Ein Schweinestall als Forschungslabor

LAK-Präsident Eduard Zentner

Abteilungsleiter Eduard Zentner über den modernsten Schweineforschungsstall, Geruchserhebungen mittels Nase und beste Lebensmittel.

NEUES LAND: Nach einer Rekordbauzeit von nur einem Jahr wird an diesem Freitag im Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein der modernste Schweinforschungsstall Österreichs offiziell eröffnet. Wie waren Sie mit der Umsetzung dieses besonderen Projektes zufrieden?

Eduard Zentner: Im Vorfeld des Bauvorhabens gab es eine umfangreiche Abstimmung mit der Schweineberatung Steiermark. Betreffend einer Bürgerinitiative bedurfte es zum geplanten Schweine-Forschungsstall aber dringend einer objektiven Vorinformation der Anreiner. Bürokratische Notwendigkeiten sowie die Klärung der Finanzierung haben den Beginn des Baus aber enorm verzögert. Die Bauverhandlung und der Bau selbst ging dann rasch und ohne größere Verzögerungen über die Bühne.

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NL: Werden bereits erste Versuche im neuen Schweinestall durchgeführt?

Zentner: In unserem Versuchsstall finden 414 Mastschweine Platz. Den ersten Durchgang haben wir im Testlauf bereits fertig gemästet. Nun wurde der zweite eingestallt. Mit ihr erfolgt auch der Start unserer umfangreichen Forschungstätigkeit.

Schwerpunkte

NL: Wo liegen dabei die Schwerpunkte?

Zentner: Neben der Erhebung aller wirtschaftlich relevanten Daten wie die täglichen Zunahmen und die Futterverwertung liegt der Fokus im Bereich der luftgetragenen Emissionen. Als einziges Institut in Mitteleuropa erheben wir aktiv 24 Stunden am Tag und über eine gesamte Mastperiode den Gehalt an Ammoniak, Kohlendioxid, Methan und Lachgas in der Abluft. Aufgeteilt auf drei Gruppen zu jeweils 138 Mastschweinen, werden drei unterschiedliche Abluftreinigungen in Form von Wäscher- und Filterlangen sowie einer Kombination von beiden untersucht.

NL: Was erwartet man sich von diesen Untersuchungen?

Zentner: Uns geht es im Bereich der Forschung um die Frage, wieviel des anfallenden Ammoniaks durch die verschiedenen Reinigungsanlagen herausgefiltert werden kann. Dies ist für die Feinstaubreduktion von Bedeutung, könnte aber zum Beispiel auch bei zukünftigen Bauverhandlungen in der Steiermark eine wesentliche Rolle spielen. Natürlich wird auch die wirtschaftliche Komponente genau erhoben. Solche Anlagen kosten demnach je nach Betriebsgröße zwischen 7 und 18 Euro je Mastplatz und Jahr. Auch die laufenden Kosten für Energie, Wasser, Schwefelsäure sowie die Arbeit in der Wartung sind beträchtlich. Dies alles wirkt sich nämlich auch auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung in der Steiermark aus.

Kosten

NL: Wie viel wurde insgesamt investiert?

Zentner: Der neue Forschungsstall hat insgesamt 1,3 Millionen Euro gekostet. Den Hauptteil davon trug das Land Steiermark. Die Abluftreinigungsanlagen wurden uns von den Firmen gratis zu Verfügung gestellt. Auch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat sich finanziell beteiligt und übernimmt nun den laufenden Betrieb.

NL: Warum wird eigentlich ein Schweineforschungsstall im Ennstal gebaut und nicht dort, wo die Schweinemast zu Hause ist – nämlich in der Süd-, Ost- oder Weststeiermark?

Zentner: Bei diesem Projekt spielt die Hygiene eine wesentliche Rolle. Da es keine anderen Mastställe in der Umgebung gibt, ist auch der Infektionsdruck nicht vorhanden. Weiters werden in regelmäßigen Abständen Geruchsmessungen durchgeführt. Dazu gibt es jedoch keine Messgeräte, dies wird von speziell geschulten Mitarbeitern mittels deren Nase erhoben.

NL: Was passiert mit den fertig gemästeten Schweinen?

Zentner: Die finden bei uns großen Anklang. Ein Teil wird direkt in Gumpenstein geschlachtet und in der Schulküche verkocht. Auch regionale Fleischerbetriebe zählen bereits zu unseren Kunden.

Weitere Informationen erhält man unter www.raumberg-gumpenstein.at.

Beitragsfoto: Landarbeiterkammer Steiermark Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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