Mit Feuer, Wind oder Wasser?

von Robert Matzer

Das Risiko für Spätfröste in der Steiermark steigt und verursacht vor allem eines: Kosten. Doch was bedeutet das für die Zukunft?

Der Klimawandel wird derzeit in vielen Bereichen heiß diskutiert. Bisher war er für zahlreiche Menschen eher abstrakt, vor allem Landwirte spüren seine Auswirkungen aber immer deutlicher. Im Obstbau ist vor allem ein immer zeitigerer Vegetationsbeginn im Frühjahr bemerkbar. Laut einer aktuellen Studie am Wegener Center der Universität Graz, könnte sich der Blühzeitpunkt innerhalb dieses Jahrhunderts sogar um ein Monat verfrühen. Damit einhergehend ist ein steigendes Risiko für Frostschäden. Einen Vorgeschmack darauf brachten die Katastrophenjahre 2016 und 2017, die noch gut in Erinnerung sind. Für die Autoren der Studie steht eines fest: der Apfelanbau in der Steiermark wird auf alle Fälle teurer.

Die Lage

Am Versuchszentrum für Obst- und Weinbau in Haidegg beschäftigt man sich intensiv mit dem Thema Frostschutz. Referatsleiter Leonhard Steinbauer: „Die Lage, in der man Obstbau betreibt, ist entscheidend. In den Gunstlagen waren die Ausfälle beim Apfel in beiden Frostjahren eher gering. Jede verfügbare Frostschutztechnik kann Defizite der Lage korrigieren, jedoch immer mit deutlichen Kosten verbunden und ein Restrisiko kann nicht ausgeschlossen werden.“ Wann macht es also Sinn überhaupt eine Frostschutztechnik anzuwenden?

Leonhard Steinbauer, Referatsleiter an der Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg. Foto: Furgler

Steinbauer dazu: „Meiner Meinung nach machen Frostschutzsysteme nur auf Flächen mit ausreichend hohem Deckungsbeitrag Sinn. Beispielsweise bei Marillen oder Kirschen, bei Apfelanlagen mit stark nachgefragten Sorten, bei Flächen für die Direktvermarktung oder in Bioquartieren. Standard-Apfelsorten, die auf einem von Überproduktion geprägten Markt verkauft werden müssen, mit Schutzsystemen auszustatten, wird kaum rentabel sein. Hier ist die Versicherung die bessere Möglichkeit, da der Prämienzuschuss erhöht wurde.“ Und welche Methode ist nun eigentlich die Beste?

Frostschutzsysteme

Der Referatsleiter: „Wir verwenden und testen in Haidegg drei unterschiedliche Systeme: Heizsysteme, Windräder und Bewässerungssysteme. Kerzen sind beispielsweise bei Marillen und Kirschen sinnvoller, da in diesen Kulturen der Einsatz von Wasser deutliche Nachteile mit sich bringen kann. Für den Apfel wäre das ideale Schutzsystem die Beregnung, die jedoch aufgrund der fehlenden Wasserverfügbarkeit oft nicht umsetzbar ist. Insgesamt ist es schätzungsweise nur auf etwa zehn Prozent der Obstbauflächen in der Steiermark wirtschaftlich vertretbar, sie mit ausreichend Wasser zu versorgen.“

Windräder zählen zu den günstigsten Frostschutzsystemen

Der Frostschutzprofi weiter: „Eine bisher unterschätzte Art seine Kulturen zu schützen sind stationäre Windräder. Wir konnten in Haidegg damit gute Testergebnisse erzielen und auch in anderen Ländern wie Frankreich oder Italien funktionieren diese Anlagen sehr gut. Eine solche Anschaffung könnte in Kooperation mehrerer Landwirte erfolgen.“ Im Detail sei, laut Steinbauer, ein Windrad für etwa sieben Hektar Obstbaufläche geeignet und es zählt außerdem zu den günstigsten Frostschutzsystemen. Nur 50.000 Euro netto habe die Anschaffung in Haidegg gekostet, die Betriebskosten seien ebenfalls sehr niedrig. Steinbauer abschließend: „Die Nachteile dabei sind jedoch, dass der Einsatz nur bis zu einer Hangneigung von 12 Grad möglich ist und ausschließlich bei Strahlungsfrösten etwa drei Grad Celsius Erwärmung erreichbar sind.“ Details zu den unterschiedlichen Systemen finden Sie auf www.haidegg.at oder www.klimarisiko.at.

Beitragsbild: Haidegg

 

 

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