Respekt ist der Schlüssel zum Hof

Worauf sollte man bei der Übernahme eines Hofes achten? Ewald Wurzinger hat mit Jungbäuerinnen und –bauern über ihre Erfahrungen dabei gesprochen.

Sie ist wohl eines der entscheidendsten Ereignisse im bäuerlichen Leben: Die Hofübergabe beziehungsweise Hofübernahme. Das „Los-Lassen“ von vertrauten Strukturen und das „Abgeben“ der Verantwortung an die Übernehmer ist ein wesentlicher Schritt. Sieben steirische Jungbäuerinnen und Jungbauern aus verschiedenen Regionen und Betriebszweigen sprechen hier über ihre Erfahrungen und raten unserem NEUES LAND – Hofübernehmer nur eines: Respekt und Wertschätzung. Aber lesen Sie selbst…

Respekt als Geheimrezept

Respekt ist für Waltraud Krain-Weinhapl aus Kainbach bei Graz der größte Faktor im Kapitel der Hofübernahme. „Gegenseitiges Zuhören und Wertschätzung werden immer öfter zur Seltenheit bei der Übergabe des Hofes“, so die leidenschaftliche Hof-Bäckerin. „Ich war erst 16 Jahre alt, als ich auf den Hof gekommen bin und mir war es immer wichtig, der Generation vor mir, Anerkennung für die geleistete Arbeit zu zollen und ich denke, das haben meine Schwiegereltern damals auch sehr geschätzt“, erinnert sich Krain-Weinhapl. Auch wir werden einmal alt.

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Waltraud Krain-Weinhapl aus Kainbach bei Graz

Waltraud Krain-Weinhapl aus Kainbach bei Graz. Foto: Privat

 

Viele Wege bis zum Ziel

Rene Nöhrer, Ackerbauer und Direktvermarkter ist davon überzeugt, dass es viele amtliche „Laufereien und Wege“ benötigt, noch bevor alle Rechte und Pflichten des Hofes an eine Nachfolgerin oder an einen Nachfolger übergeben werden können. Eine ordentliche Vorbereitungszeit auf die Hofübergabe ist Gold wert! Mir war immer wichtig, auch mit meinen Eltern und meinen Geschwistern über die Situation offen zu reden. Das hat vieles erleichtert und macht es heute umso einfacher“, erinnert sich der vierfache Vater. Auf Ratschläge seiner Eltern hört er immer noch sehr gerne.

Rene Nöhrer, Ackerbauer und Direktvermarkter

Rene Nöhrer, Ackerbauer und Direktvermarkter. Foto: BB

 

Tipps und Tricks bewusst wahrnehmen

Rindermäster Stefan Schlager aus Liebensdorf erinnert sich an seine Hofübernahme: Übergabe ist Theorie. Die Praxis lebt am Hof. „Man muss natürlich auf die erfahrene Stimme seines Vaters hören. Mir hat mein Papa viele Tipps in Sachen Betriebsführung gegeben und tut es heute noch. Viele junge Landwirte sehen das als eine Art ‚Zweifel am Junior‘, ich aber sehe es als eine Liebeserklärung und Bereitschaft für seinen Sohn, auch nach seiner Zeit als aktiver Bauer, da zu sein“, so der Grottenhof-Absolvent. „Ich schätze bis heute jeden Handgriff meines Vaters!“

Rindermäster Stefan Schlager aus Liebensdorf

Rindermäster Stefan Schlager aus Liebensdorf. Foto: privat

Auch danach auf einander hören

Winzerin Anne Grießbacher aus Risola hatte die Möglichkeit mit ihren Eltern und allen Beteiligten in der Familie offen über alle auftretenden Unsicherheiten bei der Betriebsübergabe zu sprechen. „Es geht nicht nur um Verträge und Absicherungen für uns Jungübernehmer, man muss ich gegenseitig stützen und einander immer wieder Feedback geben. Ich hatte das Glück, enorm viel Rückhalt von meiner Mutter und meinen Vater zu bekommen, das hat die Zeit sehr erleichtert. Nach der Übergabe ist es auch wichtig, einander wahrzunehmen. Ein guter Rat hilft einem dann doch.

Winzerin Anne Grießbacher aus Risola

Winzerin Anne Grießbacher aus Risola. Foto: Privat

Viele Gespräche mit den Eltern

Pferdebauer Franz Jöbstl aus Obervogau hat den Hof mit 30 übernommen und erinnert sich an viele Gespräche mit seinen Eltern. „Jeder von uns, meine Mutter, mein Vater und auch ich, hat zu Beginn kurz und bündig klar gestellt, was er wie beibehalten und wie gestalten möchte. Wir haben uns das ganz einfach abgesprochen alles diskutiert. Natürlich gab es hie und da Meinungsverschiedenheiten und sollte gestritten werden, muss auch einmal wieder darüber gelacht werden können. Übergabe ist wichtig, aber es soll keiner daran zerbrechen“, so der Landwirt. „Reden, reden, reden!“

Pferdebauer Franz Jöbstl aus Obervogau

Pferdebauer Franz Jöbstl aus Obervogau. Foto: kk

 

An einem Strang ziehen

Milchbauer Christoph Krenn aus Raabau bei Feldbach hat bei seiner Hofübergabe im Vorhinein viele ausführliche Gespräche mit seinen Eltern geführt. „Das war wichtig, um eine Basis für weitere gute Zusammenarbeit zu schaffen. Es macht wenig Sinn, erst beim Notar nach einem gemeinsamen Nenner zu suchen und vielleicht dort auch noch verschiedene Standpunkte diskutieren zu wollen. Ein gutes Schiff kommt nur voran, wenn alle in eine Richtung rudern“, weiß Christoph Krenn. Sein Tipp an künftige Übernehmer: Zuhören und Zuhören lassen.

Milchbauer Christoph Krenn aus Raabau

Milchbauer Christoph Krenn aus Raabau. Foto: Milchhof Krenn

Ein ständiges Geben und Nehmen

Christbaumbäuerin Helga Strohmeier aus Stainz denkt heute über eine künftige Hofübergabe nach. „Mein Sohn ist 21 Jahre alt und spielt im Betrieb schon jetzt eine wesentliche Rolle. Wir haben ihm den Betriebszweig Ackerbau überlassen und auch einen eigenen Wohnbereich zuhause am Hof. Das ist für beide Generationen enorm wichtig. Im Gegensatz dazu können wir in der Christbaumsaison voll auf ihn zählen und haben eine zuverlässige Arbeitskraft mehr. Das schätzen wir. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen“, so die leidenschaftliche Bäuerin aus der Weststeiermark.

Helga Strohmaier aus Stainz. Foto: kk

Christbaumbäuerin Helga Strohmeier aus Stainz. Foto: kk

Beitragsbild: agrarfoto.com Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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