bereits Realität.“ Doch nicht nur in Asien, auch in der Schweiz könnten schon bald Drohnen den Pflanzenschutz übernehmen. Dort fliegen in Steillagen im Weinbau derzeit noch Hubschrauber, die teils extreme Abdriften verursachen. Dagegen erscheint eine Sprühdrohne tatsächlich wie ein Heilsbringer und eine ernsthafte und zügige Umsetzung in der Praxis darf erwartet werden. Auch in der EU wird fleißig an einem europaweiten Regelwerk gearbeitet. Ergebnisse werden aber nicht vor dem Frühjahr 2020 erwartet. Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema Digitalisierung und Technik und nutzen Sie die Kommentarfunktion für diesen Artikel!

 

Links zum Thema

www.greenhive.at

www.austrocontrol.at

www.sensefly.com

senter.com

www.ageagle.com

www.lagerhaus.at

www.dji.com

 

 

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