Ein Prost auf den Most

von Robert Matzer

Die “alten Mostzeiten” sind vorbei: Besonders die beiden Produzentengruppen “Steirermost” und “Caldera” setzen neue Akzente.

Der Apfelmost hatte viele Jahre das Image eines Getränks für arme Leute, das so ziemlich jeden Fehler aufweist, den Nase und Gaumen wahrnehmen können. Egal ob Böckser, Essigstich, Mäuseln, Fassgeruch, Schimmelgeschmack oder Zähwerden – der Geschmack dieses rustikalen Kellerprodukts wirkt auch heute noch nach. Doch diese “alten Mostzeiten” sind schon längst vorbei. Besonders merkt man das bei der alljährlichen Mostprämierung der Landwirtschaftskammer, bei der seit Jahren ein besonders positiver Trend erkennbar ist. Nicht nur die steigende Produktvielfalt ist auffällig, sondern auch der Anteil an Qualitätsmost wird immer größer. Dieser wird auch als Obstwein bezeichnet und ist durch eine staatliche Prüfnummer und einen Doppeladler gekennzeichnet. Besonders vorangetrieben wird diese Entwicklung von den beiden Produzentengruppen “Steirermost” und “Caldera”, die auch mit einem professionellen Marketing überzeugen.

Mostprämierung 2019 in der LK Steiermark

Verkostungschef Georg Thünauer, David Kargl, Michael Pöltl. Günther Brunner, Martin Mausser, Cornelia Jansel, Christof Krispel, Manfred Fauster, Vizepräsidentin Maria Pein, Marianne Mausser und Obstbauchef Wolfgang Mazelle. Foto: LK/Danner

Most-Profis

Martin Mausser aus Hitzendorf ist einer der Pioniere der Gruppe “Steirermost” und wurde heuer nicht nur als zweifacher Landessieger, sondern auch mit dem beliebten Titel “Mostproduzent des Jahres” ausgezeichnet. Der Obstwein-Profi: “Wir betreiben bereits seit 1985 eine Mostschenke und haben unseren Betrieb immer stärker verändert. In der Produktion setzen wir teilweise wieder auf alte Sorten wie Schafnase, Maschanzker, Ilzer Rosenapfel oder Champagnerrenette, doch auch neue Apfelsorten wie Topaz oder Braeburn haben ihren Platz.” Anstatt nur Pressobst für die Verarbeitung zu nutzen, verwendet Martin Mausser, gleich wie in der Weinproduktion, die besten Früchte für seinen Obstwein. Auch in der Kellereitechnik steht er mit seinen Most-Kollegen den steirischen Winzern in nichts nach.

Junge Menschen haben Most nur als qualitativ hochwertiges Produkt kennengelernt.

Kathrin Haas

Unsere Bäuerin des Jahres, Kathrin Haas aus Gnas, gehört mit ihrer Familie zur “Caldera-Gruppe”. Sie veranstaltet am familiären Obstbaubetrieb Hochzeiten und andere Feierlichkeiten und hat damit einen Trend der Zeit getroffen. Haas: “Unser Most wird sehr gut bei den Feiern angenommen und vor allem jüngere Kunden kaufen ihn gerne, da sie das Getränk nur als qualitativ hochwertiges Produkt kennengelernt haben. Auch im Sommer wird der Mostspritzer dem Weinspritzer oft vorgezogen, da er noch leichter ist und einen anderen Geschmack hat.”

Most-Zeremonie

Die Familie Haas hat auch gleich zwei neue Most-Ideen umgesetzt: Einerseits bietet sie mit ihrem “Mostini”, einem Mostmischgetränk mit Granatapfelsirup, eine liebliche Alternative zu bekannten Größen wie “Hugo” oder “Aperol-Spritz”. Andererseits können Hochzeitspaare bei der Trauung am Hof auch eine “Most-Zeremonie” durchführen. Dabei vermischen Braut und Bräutigam in einer romantischen Zeremonie Obstwein mit Mineralwasser, um ihre untrennbare Verbindung zu symbolisieren.

Landessieger 2019

  • Kategorie Apfelmost mit Restzucker, neuer Sorten: Christof Krispel (Kögerlhof) mit seinem Apfelmost Braeburn
  • Kategorie Apfelmost trocken: Martin Mausser (Mausser Most) mit seinem Steirermost Classic Topaz
  • Kategorie Apfelmost mit Restzucker, alte Sorten: Martin Mausser (Mausser Most) mit seinem Apfelmost Schafnase
  • Kategorie Schaumwein, Cider und Co: Michael Pöltl (Obsthof Glanz-Pöltl) mit seinem Red Love Cider

Sortensieger 2019

  • Apfelmost trocken Braeburn: Cornelia Jansel mit ihrem Steirermost Classic Braeburn
  • Apfelmost mit Restzucker neue Sorten rotfleischig: Cornelia Jansel mit ihrem Steirermost Red Love
  • Apfelmost mit Restzucker neue Sorten: Manfred Fauster mit seinem Rubinette N°5
  • Apfelmost trocken Rubinette: David Kargl (Kühbreinmost) mit seinem Steirermost Classic Rubinette
  • Apfelmost mit Restzucker Maschanzker: Günther Brunner (Mostschenke Brunner) mit seinem Apfelmost Maschanzker

Beitragsbild: Halfpoint – stock.adobe.com

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