„Man kann das Rad nicht neu erfinden“

von Karlheinz Lind

Philipp Gady, Obmann im WKO-Gremium des Maschinen- und Technologiehandels, über die Umbrüche und Perspektiven in seiner Branche.

NEUES LAND: Die jüngsten Zahlen der Neuzulassungen bei Standardtraktoren in Österreich überraschen. Von Jänner bis März 2019 wurden um insgesamt 276 Standardtraktore mehr zugelassen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kündigt sich nun eine Trendumkehr in der Branche an?

Philipp Gady: Nein, übers Jahr gesehen wird sich das wieder nivellieren. Die vorliegenden, guten Zahlen resultieren eher daraus, dass viele Hersteller Aktionen bieten und auch teilweise längere Lieferzeiten haben. Der Markt an sich hat sich nicht vergrößert und es gibt auch keinen Investitionsstau. Ich rechne sogar mit einer eher zurückhaltenden Entwicklung, bis die neuen landwirtschaftlichen Förder- und Rahmenbedingungen europaweit feststehen.

NL: Fehlende Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft stellt auch den Landmaschinenhandel vor enorme Herausforderungen. Wie geht man damit um?

Gady: Wie in vielen anderen Branchen kann man auch hier das Rad nicht neu erfinden. Optimierungsmaßnahmen wie die Verschlankung von Prozessen, Verkleinerung des Angebotsspektrums sowie Fokussierung auf starke Kernmarken und Kernmärkte erhöhen die Effizienz.

NL: Thema Landwirtschaft 4.0. Wo liegen ihrer Meinung nach die größten technischen Errungenschaften in der Branche und wie können diese genutzt werden?

Gady: Der globale Megatrend Digitalisierung beeinflusst nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Natürlich auch unsere Branche. Die sogenannte Landwirtschaft 4.0 eröffnet neue Möglichkeiten. Die neuen Technologien ermöglichen es beispielsweise die Geräteeinstellungen innerhalb eines Feldes zu ändern. Der Traktor weiß mittels GPS-Einstellung, wo er sich gerade befindet und erfasst durch entsprechende Sensoren Nährstoffbedarf und Bodenzustand. Der Ertrag für den Landwirt wird gesteigert. Die neuen Technologien leisten einen wesentlichen Beitrag zur Professionalisierung und Optimierung der landwirtschaftlichen Betriebe, die im harten Wettbewerb schlussendlich die Nase vorn haben werden.

NL: Traktoren und Landmaschinen werden im Aufbau immer komplexer, auch die Bedienung wird schwieriger. Wie reagiert man als Landmaschinenhändler darauf?

Gady: Durch die Fokussierung auf starke Marken und Partner und vor allem auch durch die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter. Unsere Branche ist in manchen Bereichen im Hightech-Segment angelangt. Das erfordert viel Know-how des ganzen Teams. Gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter sind zentraler Erfolgsfaktor eines Unternehmens.

NL: Jüngste Umfragen zeigen, dass die Lehre wieder an Bedeutung gewinnt. Wie sieht es in ihrer Sparte aus? Gibt es genug Lehrlinge?

Gady: Der Stellenwert der Lehre steigt. Heutige Lehrlinge sind die Fachkräfte der Zukunft und haben als solche beste Karrierechancen. Lehrlinge auszubilden ist eine schöne, herausfordernde Aufgabe. In unserem Unternehmen begleiten 20 qualifizierte Lehrlingsausbildner die Auszubildenden. Die wissen, wie sie den jungen Menschen Begeisterung und Wissen vermitteln können. Als großer Arbeitgeber in der Region leben wir unsere Unternehmenswerte Tradition, Vertrauen, Leistung und Stolz tagtäglich vor und erfüllen diese Werte mit Leben. Daher ist es uns auch sehr wichtig, neben den fachlichen Qualifikationen den jungen Menschen auch die Werte zu vermitteln. Wer bei der Gady Family eine Lehre macht, kann stolz auf sich sein und wir sind stolz auf unsere Lehrlinge.

Infos: https://www.gady.at/

Beitragsfoto: Gady Family

 

Zur Person

Im Jahre 2009 übernahm Philipp Gady die Leitung der Franz Gady GmbH. Ein Jahr später leitete er die Übernahme von BMW Graz-Nord ein und initiierte die Errichtung des Karosserie- und Lackierzentrums in Lebring. Derzeit sind rund 300 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Philipp Gady ist auch in der Wirtschaftskammer sehr aktiv.

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