Die Lüfte erobern

Immer öfter beweisen Drohnen, also ferngesteuerte Kleinstflugzeuge, auch in der Landwirtschaft ihre Alltagstauglichkeit. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig.

Die Faszination des Fliegens zieht Menschen weltweit in den Bann. Ein Beweis dafür waren alleine die knapp 300.000 interessierte Besuchter der letzten Airpower vor zwei Jahren im obersteirischen Zeltweg. Und dass beim Fliegen nicht zwingend ein Pilot erforderlich ist, beweisen sogenannte Drohnen. Hört man diesen Begriff, denkt man im ersten Moment an kriegerische Handlungen in Krisengebieten. Gerade das Militär macht sich diese Technik zu nutze. Doch die Einsatzgebiete sind für diese, meist mit vier oder mehr Propellern ausgestatteten Flugobjekte wesentlich größer. Internet-Versandt-Riesen wie etwa der US-Onlinehändler Amazon arbeitet mit Hochdruck daran, Pakete mit Drohnen noch schneller ausliefern zu können. Sogenannte Octocopter, also unbemannte Kleist-Hubschrauber mit acht Propellern, sollen bestellte Ware innerhalb von 30 Minuten zum Empfänger bringen. Dieses Projekt befindet sich jedoch noch in der Testphase.

Steirische Forschung

Mit diesem äußerst spannenden Thema beschäftigt sich auch das Institut Luftfahrt der FH JOANNEUM in Graz. Bereits seit dem Jahre 2007 arbeitet man an der Entwicklung von Drohnen. Institutsleiter Professor Holger Flühr dazu: „In den letzten beiden Jahren haben wir intensiv an zwei Projekten gearbeitet: Einerseits an einem Flächenflugzeug aus Kohlefasern und andererseits an einem Multicopter.“ Erst kürzlich ist dieser Mulitcopter bei einer Feuerwehrübung im Bezirk Deutschlandsberg eingesetzt worden. Übungsannahme war ein Flugzeugabsturz östlich der Koralpe im Raum Deutschlandsberg, mittels Drohne verschaffte man sich einen Überblick aus der Luft. Übrigens auch in der täglichen Realität: Erst kürzlich konnte eine Herde ausgebrochener Rinder mittels Unterstützung einer Drohne in einem Maisacker gefunden und von den Feuerwehrleuten eingefangen werden.

Professor Flühr weiter: „Gerade in der Landwirtschaft sind die Flugobjekte äußerst vielseitig einsetzbar. Laut einer Befragung, welche im Zuge einer Masterarbeit durchgeführt wurde, konnte auch ein enormer Bedarf festgestellt werden.“

Dies bestätigt auch Christoph Metzker, RWA-Bereichsleiter für Betriebsmittel: „In der täglichen Arbeit der Bauern mit der Natur spielt der Technologiefortschritt eine immer größere Rolle. Die heutigen Bauern sind technisch höchst versiert und setzen moderne Instrumente im Sinne einer traditionell naturnahen Bewirtschaftung ein“. Mit der Drohne und der automatischen Bodenprobenentnahme biete man bei der RWA Instrumente, die in Zukunft wichtige Bestandteile der Präzisionslandwirtschaft darstellen werden. Metzker abschließend: „Damit ist es noch einfacher genaue Informationen über die Bodenbeschaffenheit sowie hier wachsende Pflanzen zu erhalten und gezielt auf deren Bedürfnisse einzugehen.“

Drohnen weltweit

Japan ist uns Europäern auf dem Gebiet der Drohnen deutlich einen Schritt voraus. Der Einsatz von Drohnen ist für die dortigen Reisbauern bereits Alltag. Die Flieger versprühen Pflanzenschutzmittel, die den Reis vor Schädlingen schützen sollen. Bereits im Jahr 1990 brachte der Konzern Yamaha seinen unbemannten Mini-Hubschrauber RMAX auf den Markt. Mittlerweile sind dort über 2300 Geräte von verschiedenen Herstellern im Einsatz.

Drohnen können aber erheblich mehr als nur Pestizide versprühen. So lässt sich zum Beispiel anhand unterschiedlicher Färbungen von Feldern aus der Vogelperspektive erkennen, wann welches Feld bewässert oder gedüngt werden muss. Mit Wärmebild-Kameras lassen sich krankheitsbedingte Veränderungen im Pflanzenbestand frühzeitig erkennen.

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